Auslaufmodell Wegwerfgesellschaft

Auslaufmodell Wegwerfgesellschaft 

Die Weihnachtstage sind vorbei. Der eine oder die andere hat bestimmt zuviel eingekauft. Denn an Weihnachten weiss man nie: Vielleicht kommt die Grossmutter ja doch auf Besuch, oder die Kinder möchten sich doch noch einen Tag länger von den Eltern kulinarisch verwöhnen lassen. Nun hat uns das neue Arbeitsjahr aber wieder. Die meisten von uns essen am Mittag auswärts. Am Abend ist man nicht zuhause oder kocht sich noch kurz eine Suppe oder lässt sich eine Pizza kommen.

Und wohin nun mit den Weihnachtsresten? Das Ablauf- und Haltbarkeitsdatum der Produkte nähert sich oder ist bereits überschritten. Der Rest vom Weihnachtsfest wandert meist nach ein paar Tagen ganz und gar unfeierlich in den Müll.

Mein Kühlschrank – meine Volkswirtschaft

Unser Kühlschrank ist dabei ein Mikrokosmos der Volkswirtschaft: Hier wie dort ist Wegwerfen einfacher als wieder verwerten. Nur die Dimension ist eine andere: Allein im Detailhandel fallen in der Schweiz pro Jahr 115‘000 Tonnen Lebensmittelabfall an. Obwohl das nur 5 Prozent des gesamten Food Waste in der Schweiz ausmacht, ist es eine beträchtliche Zahl. Mehr als 2.3 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Schweizer Abfall. Die Detaillisten sortieren die Ware, deren Haltbarkeits- und Ablaufdatum überschritten ist aus, und werfen sie weg. Dies kommt sie billiger zu stehen, als die Ware mit einem neuen reduzierten Preis zu versehen. Sie kommen damit einem offenbaren Kundenbedürfnis nach, alles zu jeder Zeit anzubieten. Angefangen bei Brot, welches auch am Abend noch ganz frisch und warm sein muss bis zu Erdbeeren im Januar. Alles was bis Feierabend nicht verkauft werden kann, nicht mehr ganz frisch ist oder kleine Makel aufweist, wird entsorgt. In Deutschland landen aus diesem Grund jährlich mehr als 500‘000 Tonnen Brot im Müll.

Kreislaufwirtschaft im Schutze der Dunkelheit

Doch die Container der Supermärkte nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern Europas, erhalten in der Nacht oder am Sonntag immer öfter Besuch von so genannten «Mülltauchern» oder «Dumpstern». «Containern» wird dieses Phänomen in der Fachsprache genannt und bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern. Diese Bewegung aus den USA hat mittlerweile in Europa Fuss gefasst. Dabei werden aus Containern von Supermärkten, aber auch von Fabriken Nahrungsmittel geholt; einerseits von Bedürftigen, aber auch immer mehr von Freeganern. Ein Teilbereich der Freeganer basiert auf Konsumverweigerung und einer Boykottierung der sogenannten Wegwerfgesellschaft. Die Freeganer sind oft in Gruppen organisiert: sie teilen sich die Gebiete auf und tauschen am Ende die Produkte untereinander.
Viele der Freeganer sind zwischen 20-25 Jahre alt; es gibt aber auch Ältere und Eltern, die regelmässig im Müll wühlen, um nach noch einwandfreien Lebensmitteln zu tauchen – und das nicht aus Armut, sondern aus Überzeugung. Containern ist ein Symbol einer Gesellschaft, die viel zu viel und dies viel zu oft zu Müll macht.

Vermeiden statt Containern: Tipps gegen die persönliche Wegwerfwirtschaft

Die potenziellen Müllverursacher und -veränderer sind Sie und ich. Denn wir produzieren als Konsumenten 45 Prozent des gesamten Food Waste. Veränderungen im grossen Stil beginnen meist mit kleinen Schritten. Einige haben wir hier als Tipps gegen die postweihnachtliche Müllflut zusammengetragen:

  • Vor dem Wegschmeissen testen, ob abgelaufene Produkte wirklich nicht mehr geniessbar sind: Hersteller unterscheiden zwischen Verbrauchsdatum «zu verbrauchen bis …» bei leicht verderblichen Esswaren wie Fleisch, Fisch und Milchprodukten und Mindesthaltbarkeitsdatum «mindestens haltbar bis …» für länger haltbare Produkte wie Pasta, Reis. etc. die bei sachgemässer Lagerung und ungeöffneter Packung einwandfrei für lange geniessbar sind. Der Hersteller garantiert mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum nur, dass in dieser Zeit keine Qualitäts- und Geschmackseinbussen auftreten dürfen.
  • Am besten mit Einkaufszettel und vollem Magen zum Einkauf losmarschieren, denn wer mit leerem Magen einkauft, überschätzt tendenziell sich und seinen Hunger. Denn wir kaufen für jede Gefühlslage ein: Süsses für den Frust, Gemüse und Früchte fürs schlechte Gewissen, Fleisch und Fisch, weil man sich ja sonst nichts gönnt. Und der Kühlschrank muss bis oben voll sein!
  • Verwerten von Resten durch kreative Resten-Rezepte: Reste verwerten ist der normale Umgang mit Essen gewesen, bevor wir uns an den immer währenden Überfluss gewöhnt hatten. Es gibt genug schmackhafte Verwertungsrezepte.
  • Weniger, aber besser lagern. Wenn wir öfter und frischer einkaufen, beugen wir dem Verfall vor und leben gesünder.
  • Auch sollte Bewegung in die Fixierung von Haltbarkeits- und Ablaufdaten kommen. Die Detailhändler können diese selber definieren, weil sie verantwortlich für die Lebensmittelsicherheit und die Hygiene ihrer Produkte sind. Die Supermärkte haben einen Anreiz die Fristen möglich kurz anzusetzen, das generiert mehr Umsatz.
Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 19:14

      Lieber Nicolas
      Herzlichen Dank für das Kompliment. Es freut mich, dass Dir mein Artikel gefallen hat.

      Beste Grüsse
      Ursula

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