Wie realistisch ist ein Bargeldverbot?

Wie realistisch ist ein Bargeldverbot? 

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Die Geldbörse, der Geldbeutel oder das Portemonnaie scheint schon seit Langem seines ursprünglichen Zweckes beraubt. Das Accessoire ist heute weniger Träger grosser Bargeldmengen, sondern vielmehr Aufbewahrungsmittel verschiedenster Plastikkarten. Und dieses Plastik bestimmt zu einem grossen Teil das eigene Kaufverhalten.

Ich selbst kaufe mit der EC-Karte im Supermarkt oder im Sportgeschäft ein, buche mit meiner Kreditkarte Ferien im Internet, bezahle das Hotel vor Ort, tanke mein Auto oder miete ein Fahrzeug im Ausland. Alles funktioniert bargeld- und völlig problemlos, aber ist es auch risikolos? Dabei meine ich nicht das Missbrauchs-Risiko bei Verlust einer dieser Karten. Insbesondere wenn wir sie via Internet und mobile Kommunikationsgeräte nutzen, geben wir sehr viele persönliche Daten in unbekannte Hände. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich plädiere nicht für Rückschritt, denn ich profitiere gerne vom Fortschritt, wenn er mein Leben vereinfacht. Was mich in diesem Zusammenhang aber aufhorchen lässt, ist die aktuell geführte Diskussion um ein Verbot von Bargeld.

Abschaffung von Bargeld gefordert

So fordern beispielsweise der namhafte Ökonom und Harvard-Professor Ken Rogoff und der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine teilweise oder sogar gänzliche Abschaffung des Bargeldes. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten seien Geldscheine und Münzen ein Anachronismus, meinte Bofinger in einem Artikel im Nachrichtenmagazin «Spiegel». Ohne Bargeld als Zahlungsmittel könne man unter anderem Märkte für Schwarzarbeit und Drogen austrocknen. Auch Rogoff, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds begründete seine Forderung damit, dass die Anonymität von Bargeld vielfach für illegale Transaktionen genutzt werde. Dies mag auf den ersten Blick plausibel klingen. Nur wird damit nicht generell die Benutzung von Bargeld kriminalisiert? Ausserdem bedeutet Bargeld auch ein gewisses Mass an privater Freiheit.

Auf Gehör dürfte die Forderung der oben genannten Volkswirte unter anderem auch in den Zentralbanken stossen. Denn wenn Zentralbanken mit Null- oder gar Negativzinsen operieren (müssen), können die Geldhalter bisher immer noch auf zinsloses Bargeld ausweichen, was die Wirkung der Zentralbankpolitik aufweicht. Um eine (totale) Kontrolle über den globalen Geldfluss zu erlangen, müsste Bargeld konsequenterweise verboten werden. Denn alle anderen Formen des Geldes lassen sich von Seiten des Staates leichter überwachen und Banken wären zudem in einer Krisensituation nicht mit einem ruinösen «Bank-Run» konfrontiert.

Wird der (Bar-)Geldhahn langsam zugedreht?

Mit dem Verweis auf «Sicherheitsbedenken» und Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus nehmen die Bargeld-Einschränkungen weltweit zu. In Frankreich beispielsweise wird im kommenden September das Limit der erlaubten Barzahlung für in Frankreich lebende Personen von derzeit 3000 Euro auf 1000 Euro gesenkt –für (ertragbringende) Touristen gilt übrigens ein höheres Limit von 10 000 Euro. Zudem wird ein während eines Monats getätigter Bargeldbezug von mehr als 10 000 Euro automatisch der staatlichen Behörde für Geldwäscherei (Tracfin) gemeldet. Auch Spanien und Italien haben die Verwendung von Bargeld drastisch eingeschränkt. In Spanien sind jegliche Bartransaktionen von mehr als 2500 Euro verboten, in Italien liegt die Grenze bei nur 1000 Euro. In den USA werden die Anforderungen in Bezug auf Bargeldtransaktionen ebenfalls immer strikter. In der Wirtschaftsgeschichte gab es immer wieder drastischen Eingriffe, nicht nur im Bargeldgebrauch, sondern vor allem auch beim Privatbesitz von Gold. Erst Ende letzten Jahres wurde in der Schweiz im Parlament ein mögliches Bargeldverbot (ab 100 000 Franken) im Zusammenhang mit verschärften Geldwäscherei-Regeln behandelt – jedoch abgelehnt.

Unaufhaltsame Transformation hin zu einer bargeldfreien Gesellschaft

Die Diskussion um ein Verbot oder ein Verschwinden von Bargeld scheint irgendwie nach Verschwörungstheorie zu riechen, einige der Motive sind für mich allerdings plausibel. Es sind aber wohl weniger staatliche Restriktionen als vielmehr auch unser eigenes Verhalten als «fortschrittliche» Konsumenten, die die Entwicklung bequemer neuer Zahlungsmethoden, eben ohne Bargeld, fördern. Das ist der Fortschritt und davon profitieren wir alle, jedoch hat die quasi Abschaffung (der Freiheit) von Bargeld als Ultima Ratio sicherlich auch seinen Preis. Dessen sollten wir uns zumindest bewusst sein.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 29. Mai 2015 | Die Börsenblogger

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