Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist

Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist 

In turbulenten Börsenphasen einen kühlen Kopf zu bewahren, fällt oft schwer – ist für den langfristigen Anlageerfolg aber entscheidend. Wer sich in ruhigen Zeiten rüstet, kann auch in der Hitze des Gefechts Chancen und Risiken gleichwertig abwägen oder gar kalkulierte Zukäufe tätigen – statt der Polemik der Schwarzmaler zu verfallen und das Handtuch zu werfen.

Autor: Johannes Oehri, Senior Economist LGT Capital Partners

Die neue Dekade hat mit einem Paukenschlag begonnen. Es war ein Jahr, das die meisten wohl nicht so schnell vergessen. In vieler Hinsicht äusserst herausfordernd – auch für Anleger. Denn es war auch das Jahr der Extreme und der Gegensätze in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten: der stärkste und schnellste globale Wirtschaftseinbruch aller Zeiten, aber auch die vermutlich kürzeste Rezession. Der rasanteste Bärenmarkt der Geschichte, aber auch die zügigste Erholung. Langfristigen Investoren bietet ein solches Umfeld attraktive Anlagechancen – leider nutzen sie meist nur wenige.

Anlegen mit langfristiger Perspektive

Dabei charakterisieren sich Investoren im Grunde dadurch, dass sie ihren finanziellen Erfolg über einen längeren Zeitraum messen, als die monatlich oder gar täglich kalkulierenden Spekulanten. Ihr primäres Risiko ist daher nicht Volatilität, sondern der permanente Verlust von Kapital und die damit verbundene Gefährdung der langfristigen Anlageziele. Genau darin liegt aber auch ihr Vorteil: Sie haben schlicht den längeren Atem und können temporäre Preisverluste besser tolerieren. Damit müssten sie nicht nur weniger Gefahr laufen, am Höhepunkt der allgemeinen Panik die Orientierung zu verlieren und langfristige Wertanlagen ohne Zwang zu veräussern. Vielmehr sollten Investoren, im Gegenteil, aus ihrem Vorteil buchstäblich Kapital schlagen, indem sie in starken Marktverwerfungen langfristig wertvermehrende Anlagen günstig zukaufen. Denn es sind genau diese wenigen Börsenturbulenzen, die den langfristig erfolgreichen Investor vom durchschnittlichen unterscheiden. Napoléon Bonaparte wird nachgesagt, ein militärisches Genie definiert zu haben als «derjenige, der das Durchschnittliche tun kann, wenn alle um ihn den Verstand verlieren». Das gilt auch für erfolgreiches Investieren: Ein Grossteil des langfristigen Erfolges ergibt sich daraus, dass man in den wenigen panikartigen Marktphasen einen kühlen Kopf bewahrt.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan: Allzu gerne verfallen wir den Sirenen der Medien, die mit beängstigenden Schreckensmeldungen um unsere Aufmerksamkeit buhlen und uns die langfristigen Perspektiven vergessen lassen. Denn wir Menschen bevorzugen grundsätzlich Sicherheit und haben eine irrationale Aversion gegenüber Verlusten. So belegten Daniel Kahneman und Amos Tversky, die Gründerväter der Behavioral Finance, in Experimenten, dass wir uns über einen finanziellen Verlust rund doppelt so viel ärgern, wie wir uns über einen gleichhohen Gewinn freuen – ihre psychologische Wirkung ist also ungleich. Diese kognitive Verzerrung lässt uns irrationale Entscheidungen treffen. Weil wir Chancen und Risiken ein ungleiches Gewicht beimessen, laufen wir Gefahr, langfristige Wertanlagen nach starken Korrekturen aus Verunsicherung und Angst vor weiteren Preisverlusten zu verkaufen. Doch der anschliessende Wiedereinstig gestaltet sich oft schwierig: Zunächst bleibt das Umfeld ungewiss und man möchte abwarten, bis sich der Nebel lichtet – doch sobald sich der Dunst der Ungewissheit verzieht, haben die Börsenkurse die Besserung bereits eskomptiert. Dann aber möchte man den steigenden Kursen auf keinen Fall hinterherrennen und lieber wieder auf eine günstigere Kaufgelegenheit warten. So mag die Risikoreduktion zwar kurzfristige emotionale Erleichterung gebracht haben, kann aber langfristig schmerzhaft sein – denn der Zinseszinseffekt verstärkt über die Jahre auch kleinere verpasste Bullenphasen in grössere finanzielle Mindereinnahmen.

