«Monopoly» vs. «Anti-Monopoly», oder: Die Spielbretter, die die Welt bedeuten

«Monopoly» vs. «Anti-Monopoly», oder: Die Spielbretter, die die Welt bedeuten 

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Den Umgang mit Geld haben wir mit dem Taschengeld gelernt – und mit einem Brettspiel, das die ganze Familie stundenlang an den Tisch gebannt hat: mit «Monopoly», dem Spieleklassiker des 20. Jahrhunderts.

Mit vier bis zum teuren Zürcher Paradeplatz bzw. die Schlossallee, oder – Mist! – mit sechs übers Ziel hinaus und auf den billigen Kornplatz in Chur, bzw. die deutsche Badstrasse? Ob Schweiz-, Deutschland- oder Weltedition, ob Brett-, Computer- oder Handyspiel: «Monopoly» macht bis heute Generationen mit den Gesetzen der freien Marktwirtschaft vertraut. Die Regeln kennen wir alle: Es gilt, möglichst viel Boden aufzukaufen und so die Mitspieler in den Ruin zu treiben.

Genau darum ging es nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielbrett. Monopoly geschaffen hat angeblich der Heizungsinstallateur Charles Darrow, als Zeitvertreib während seiner Arbeitslosigkeit in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Erste Monopoly-Ausgaben stellte Darrow in Handarbeit her, um sie anschliessend an Freunde und Nachbarn zu verkaufen. 1935 kaufte die Spielefirma Parker Brothers die Rechte am Spiel, das sie noch ein Jahr zuvor wegen «52 grundsätzlichen Fehlern» nicht hatte haben wollen. So grundsätzlich konnten diese Irrtümer allerdings nicht gewesen sein, denn Monopoly wurde seinem Namen gerecht und ein Bestseller.

Das wiederum rief 1974 Ralph Anspach auf den Plan, seines Zeichens Professor für Wirtschaft an der San Francisco State University. Er dachte sich «Anti-Monopoly» aus, ein Monopoly-Spiel mit umgekehrten Regeln: Das Spiel wird zu Beginn von Trusts beherrscht, die Spieler sammeln Anerkennungspunkte und schaffen allmählich eine freie Marktwirtschaft. Diese Anerkennung aber sollte Anspach versagt bleiben: Einen Verleger fand er nicht, und so veröffentlichte er sein Spiel auf eigene Faust.

Es kam, wie es kommen musste. Der milliardenschwere Lebensmittelhersteller General Mills, der inzwischen den «Monopoly»-Rechtehalter Parker Brothers übernommen hatte, strengte ein Plagiatsverfahren an, an dessen Ende sich General Mills und Anspach vor dem Supreme Court in Washington, dem höchsten Gericht der USA, wiederfanden. Mills hatte die Absicht, Anspach wie viele Kopisten davor vom Markt zu klagen; Zehntausende bereits produzierter Spielesets wurden vernichtet. Doch der Prozess verlief nicht ganz so, wie sich das die Kläger gedacht hatten: Die Richter liessen General Mills abblitzen und befanden, dass «Monopoly» gar kein Original sei, sondern vielmehr selbst eine unrechtmässige Kopie.

Das handgezeichnete Original aus dem Jahr 1904 trägt den Namen «The Landlord’s Game» (auf Deutsch: «das Grundbesitzerspiel»), sieht dem weltberühmten «Monopoly» zum Verwechseln ähnlich, trägt die US-Patentnummer 748 626 und stammt von der jungen Quäkerin Elizabeth Magie Phillips aus Virginia. Magie war eine glühende Anhängerin der Ideen des Ökonomen Henry George (1839-1897), Autor des 1879 erschienenen Bestsellers «Progress and Poverty» («Fortschritt und Armut»). Mit dem Spiel wollte Magie die georgistische Wirtschaftstheorie veranschaulichen, deren Kernanliegen es war, Spekulationsblasen zu verhindern und für eine bessere Umverteilung zu sorgen. Das Ur-«Monopoly» war also alles andere als ein Hohelied des Marktes, sondern vielmehr manifeste Kapitalismuskritik.

Plagiator Charles Darrow dagegen sollte von alledem nichts mehr erfahren: Zum Zeitpunkt des höchstrichterlichen «Monopoly»-Urteils war er bereits seit vielen Jahren tot. Noch heute wird er oft – und zu Unrecht – als Erfinder jenes Spiels gefeiert, das uns die Regeln des freien Marktes gelehrt hat.

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