Auf einen Kaffee mit dem Weltmarkt

Auf einen Kaffee mit dem Weltmarkt 

Trinken Sie gerne Kaffee? Ja? Ich auch. Milchkaffee oder schwarz? Zucker? Lieber zu Hause oder auswärts? Eigentlich egal, denn es geht hier nicht darum, wie und wo sie Kaffee trinken, sondern um den aktuellen Preis.

Der Preis von Kaffee an der Börse bewegt sich seit rund zwei Jahren nur in eine Richtung: abwärts – und das, obwohl der Konsum in vielen Ländern weiterhin leicht zunimmt. In der Schweiz wurden 2011 pro Kopf 7.8kg Kaffee konsumiert, rund ein Kilogramm mehr als in Deutschland. Die Erwartungen der ICO (International Coffee Organization)  liegen bei einem jährlichen Wachstum von rund einem Prozent im Zeitraum 2010 bis 2020.

Noch vor wenigen Jahren schienen die Kaffeepreise fast automatisch zu steigen. Kostete im September 2011 das amerikanische Pfund (lb) Kaffee noch rund drei Dollar, so stehen wir aktuell etwa zwei Drittel tiefer bei knapp einem Dollar für rund ein halbes Kilo Arabica Kaffee.

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Was steckt hinter dem Preiszerfall?

2013 dezimierte der Schädlingspilz Roya einen grossen Teil der Kaffeeernte in Lateinamerika. Man hätte also davon ausgehen können, dass das Angebot an Kaffee abnehmen und sich der Preis von Röstkaffee daher bald stabilisieren würde. Doch genau das Gegenteil traf ein. Das globale Kaffeeangebot stieg von 133 Millionen „60-Kilo-bags“ im Erntejahr (Crop Year) 2010/2011 auf über 146 Millionen im Erntejahr 2012/2013 (Quelle: ICO).

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Bei genauerer Betrachtung von Angebot und Nachfrage liegt die Ursache auf der Hand: Der stabilen Nachfrage steht aktuell ein schon fast chronisches Überangebot an Kaffee gegenüber, das durch immense Lagerbestände genährt wird. Gerade die Bauern in Brasilien – eine der führenden Nationen in Produktion und Export von Kaffee – bringen nicht nur die aktuelle Ernte in Umlauf, sondern bauen ihre Lagerbestände massiv ab. Ein Blick auf den Devisenmarkt lässt vermuten, dass insbesondere die Angst vor einer noch stärkeren Abwertung des Reals gegen den US-Dollar hierbei eine zentrale Rolle spielt (der brasilianische Real büsste seit Mai 2013 bis heute etwa 16 Prozent ein).

Der aktuelle Tiefpreis wird also vermutlich auch durch die Sorge vor noch tieferen Preisen bestimmt – nebst dem aktuellen Ungleichgewicht zwischen Produktion und Nachfrage. Der steigende Preis während 2009 bis 2011 war also einerseits für den massiven Ausbau der Produktion verantwortlich, weil er lukrative Gewinne für die Erzeuger versprach – andererseits sorgte das steigende Angebot für den Aufbau von Lagerbeständen – deren Abbau jetzt die Preise drückt.

Wie weiter?

Schon alleine wegen den Produktionskosten kann diese Tendenz langfristig nicht weitergehen. Zum aktuellen Tiefstpreis können die wenigsten Kaffeebauern ihre Kosten noch decken. Die durchschnittlichen Produktionskosten in Brasilien lagen 2010 bereits bei 1.35 USD pro Pfund Arabica.

Doch solange sich kein fundamentaler Faktor ändert oder sich das Wetter negativ auf die zukünftige Ernte auswirkt, wird sich der Preis vermutlich auch 2014 auf einem tiefen Niveau stabilisieren, bis die Lagerbestände abgebaut sind. Wenn dieser „Puffer“ zwischen Produktion und Nachfrage wieder schwindet, werden die Preise wieder anziehen, ceteris paribus. Bei meinen gelegentlichen Starbucks-Besuchen habe ich allerdings noch nichts von tieferen Kaffeepreisen bemerkt…

Lesetipp: Tchibo Kaffeereport

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Rohstoffe – back to «normal»? « LGT Finanzblog

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