Alpha ist sexy

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Jede Herde braucht einen Chef – das Alphatier. Chef wird, wer am kräftigsten, schlausten oder erfahrensten ist. Deshalb findet das andere Geschlecht, dass Alphatiere sexy sind. Das gleiche gilt für Anleger: Auch sie finden Alpha sexy. Und können gar nicht genug davon kriegen.

Im Finanzjargon bezeichnet Alpha die Mehrrendite eines Portfolio gegenüber seiner Benchmark. Ein Beispiel: Wenn Sie Ihr Portfolio in deutsche Aktien investieren, dann ist die Benchmark in der Regel der DAX, der Deutsche Aktien Index. Fällt der DAX um zwei Prozent und Ihr Portfolio steigt im gleichen Zeitraum um ein Prozent – ohne dass Sie grössere Risiken eingegangen sind – dann haben Sie ein positives Alpha von 3 Prozent erzielt. Herzliche Gratulation!

Sie sehen: Alpha zu verstehen, ist nicht so schwierig. Alpha zu erzielen, also den Markt auf Dauer zu schlagen und besser als der Durchschnitt zu sein, ist hingegen äusserst schwierig. Weil Anleger naturgemäss an hohen Renditen interessiert sind, ist Alpha zum heiss begehrten heiligen Gral der Finanzindustrie geworden, der von allen gejagt wird.

Finanzwissenschaftler streiten allerdings darüber, ob es überhaupt möglich ist, ein dauerhaftes Alpha zu erwirtschaften. Anhänger der sogenannten «Effizienzmarkthypothese» gehen nämlich davon aus, dass zu jedem Zeitpunkt sämtliche für den Preis eines Wertpapiers relevanten Information vollständig im Kurs des Wertpapiers reflektiert sind. Es wäre demnach gar nicht möglich, mit mehr oder besseren Informationen die zukünftige Preisentwicklung zu prognostizieren und diejenigen Wertpapiere auszuwählen, welche überdurchschnittlich abschneiden werden. Und je mehr schlaue Finanzanalysten und Funds-Manager dem Alpha nachjagten, desto effizienter würden die Märkte und desto rarer würde es sich machen.

Was rar ist, ist auch teuer. Analysten und Funds-Manager, die zuverlässig Alpha erzielen können, haben ihren Preis. Deshalb geben sich viele Anleger, vor allem wenn sie an die Markteffizienz glauben, mit weniger zufrieden. Ihnen reicht es, wenn ihr Portfolio gleich gut wie der Markt abschneidet. Sie geben sich also mit dem durchschnittlichen Mittelmass zufrieden und investieren passiv in kostengünstige Indexfunds oder ETFs. Das sind Funds, welche die Marktentwicklung möglichst exakt nachvollziehen – nach oben und nach unten.

Ist Ihnen das zu wenig sexy? Glauben Sie, dass die Märkte längst nicht immer effizient sind? Dass mehr herauszuholen ist, als bloss der Marktdurchschnitt? Falls Sie selbst kein Profi sind, verlegen Sie sich in diesem Fall am besten auf das Entdecken der wenigen Anlagetalente, die tatsächlich Alpha erwirtschaften können. Das setzt allerdings viel Erfahrung und Know how voraus – sowie die berühmte spezielle Nase. Denn im Unterschied zur Tierwelt sind die Alpha-Tiere unter den Funds-Managern sehr schwierig zu erkennen.

Leselinks:
Hedge Funds und das Alpha Paradoxon, Stefano Lecchini
Alpha bei Hedge Funds: Ein vorhandenes aber limitiertes Gut, von Stefano Lecchini

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