In ruhigen Zeiten auf Hektik vorbereiten

Was können wir Investoren dagegen unternehmen? Uns vorbereiten! Denn selbst wenn die Börsen auf lange Sicht steigen, werden auch künftig unausweichlich scharfe Korrekturen folgen. Und weil wir heute alle Geräte mit uns herumtragen, die uns jederzeit und überall Zugang zu den weltweiten Negativschlagzeilen bieten, die sich daher schneller verbreiten als ein Virus, werden kurzfristige Überreaktionen wohl eher noch häufiger. Wer sich darauf einstellt, kann im entscheidenden Moment die Psychologie umkehren und, statt sich auf die Risiken zu fokussieren, die Wahrnehmung der sich bietenden Chancen erhöhen.

Als langfristiger Investor hat sich auch die LGT Capital Partners entsprechend vorbereitet. So beziehen wir die Erkenntnisse der Behavioral Finance schon viele Jahre explizit in unsere Anlageprozesse mit ein. In der strategischen Vermögensallokation setzen wir uns mithilfe des Szenarioansatzes systematisch auch mit negativen Zukunftspfaden und deren Einfluss auf die Vermögenspreise auseinander. Und um für starke Korrekturen wie letzten März gerüstet zu sein und von den sich bietenden Opportunitäten profitieren zu können, haben wir den Anlageprozess der Fürstlichen Strategie seit 2012 um eine antizyklische Komponente erweitert. Dabei werden in ruhigen Zeiten, ohne Hektik und mit der erforderlichen Sorgfalt für verschiedene Anlageklassen Bedingungen festgelegt – etwa Bewertungsniveaus oder Anlegerstimmung –, zu denen wir in aller Ungewissheit und Hektik einer starken Korrektur strategische Zukäufe für die Fürstliche Strategie als opportun erachten. Dabei orientieren wir uns an Fragestellungen wie: Bei welchen Kreditaufschlägen preisen Hochzinsanleihen einen historisch einmalig grossen Ausfallzyklus ein? Oder: Ab welcher Höhe können Abschläge für Listed Private Equity Anlagen selbst in einer Rezession nicht mehr fundamental gerechtfertigt werden?

«Ein Grossteil des langfristigen Erfolges ergibt sich daraus, dass man in den wenigen panikartigen Marktphasen einen kühlen Kopf bewahrt.»

Der Ansatz reduziert also in hektischen Zeiten Komplexität und gibt Halt. Die entsprechenden Bedingungen sind durchwegs vorsichtig definiert und sollten über ein bis zwei Jahre zu deutlichen Wertzugewinnen der entsprechenden Anlagen führen. Natürlich werden derartige Zukäufe nie «automatisch» ausgeführt, sondern unterliegen stets dem kritischen Veto des erfahrenen Investmentkomitees der Fürstlichen Strategie, das Chancen und Risiken gleichermassen berücksichtigt. Veräussert werden die Zukäufe jeweils, sobald sich die Marktbedingungen und die betrachteten Bewertungsmasse wieder normalisiert haben. Und tatsächlich erfolgten aus dem regelmässigen Monitoring designierter Opportunitäten bereits eine Reihe von antizyklischen Investments, die ausnahmslos bereits nach weniger als einem Jahr wieder mit einem zweistelligen Profit veräussert werden konnten. Der Zufall begünstigt eben nur den vorbereiteten Geist! Tun Sie es uns gleich und nutzen Sie ruhige Finanzmärkte, um gerüstet zu sein für die unausweichlichen schlechteren Börsenphasen. Oder vertrauen Sie die Verwaltung Ihres Finanzvermögens den Experten der LGT an – wie es auch die Fürstliche Familie tut. Damit Sie Zeit haben, sich auf wichtigere Dinge vorzubereiten.

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