Als die Frisur noch auf die Bonität schliessen liess

Als die Frisur noch auf die Bonität schliessen liess 

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Bis heute gibt es Völker, in denen lange Haare für Reichtum stehen. Tragen die Frauen ihre Haare lang und offen, geht es angeblich wirtschaftlich bergauf. Doch für manche ist das alles nur an den Haaren herbeigezogen.

Man mag zu Redensarten stehen, wie man will, manche jedoch haben einen durchaus nachvollziehbaren Hintergrund. Wer zum Beispiel „Haare lassen muss“, der hat Nachteile hinzunehmen. Wahrscheinlich geht dieses Sprichwort auf jene längst vergangenen Zeiten zurück, als lange Haare noch für Stärke und Schönheit standen. Später symbolisierten die „Langhaarigen“ mit ihrem natürlichen Kopfschmuck Wohlstand und Besitz. Wenn es bei den Männern dann aber irgendwann zu einer Diskrepanz zwischen der Bonität und der natürlichen Haartracht kam, dann gönnte man sich eben teure Perücken.

Wer Perücken trug, musste Steuern zahlen

Zuerst begeisterten sich die Herren im 17. Jahrhundert für die künstliche Haartracht, etwa ab 1770 trugen auch die Damen Perücken, vorwiegend in rosa, violett oder blau. Die Gräfin Matignon liess sich angeblich täglich eine neue Perücke anfertigen – wofür sie ihrem Perückenmacher ein kleines Vermögen gezahlt haben soll.

wohlstand Haare

Dort, wo viel Geld fliesst, ist bekanntlich auch gleich der Fiskus zur Stelle. Prompt wurde in Preussen im Jahr 1698 auf Vorschlag des Reichsgrafen Johann Kasimir Kolbe von Wartenburg eine Perückensteuer eingeführt. Allzu üppig ist das Steueraufkommen offenbar nicht ausgefallen, jedenfalls wurde die Perückensteuer schon 18 Jahre später wieder abgeschafft.

Dem angeblichen Zusammenhang von Haaren und Wohlstand indessen begegnen wir bis heute – in vielfältiger Weise. Zum Beispiel in der Traumdeutung. Wer etwa träumt, seine Haare zu kämmen wie weiland die Nixe Loreley auf dem gleichnamigen Felsen am Rhein, der darf angeblich auf ein gutes Einkommen hoffen. Auch für die Yao im Südosten Chinas sind lange Haare ein Symbol für Reichtum und langes Leben. Je länger die Haare sind, desto besser. Deshalb schneiden die Frauen dort nicht einmal die Haarspitzen.

Röcke und Haare als Konjunkturindices

Selbst heute gilt die Haarlänge in manchen Ländern noch als eine Art Konjunkturindex – ebenso wie die Rocklänge, von der einst der US-Ökonom George Taylor behauptete, sie lasse Rückschlüsse auf die Wirtschaftsentwicklung zu. Tragen die Damen kurze Rücke, boomt die Konjunktur angeblich. Bevorzugen sie lange Röcke, sollte man sich auch als Investor und Anleger warm anziehen. Vor einiger Zeit überraschte die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei mit einer anderen kühnen These. Unter Berufung auf eine aktuelle Studie berichtete sie, solange die Frauen ihr Haar lang und offen trügen, gehe es wirtschaftlich bergauf. Aber wehe, die Haare reichen nur noch bis zum Schlüsselbein.

Dass Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon, zwar vieles besitzt, bloss keine Haare mehr, lässt vielleicht doch den Schluss zu, dass der Zusammenhang von Haartracht und Wohlstand an den Haaren herbeigezogen ist.

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