Geldgeschichten
Kerzenschein

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Auktions-Geschichte: Bietergefechte bei Kerzenschein

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12.04.2016 - Geldgeschichten:

«3, 2, 1 – meins», so beschreibt der Werbeslogan einer bekannten Internet-Verkaufsplattform den schnellen Weg zum Ziel bei elektronischen Auktionen. Im 17. Jahrhundert ging das in London noch sehr viel gemütlicher und fast schon ein wenig romantisch zu.

In den Kaffeehäusern in unmittelbarer Nähe zum Covent Garden trafen sich die distinguierten Herren – Damen waren eher die Ausnahme – und zündeten zu Beginn der Auktion eine Kerze an. Erst als sich die Kerze allmählich ihrem Ende näherte, gab man für den zum Verkauf stehenden Wertgegenstand Gebote ab. Den Zuschlag erhielt das zuletzt aufgerufene Gebot, ehe die Kerze erlosch. «Alte Hasen» wussten, dass der von der Kerze aufsteigende Rauch kurz vor dem Erlöschen eine andere Farbe annahm. Just in diesem Moment gaben sie schnell noch ein Gebot ab. Mit dieser Candlelight-Strategie wurde der Preis in der letzten Phase oft erheblich in die Höhe getrieben.

Nüchtern betrachtet, ist eine Auktion auch nichts anderes als ein Marktplatz, auf dem Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Dennoch ist eine Versteigerung wahrscheinlich die emotionalste Art, ein Objekt der Begierde zu erwerben. Dort treffen bei heftigen Bietergefechten Jagdinstinkt, Sammelleidenschaft und adrenalinfördernde Hochspannung aufeinander. Und weil mancher im Bieter-Rausch schon Haus und Hof verpfändete, machte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in New York ein Anti-Auktionskomitee gegen die angeblich «verderbliche Neigung des Versteigerns» mobil. Man sagt sogar, Rembrandts Auktions-Fieber habe erheblichen Anteil an seiner Pleite. Allerdings soll er auch bei seinen eigenen Graphiken verdeckt mitgesteigert haben, um die Preise in die Höhe zu treiben.

Wann genau die Menschen auf die Idee kamen, Wertgegenstände (und leider bald darauf auch Sklaven) meistbietend zu veräussern, steht nicht genau fest. Angeblich soll im fünften Jahrhundert vor Christus schon Kriegsbeute versteigert worden sein. Besonders eifrige Ver- und Ersteigerer waren die Römer. Der unsägliche Kaiser Caligula liess Möbel und Dekorationsobjekte versteigern, um seine Schulden bezahlen zu können. Die längste Auktion der Geschichte dauerte übrigens zwei Monate und wurde von Marc Aurel angesetzt. Die Erlöse dienten dem Abbau der hohen Staatsschulden.

Heute wären sogar die Rekorderlöse aus Auktionen nur Tropfen auf die heissen staatlichen Schuldenberge. Dennoch nehmen sich manche Versteigerungs-Ergebnisse wahrhaft atemberaubend aus. Im Februar etwa wechselte ein Ferrari 355S, Baujahr 1957, für über 32 Millionen Euro seinen Besitzer. Allerdings war es auch nicht irgendein Ferrari. Graf Berghe von Trips fuhr mit ihm die Mille Miglia.

Doch was ist schon ein Ferrari gegen die Werke grosser Künstler? Bei Pablo Picassos «Les femmes d‘Alger» fiel der Hammer des Auktionators im Mai 2015 erst bei 179,4 Millionen Dollar. Und einem anonymen Bieter war Amedeo Modiglianis Gemälde «Nu couché» immerhin über 170 Millionen Dollar wert.

Von solchen Versteigerungs-Ergebnissen konnten die Herren, die sich einst in London trafen, nur träumen. Und der Kerzenschein von damals ist längst den Scheinwerfern elektronischer Medien gewichen.

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