Aktien: Der Energiesektor meldet sich zurück

Aktien: Der Energiesektor meldet sich zurück 

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Aktien aus dem Energiesektor gehörten in den vergangenen zwei Jahren nicht unbedingt zu den bevorzugten Zielen der globalen Anlegerschaft. Der einbrechende Ölpreis, der sich im Juni 2014 auf eine anderthalbjährige Talfahrt begab, liess auch Energieaktien scheinbar unaufhaltsam in die Tiefe rauschen. Die Talsohle wurde im Januar dieses Jahres erreicht, als das Barrel der Sorte Brent knapp 68 Prozent tiefer notierte als zu seinen Höchstständen. In der gleichen Zeit hatten die im SPDR S&P U.S. Energy Select Sector zusammengefassten Aktien im Durchschnitt knapp 49 Prozent an Wert verloren.

Ab Mitte Januar dieses Jahres stabilisierte sich jedoch das Bild: Der Preis für das Barrel Brent kletterte von 33 Dollar auf über 50 Dollar im Juni und schwankt seitdem zwischen 45 und 50 Dollar. Exakt am gleichen Tag wie der Ölpreis haben auch Energieaktien ihren Sturzflug beendet. Der SPDR S&P U.S. Energy Select Sector bewegt sich seit Mitte April in einem Band zwischen 65 und 70 Dollar.

Strohfeuer oder Trendwende?

Aus der Sicht eines Aktienanlegers stellt sich daher die Frage, ob Energieaktien das Schlimmste hinter sich haben und die mittlerweile seit rund acht Monaten andauernde Stabilisierung Ausdruck einer Trendwende ist. Wie der Gleichlauf von Öl und Aktien vermuten lässt, hängt dies entscheidend von der weiteren Entwicklung des Ölpreises ab. Dieser hat, wie kein anderer Faktor, Einfluss auf die Ertragslage der Unternehmen in diesem Sektor, angefangen von den in der Erschliessung und Förderung tätigen Unternehmen über die Transporteure und die Raffinerien bis hin zu den Herstellern der Bohr- und Förderausrüstung.

Grund für die beispiellose Talfahrt des Ölpreises war nicht etwa eine einbrechende weltweite Nachfrage, sondern eine Ausweitung der Produktion in gewaltigem Ausmass. Die Erschliessung und Förderung der nordamerikanischen Schieferölvorkommen erhöhte die globale Ölproduktion dramatisch. Gleichzeitig steigerte auch Saudi-Arabien seine Produktion, um auf dem Weltmarkt keine Anteile an die amerikanische Konkurrenz zu verlieren. Der Iran kehrte nach Ende der Sanktionen als weiterer Produzent zurück.

Ölmarkt auf Gleichgewichtssuche

Vieles spricht dafür, dass der Rohölmarkt bei einem Preis von 45-50 Dollar ein neues Gleichgewicht gefunden hat, denn viele Produzenten haben in den zurückliegenden Monaten ihre Förderung reduziert oder sind ganz vom Markt verschwunden. So hat sich beispielsweise die Anzahl der US-Förderanlagen seit Herbst 2014 von rund 1600 auf aktuell 414 reduziert. Auch das Volumen der weltweit getätigten Investitionen ist seit 2014 deutlich zurückgegangen.

Da sich diese Faktoren erst mit einer Verzögerung von bis zwei Jahren in der Fördermenge widerspiegeln, dürfte der Druck auf den Ölpreis abnehmen. Auch für das kommende Jahr gehen die Prognosen der Internation Energy Agency (IEA) von einem deutlich weniger dynamischen Anstieg der globalen Fördermengen aus.

Investoren sehen die Gelegenheit zum Einstieg

Auch die Aktien von Energieunternehmen dürften von diesem Umstand profitieren. Der Rückgang von Umsatz und Verdienst dürfte mittlerweile grösstenteils verdaut sein und die Analysten haben ihre Prognosen in den vergangenen Quartalen bereits deutlich nach unten angepasst. Die Gefahr, die Markterwartungen zu enttäuschen und den Aktienkurs auf erneute Talfahrt zu schicken, hat somit abgenommen.

Weiterer Rückenwind könnte aus der aktuellen Positionierung vor allem institutioneller Anleger erwachsen. Gemäss einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter ihren Kunden, haben diese erst vor kurzem damit begonnen, die Untergewichtung des Energiesektor in ihrem Aktienportfolio abzubauen. Um wenigstens auf eine neutrale Quote zu kommen, müssten allerdings noch weitere Käufe getätigt werden.

Keine übertriebenen Erwartungen hegen

Auch wenn der Ölpreis nicht weiter sinkt: Hoffnungen auf ein übermässiges Anziehen der Preise sollten Anleger jedoch nicht haben. Eine Eigenheit der amerikanischen Schieferölförderung ist, dass die Produktion ohne viel Aufwand und Zeitverzögerung erhöht werden kann, sollte ein steigender Ölpreis dies rentabel erscheinen lassen.

Hinzu kommt, dass auch weiterhin neue Ölfelder erschlossen werden, wie z.B. aktuell das Kashagan-Feld in Kasachstan. Und erst diese Woche liess die US-Firma Apache aufhorchen, als sie neue Vorkommen von drei Milliarden Fass Öl im texanischen Permian-Becken meldete. Diese können bereits bei einem Preis von 50 Dollar je Barrel profitabel gefördert werden.

Bild: Bohrplattform “Iran Khazar” by www.dragonoil.com. CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 16. September 2016 | Die Börsenblogger

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