Anlagerenditen: Ein Blick über den Tellerrand der Negativzinswelt

Anlagerenditen: Ein Blick über den Tellerrand der Negativzinswelt 

Für viele etwas überraschend sind 2014 und auch zu Beginn dieses Jahres die Renditen westlicher Staatsanleihen weiter gesunken und haben insbesondere in Europa ihre bereits historischen Tiefststände der letzten Jahre noch weiter unterboten.

Rückblickend waren Anleger trotz aller Befürchtungen (noch) gut damit bedient, Anleihen mit längeren Laufzeiten zu halten. Die jüngste Welle von geldpolitischen Massnahmen – mit der Einführung von Negativzinsen in der Schweiz, in Schweden und Dänemark sowie dem Anschalten der Notenpresse in der Eurozone – hatte nicht nur Einfluss auf die bereits negativen realen Zinsen, sondern hat nun auch nominale Zinsen in den negativen Bereich geführt. Das verschärft das Problem für institutionelle Anleger, wie Pensionskassen, aber auch für private Investoren mit sicheren Staatsanleihen, sowohl nominal als auch real positive Erträge zu erzielen. Populäre Alternativen, wie z.B. Unternehmensanleihen, versprechen zwar eine höhere Rendite bei vergleichbar höherem Risiko, aber die grosse Nachfrage nach solchen Kreditrisikoprämien hat auch in diesem Segment vielerorts dazu geführt, dass der Anleger für die zusätzlichen Risiken nicht mehr angemessen entschädigt wird. In der Negativzinswelt Europas gibt es also Kannibalisierungseffekte zwischen Staats- und Unternehmensanleihen. Solange sich der Rahmen der europäischen Anleihepolitik nicht verändert, dürfte sich dieses Dilemma weiter verschärfen – zumindest für die entwickelten Volkswirtschaften in Europa.

Von der «Entschuldung» Europas profitieren?

Für Anleger mit Fokus auf Unternehmenswerte befindet sich Europa derzeit in einem Zustand der fortgesetzten Selbstblockade: Die Geldschöpfung der Zentralbanken schlägt sich nicht im gewünschten Masse auf die Kreditvergabe durch. In Europa sind die Unternehmen jedoch überdurchschnittlich stark abhängig von den Krediten der Banken. Und die sind derzeit damit beschäftigt, die strafferen Regulierungsauflagen zu erfüllen, indem sie nur noch Kreditnehmer mit minimalem Risiko in ihren Büchern halten (Basel III, Solvency II). Um ihre Kapitalbasis zu stärken, müssen die Banken quasi «nachsitzen» und die Risikofreude der Vergangenheit ausgleichen, indem sie ihre Kreditvergabepraxis neu justieren. Diese Tendenz eröffnet Opportunitäten von denen insbesondere Intermediäre profitieren können. Sie können hier beispielsweise in die Bresche springen, indem Sie entweder direkt Mittel bereitstellen (z.B. über Mezzanine-Finanzierung) oder vorhandene Darlehen für einen Teil des Nennbetrages übernehmen, falls der Investor eine gewisse Illiquidität der Anlagen in Kauf nehmen kann.

Alternative: Flucht in die Schwellenländer?

Kritische Zeiten beflügeln erfahrungsgemäss den Innovationsdruck und die Bereitschaft, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und neu zu überdenken. Es reicht hier bereits einen Blick nach links oder rechts oder über die Grenzen Europas zu werfen. Anleihen in Schwellenländer können attraktive, risikoadjustierte Renditen einbringen, verlangen aber ein tiefgehendes Verständnis dieser Märkte und ihrer systemischen Verflechtung in der Weltwirtschaft und deren Risiken. Dazu gehören in erster Linie geopolitische, länderspezifische sowie auch Qualitätsrisiken. Die derzeit viel diskutierten Wechselkursrisiken können durch Emissionen in «Hartwährungen», wie z.B. dem US-Dollar, eingedämmt werden. Bei Anlagen in Lokalwährungen kann man sich beispielsweise zusätzlich vor Inflation schützen, indem man auf inflationsgeschützte Anleihen zurückgreift. Anleihen von Schwellenländern können somit auch heute noch attraktive Renditen bieten, wenn sich der Anleger den zusätzlichen Risiken bewusst ist und diese auch einschätzen und tragen kann: There is no such thing as a free lunch.

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