Scheck, Kreditkarte, Kryptowährung: Geht es dem Bargeld an den Kragen?

Scheck, Kreditkarte, Kryptowährung: Geht es dem Bargeld an den Kragen? 

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Mit der Erfindung des Geldes nahm die moderne Wirtschaft ihren Anfang. Postscheck und Kreditkarte brachen dem bargeldlosen Zahlen die Bahn, und heute überlegen sich erste Länder, ob es dem Barzahlen nicht gänzlich an den Kragen gehen soll. Dafür gibt es durchaus Gründe.

Bargeld ist teuer. Die Herstellung einer Banknote scheint zwar mit rund 30 Rappen pro Stück recht günstig. Weil Notengeld im Durchschnitt aber nur drei Jahre hält und dann gegen frisches ausgetauscht werden muss, fallen bei der Schweizerischen Nationalbank jedes Jahr Kosten von 20 bis 30 Millionen Franken an, die Verarbeitungskosten nicht eingerechnet. Münzgeld ist in Herstellung und Handling noch teurer. Kein Wunder also, dass in den Zeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs immer mehr Länder über die gänzliche Abschaffung von Bargeld nachdenken.

Den Anfang machte Wirtschaftsprominenz wie der Citigroup-Chefökonom Willem Buiter oder der Harvard-Professor Kenneth Rogoff. In einem vielbeachteten Aufsatz stellt Rogoff dar, dass vor allem zwei Umstände gegen das Bargeld sprächen.

Seine blosse Existenz erschwert – erstens – die Negativzinspolitik der Nationalbanken. Eine Banknote ist per se eine Nullzinsanlage, und Banken müssen jederzeit bereit sein, mit Negativzinsen (im Klartext: mit einer Gebühr) belastete Kontobeträge auszuzahlen. Negativzinsen von mehr als einem Viertel- oder Halbprozent einzuführen, wird schwierig, wenn sich das Horten von Papiergeld auf einmal wieder lohnt. Das Geld unter der Matratze behält seinen Wert, auf dem Konto nicht. Negativzinsen selbst auf Bargeld wären im Übrigen nichts Neues: 1932/33, während der Weltwirtschaftskrise, liess Michael Unterguggenberger, Bürgermeister des Tiroler Dorfs Wörgl, sogenanntes «Schwundgeld» drucken und an die Gemeindebediensteten ausgeben. Diese Banknoten wurden überall im Dorf in Zahlung genommen. Doch damit sie ihren Wert behielten, mussten auf der Vorderseite jeden Monat Wertmarken aufgeklebt werden.

Es gehört – zweitens – zu den wesentlichen Eigenschaften des Bargelds, dass der Verkäufer nichts über seine Herkunft zu wissen braucht. Bargeld, über oder unter dem Tresen durchgeschoben, verleiht Anonymität. Damit ist es dazu angetan, die Transaktion vor Regierung und Behörden zu verschleiern. Es wird geschätzt, dass weltweit mehr als die Hälfte allen Geldes im Verborgenen verschoben wird. Nicht von ungefähr weiss der Untergrund Bargeld ganz besonders zu schätzen.

Diese zwei Eigenschaften – Nullzins und Anonymität –, dazu das Überhandnehmen der bargeldlosen Transaktionen und das Aufkommen von Kryptowährungen, so folgert Rogoff in seinem Artikel, legen den schrittweisen Verzicht auf Bargeld nahe, als erstes der grossen Noten, später allenfalls auch der kleinen und des Münzgelds. Selbst wenn diese Position alles andere als unwidersprochen bleibt: Eine Reihe von Ländern haben bereits Barzahlungslimiten eingeführt, und als erstes Land der Welt ist Schweden dabei, das Zahlen mit Cash gänzlich abzuschaffen. Ein für alle Mal.

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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