Aktienhausse: Aus der Trump?

Aktienhausse: Aus der Trump? 

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Wer die Worte „Trump-Rallye vorbei“ googelt, wird viele Marktkommentare finden, die an der Nachhaltigkeit des jüngsten Börsenkursfeuerwerks zweifeln – und dies nicht erst seit gestern. So hat beispielsweise der bekannte Bond-Investor Jeff Grundlach – einer der wenigen, der den Wahlsieg Donald Trumps vorausgesagt hatte – bereits am 2. Dezember die Trump-Rallye für praktisch beendet erklärt und den baldigen Anstieg des Goldpreises prophezeit.

Tatsächlich hat das Edelmetall seither nach oben gedreht. Gegenüber dem Stand vom 1. Dezember notiert es inzwischen rund sechs Prozent höher. Nur hat der MSCI World im gleichen Zeitraum knapp sieben Prozent zugelegt. Beim Euro Stoxx sind es sogar 13 Prozent. Vielleicht werden die Trump-Rallye-Zweifler am Ende Recht behalten. Bisher geht ihre Rechnung jedoch nicht auf. Die nun seit mehr als acht Jahren anhaltende Hausse will einfach nicht von der Bühne abtreten.

Warum zweifeln so viele an der Aktienhausse? Jede Hausse hat natürlich ihre Baissiers und das ist gut so. Doch aktuell entsteht der Eindruck, dass sich manche Akteure zu sehr von den politischen Geräuschkulissen und Schlagzeilen-Schnellanalysen verleiten lassen. Die Aufmerksamkeit, die der neue Bewohner des Weissen Hauses mit seinen Aussagen in den Massen- und sozialen Medien auf sich zu lenken versteht, mag dabei eine verstärkende Rolle spielen.

Doch das eigentliche Problem scheint ein ganz anderes zu sein. Wird hier einfach die falsche Frage gestellt? Wer ein, zwei Schritte zurücktritt und das grosse Gesamtbild betrachtet, wird schnell draufkommen: Eine Trump-Rallye hat es nie gegeben.

Die aktuellen Finanzmarkttrends setzten lange vor den US-Wahlen quer durch alle Regionen und Anlageklassen ein. Die Auslöser lieferten dicht aufeinanderfolgende geldpolitische Entscheidungen in den zwei grössten Gläubigerstaaten der Weltwirtschaft: Am 29. Januar überraschte die Bank of Japan mit der Entscheidung, erstmals auch in Japan negative Zinssätze einzuführen. Etwa einen Monat später, am 26. Februar, folgte die People’s Bank of China, die eine „leichte Lockerungstendenz“ in ihrer geldpolitischen Grundhaltung angekündigte.

Erstere Entscheidung wurde von vielen Analysten kritisiert und belastete kurzzeitig die Märkte. Letztere wurde weitgehend ignoriert – sie wurde primär nur von jenen beachtet, die im Notenbank-Kaffeesudlesen geübt sind. Dennoch ist klar: Praktisch alle Aufwärtstrends nahmen in der Zeit zwischen diesen beiden Ankündigungen ihren Anfang – und sie sind bis heute intakt geblieben (vgl. Charts unten).

Mein Fazit:

  1. Vom Ende der Trump-Rallye kann nicht die Rede sein – schon allein deswegen nicht, weil es bisher praktisch keine gegeben hat. Der aktuelle Aufwärtstrend wird dann enden, wenn die Geldpolitik global den Punkt erreicht hat, an dem sie wachstumshemmend wirkt. Von diesem Punkt dürften wir aber noch recht weit entfernt sein.
  2. Weiterhin gilt: Die Steuer- und Investitionspolitik der neuen US-Administration könnte in den kommenden Jahren durchaus für eine zusätzliche Wachstumsdynamik sorgen. Republikanische Präsidentschaften und Kongressmehrheiten sind in dieser Hinsicht glaubwürdig. Das zeigt ihre Leistungsbilanz seit dem zweiten Weltkrieg (Finanzblog-Beitrag 15.11.2016). Mit anderen Worten: Eine Trump-Rallye, die tatsächlich Trump zugeschrieben werden kann, könnte also noch bevorstehen. Für ein endgültiges Urteil darüber ist es freilich noch zu früh. Doch für eine konstruktive Anlageallokation reicht die aktuelle Situation allemal.
  3. Wir sollten uns vor politischen Börsen hüten, denn sie haben in der Regel kurze Beine. Angesichts der anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland gilt 2017 als „Europas Schicksalsjahr“. Das mag auch so sein. Der oben beschriebene Sachverhalt suggeriert jedoch, dass die Finanzmärkte mittel- bis langfristig nach wie vor viel stärker von ganz anderen Faktoren getragen werden – insbesondere von den global dominierenden geldpolitischen Bedingungen.

Aus der Trump

Bild: Gage Skidmore CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 30. März 2017 | Die Börsenblogger

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