Die zweitälteste Leidenschaft des Menschen. Jede Wette.

Die zweitälteste Leidenschaft des Menschen. Jede Wette. 

Artikel bewerten

Die Wette zählt zu den ältesten Leidenschaften des Menschen. Wetten, dass hinter einer Wette mehr steckt, als man vermuten würde, wenn man eine abschliesst?

Welcher Jäger erlegt das Mammut, welcher Ritter gewinnt das Turnier? Die Wette ist so alt wie die Menschheit. Die Goten und Germanen verstanden unter einer Wette den Wetteinsatz oder das Pfand, doch der Ursprung des Wortes reicht bis weit in vorgermanische Zeiten zurück. Sozusagen Cousins unserer heutigen Wette sind der lateinische «vas», der Bürge, und das «vadimonium», das Pfand.

Ob Bauland oder Börse, Wetten waren zu allen Zeiten ein Geschäft. Ob ein gutes oder schlechtes, ist dabei immer nur eine Frage des Sachverstandes oder des Glücks. Wett-Weltmeister sind die Briten: Auf den Inseln ist Wetten «big business». Mit 13 000 Angestellten und über einer Milliarde Pfund Umsatz pro Jahr zählt der Wettanbieter und Buchmacher Ladbrokes zu den 250 bedeutendsten Unternehmen Grossbritanniens. Bei Ladbrokes lässt sich online auf alles setzen, was sich irgendwie in eine Wette fassen lässt: Sport von A wie American Football bis W wie Wintersport, das nächste königliche Baby, den nächsten Literatur-Nobelpreisträger oder den nächsten Sieger am Eurovision Song Contest. Den übrigens haben die Zocker längst gekürt: Italien ist mit einer Quote von 3 Favorit, gefolgt von Estland (4,5), Schweden (6) und Finnland (8). Wenig Hoffnung machen können sich Israel und Weissrussland, die mit Quoten jenseits der 100 abgestraft werden. Auch die Politik gibt prächtige Wetten ab. Gemessen an den Quoten steht mit dem Labour-Führer Ed Miliband (2) der nächste britische Premierminister so gut wie fest, und in den USA ist Jeb Bush (3) die Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten quasi sicher.

Die durch eine Zahl ausgedrückte Quote bezeichnet dabei den Faktor, mit dem der Buchmacher den vorab getätigten Wetteinsatz multipliziert, wenn das betreffende Ereignis tatsächlich eintritt. Dabei gilt: Je tiefer die Quote, desto grösser in den Augen der Wettgemeinde die Wahrscheinlichkeit. Im Klartext: Gewinnt Italien den ESC oder wird Jeb Bush US-Präsident, erhalte ich für meine gesetzten 100 Franken deren 300 und mache damit einen Gewinn von 200 Franken. Es gibt Wetten, deren Quoten, einmal festgesetzt, unveränderlich bleiben. Bei anderen Wetten dagegen wetten die Teilnehmer untereinander und nicht gegen den Buchmacher; die Quoten richten sich also quasi nach Angebot und Nachfrage. Und schliesslich gibt es da noch die Live-Wetten, etwa bei Fussballspielen oder Tennismatches, deren Quoten sich im Zuge der einzelnen Spielszenen laufend ändern.

Eine Wette eingehen heisst einen Vertrag abschliessen. Allerdings einen ganz besonderen: Den Vertrag nennt man in juristischer Fachsprache «aleatorisch» (von lateinisch «alea», Würfel), weil die vereinbarte Leistung von einem nicht direkt beeinflussbaren Geschehen, vielleicht sogar vom Zufall, abhängt. Laut schweizerischem, deutschem und österreichischem Recht ist die Wette eine sogenannte «Naturalobligation», aus der keine Forderung entsteht. Wer also vom Buchmacher über den Tisch gezogen wird, hat zwar das Recht, seinen Gewinn einzufordern, doch einklagen kann er ihn nur in den seltensten Fällen, etwa dann, wenn die Wette durch gezielte Manipulation vereitelt worden ist.

A propos wettfiebriges Britannien: Mit der deutschen Wette nicht verwandt ist das englische «to bet». Dessen Ursprung liegt ebenso im Dunkeln wie der nächste Fussballweltmeister.

Leselinks: 

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+
Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 22. März | Pipsologie

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.