Amtliche Beruhigungspille für die chinesischen Börsen

Amtliche Beruhigungspille für die chinesischen Börsen 

Der Start in das neue Jahr ist den Börsen missglückt. Die chinesische Börse zog am ersten Handelstag die anderen Aktienmärkte mit in die Tiefe: Der CSI 300 – der Hauptindex an den Börsen in Shanghai und Shenzhen – verzeichnete massive Verluste. Der Dezember hatte die schwachen Daten der chinesischen Industrie der letzten Monate nicht mehr in ein positives Licht rücken können.

Es wurde bereits vermutet, dass diese Negativspirale zu negativen Auswirkungen auf die Exportindustrie in Europa und den USA führen könnte. Entsprechend verloren die Aktienleitindizes dort ebenfalls massiv an Wert. Obschon die Sorgen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft nicht neu sind – die zweite Augusthälfte 2015 ist noch nicht allzu lange her – fielen die Korrekturen an den Börsen erneut massiv aus. Auch die Finanzspritze der People’s Bank of China konnte die negative Talfahrt vorerst nicht stoppen.

«Circuit Breaker», so heisst der neue offizielle Vorsatz für das Jahr 2016. Dabei handelt es sich um eine amtlich neu eingesetzte Regelung an den chinesischen Börsen: Brechen die Kurse um mehr als sieben Prozent ein, wird der Handel ausgesetzt. Neu ist ein solcher Eingriff nicht. Bereits im August 2015 machte die Regierung davon Gebrauch. Auch an anderen Börsenplätzen existiert bereits eine ähnliche Regelung. Binnen der ersten Handelswoche im neuen Jahr kam die Regelung zweimal zur Anwendung: Die chinesische Regierung setzte dem «Börsentaucher» bereits am ersten Handelstag ein Ende. Der nächste Tauchstopp liess nicht lange auf sich warten und erfolgte drei Tage später, am 7. Januar 2016, nach nicht mal 30 Minuten. Die Frage, wie tief die «freie» chinesische Börse tauchen kann – bevor Sie wieder auftaucht – wurde somit zumindest bis zum 7. Januar (noch) nicht beantwortet.

Schlägt die Therapie an?

Doch Zuversicht scheint die chinesische Regierung bei den Investoren damit nicht zu erreichten. Eigentlich sollte der Circuit Breaker dazu führen, grössere Verluste im Handel zu begrenzen. Im Gegenteil schürte er vermutlich sogar einen Verkaufswettkampf unter den Anlegern, welche möglichst schnell ihre Positionen abstossen wollten. Die Abwertung des Yuans steuerte wahrscheinlich seinen Teil dazu bei, dass die Kurse so rasch einbrachen. Kritik wurde ebenfalls an den Parametern der Regelung laut. Experten kritisieren insbesondere die sieben Prozent Hürde, diese sei zu restriktiv für den asiatischen Börsenplatz.

Die Suche nach fundamentalen Gründen für den Effekt an Chinas Börsen sind vielfältig. Finanzakteure benötigen und verwerten Information, um sich ein Bild über zukünftige Entwicklungen an den Börsen zu machen. Doch dies ist einfacher gesagt als getan: Denn nicht jede Kursbewegung ist zweifelsfrei einem fundamentalen Grund zuzuordnen oder lässt sich durch rationales Investorenverhalten erklären. Die Volatilität an den Märkten ist gestiegen und damit auch die Verunsicherung vieler Investoren. Externe Eingriffe von Nationalbanken und staatliche Kontrollen wirken dabei oft kontraproduktiv, verunsichern Anleger und führen oft zu höheren Schwankungen an den Finanzmärkten. Genauso kann ein Herdenverhalten bei emotional begründeten Käufen oder Verkäufen einen positiven oder negativen Trend auslösen. Doch Volatilität ist für die langfristige Stabilität des Finanzsystems nicht etwa negativ, sondern unabdingbar. Sie verhindert, dass optimistische Sorglosigkeit langfristig zu Enttäuschungen und volkswirtschaftlichen Schäden führt.

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