Als Sperrholzplatten Münzen und Scheine ersetzten

Als Sperrholzplatten Münzen und Scheine ersetzten 

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Um Geld zu verbrennen, muss es nicht unbedingt aus Holz sein. Eine falsche unternehmerische Entscheidung oder Schlendrian in der öffentlichen Verwaltung – und schon ist ein stattliches Vermögen vernichtet, ohne dass es dazu brennbaren Materials bedürfte.

Wenn in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten in manchen Teilen Europas Geld aus Holz emittiert wurde, dann hatte dies nichts mit dessen Brennbarkeit zu tun, sondern stellte schlicht eine Notlösung dar. In Phasen der Hyperinflation brauchte man schnelle Alternativen zu Geldscheinen und Metall-Münzen.

Notgeld aus Holz in Österreich

Nach dem Ersten Weltkrieg überlegten die Verantwortlichen in der österreichischen Gemeinde Hadersfeld, wie sie Notgeld unter die Leute bringen könnten. Die Lösung war schnell gefunden, man musste sich nur einmal umschauen in diesem kleinen Ort im Wienerwald. Wenn dort etwas einigermaßen florierte, dann waren es die mittelständischen Holzfabriken in Hadersfeld und Umgebung. Und so kam es, dass die Gemeinde bald Geld in Form von bebilderten Holzstücken ausgab. Auf den Platten waren der Wert und der Gültigkeitszeitraum dieses Notgeldes vermerkt. Viel Holz zu haben, war damit im übertragenen Sinne Ausdruck von hoher Bonität.

Ganz neu war diese Idee übrigens nicht, denn schon im Mittelalter gab es in manchen Regionen Holzgeld. Das diente allerdings nicht zum Einkauf, sondern zur Befriedigung von gierigen Grundherren. Die nämlich verlangten von ihren Leibeigenen mitunter Steuern in Form von Brennholz. Was immerhin beweist, dass es schon vor vielen Jahrhunderten möglich war, „Steuergeld“ zu verbrennen.

Bambusstäbchen als Zahlungsmittel

Auch in China des 18. und 19. Jahrhunderts suchten die Menschen nach Alternativen zum Bankgeld. Sie entschieden sich schließlich für Bambusstäbchen. Und im afrikanischen Kongo bezahlten die Menschen vorübergehend mit Rotholzgeld, dem sogenannten Bongotol. Die Rotholz-Ziegel fallen zwar in die Kategorie des „Primitivgeldes“, wer sich indessen heute eines der seltenen Exemplare zulegen möchte, muss meist schon einen dreistelligen Betrag investieren.

In Norddeutschland bestand das Notgeld in der Zeit der Wirtschaftskrise Anfang der 1920er Jahre ebenfalls aus Holz oder sogar aus Roggen. Die sogenannten Wooden Nickels in den USA schließlich werden hingegen vor allem zu Sammel- und Promotionzwecken hergestellt.

Heute kommt Holzgeld nur noch in der Mundart vor. In manchen deutschsprachigen Regionen rät man einem Zeitgenossen, der nicht gerade als sehr helle gilt: „Lass dir bloß kein Holzgeld aufdrehen“. Anders ausgedrückt: „Lass dich nicht über’s Ohr hauen“.

Leselink:

Weitere Infos und Bilder zum Hadersfelder Holzgeld

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 17. Oktober 2017 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 42 / 2017

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