Auktionsfieber: Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten

Auktionsfieber: Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten 

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Auktionen gibt es seit Tausenden von Jahren. Und oft werden überraschende Rekorderlöse erzielt. Was fasziniert die Menschen an Versteigerungen? Warum stürzen sie sich in ein Bietergefecht mit ungewissem Ausgang?

Da stockte nicht nur der Kunstwelt der Atem: Über 450 Millionen US-Dollar wurden vor einigen Wochen auf einer Auktion bei Christie’s für das Leonardo da Vinci zugeschriebene Ölgemälde „Salvador Mundi“ gezahlt. Ein neuer Rekord. Im vergangenen Oktober versteigerte das Auktionshaus Phillips eine Rolex Daytona „Paul Newman“ für sage und schreibe 17.7 Millionen US-Dollar. Ebenfalls ein neuer Rekord – es ist die teuerste bisher verkaufte Armbanduhr der Welt.

Dass in manchen hitzigen Bietergefechten zwischen ambitionierten Sammlern und Sachwert-Investoren am Ende solche rational mitunter kaum noch nachvollziehbaren Preise stehen können, gehört zu den Besonderheiten von Auktionen. Nicht von ungefähr leitet sich das Wort „Auktion“ vom lateinischen „auctio“ ab, was so viel wie Vermehrung bedeutet.

Rembrandt führte das Auktionsfieber in die Pleite

Versteigert wurde schon im alten Rom. Doch bis heute hat diese Methode des Eigentumswechsels nichts an Faszination eingebüsst. Sieht man von Internet-Auktionen und der Möglichkeit des telefonischen Bietens einmal ab, funktionieren die klassischen Präsenzauktionen noch immer nach einem archaischen Prinzip: Zu einem bestimmten Termin werden an einem bestimmten Platz Gegenstände zum Kauf angeboten. Wer den höchsten Preis bietet, erhält den Zuschlag. Das hat die Menschen offenbar seit jeher geradezu elektrisiert. Sogar Rembrandt erlag dem Auktionsfieber, was ihn am Ende in den Bankrott führte.

Was aber macht die Faszination von Auktionen aus? Für Sammler sind Auktionen häufig die einzige Möglichkeit, an das Objekt ihrer Begierde zu kommen und ihre Kollektion zu komplettieren. Sie haben das Objekt vor Augen – zum Greifen nah. Und sie wissen: So schnell wird sich diese Möglichkeit vermutlich nicht wieder ergeben. Der „Haben-wollen“-Effekt gewinnt die Oberhand.

Bieter fürchten Imageschaden und Frust

Doch sogar für eher profane Ware zahlen Bieter zum Teil völlig überhöhte Preise. Für die auf Auktionsplattformen im Internet angebotenen Produkte berappen Käufer im Schnitt 15 Prozent mehr als notwendig, haben US-Forscher herausgefunden.

Warum ist das so? Neurologen und Ökonomen der Universität New York sind dieser Frage schon vor zehn Jahren nachgegangen. Ihre Erkenntnis: Die unterschwellige Angst vor Ansehensverlust und Frust lässt viele Menschen überhöhte Gebote abgeben. Die Niederlage bei Auktionen löse weitaus stärkere Reaktionen im Gehirn aus als eine Pechsträhne in der Lotterie, schrieben die Forscher im Fachjournal „Science“.

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