Aktienhausse: Volatil, aber noch am Leben

Aktienhausse: Volatil, aber noch am Leben 

An den Börsen herrscht zu Beginn der zweiten Halbzeit des Börsenjahres 2016 ein grundsätzlich freundlicher Ton. Der amerikanische Leitindex S&P 500 schrieb kürzlich ein neues Allzeithoch, und die Rohstoffbaisse scheint nach zwei turbulenten Jahren endlich abzuklingen. Dank der unterstützenden Haltung der Notenbanken dürfen wir durchaus «verhalten optimistisch» in die Zukunft schauen.

Blicken wir acht Monate zurück: Begonnen hat dieses Jahr mit Panik an den Märkten, ausgelöst durch Börsenturbulenzen in China. Das Gespenst einer harten Landung der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft wurde wieder einmal an die Wand gemalt. Die Finanzmedien meldeten den schlechtesten Jahresstart der Wall Street in der Geschichte.

In unserem regulären Marktkommentar versuchten wir seinerzeit die Leser zu beruhigen (vgl. LGT Beacon, 13.01.2015). Unser Kernargument lautete: In diesem Jahr sei weltweit wieder insgesamt mit einem höheren Wirtschaftswachstum zu rechnen. Die Verwerfungen dürften sich letztlich als nur vorübergehend herausstellen.

Positivere Haltung der Märkte

Auch wenn es in der Zwischenzeit mal turbulent zuging und unsere Einschätzung immer wieder angezweifelt wurde, sie zeigt sich nun als weitgehend korrekt. Das lässt sich zum einen an den steigenden Börsenkursen, zum anderen an den wieder nach oben zeigenden Unternehmensprognosen ablesen. Interessant ist auch, wie sich die offiziellen Konjunkturerwartungen verändert haben. Die nachfolgende Grafik zeigt die aktualisierte Datenreihe des Internationalen Währungsfonds für das globale nominale Bruttoinlandsprodukt (NBIP) in US-Dollar. Der Einbruch von 2015 war mit -6.4 Prozent deutlicher, als im Januar vermutet (-5.6 Prozent). Auch die Wachstumsprognose für 2016 wurde von annähernd 4 Prozent auf inzwischen nur mehr 1.1 Prozent reduziert. Abgesehen von den rein ökonomischen Aspekten verschärft das tiefe Wachstumsniveau auch soziale Probleme und Spannungen. Das kann weitreichende und verunsichernde politische Überraschungen mit sich bringen, wie die Reaktionen auf das britische «Brexit»-Votum zuletzt zeigten. Doch es zeigt sich ein Trend nach oben. Das globale NBIP-Wachstum soll 2017 immerhin rund 5 Prozent betragen.

NBIP-Wachstum

Zwei wacklige Standbeine

Angesichts des aktuellen Marktumfelds mit extrem niedrigen und vielfach sogar negativen Zinsen, die Aktien vergleichsweise attraktiver machen, sollte selbst dieses im Vergleich zu früher «bescheidene» Wachstumsumfeld ausreichen, um weitere Kursavancen an den Börsen zu rechtfertigen. Das Niedrigzinsumfeld ist zwar Ausdruck des derzeitigen schwachen Wachstums und wohl auch notwendig, fördert jedoch auch schuldenfinanzierte, kurzfristige Anlagepositionierungen. Diese müssen immer wieder bereinigt werden und können in einem strukturell anfälligen Marktregime dementsprechend starke Schwankungen auslösen. So dürfte uns die seit 2009 anhaltende Börsenhausse zwar erhalten bleiben, aber weiterhin von zwei wackligen Standbeinen – dem schwachen Wachstum und den extrem tiefen Zinsen – getragen werden.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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