«B Corp» – welches ist das beste Unternehmen für die Welt?

«B Corp» – welches ist das beste Unternehmen für die Welt? 

Ob beim Einkauf von Lebensmitteln, Haushaltsgeräten oder Kleidung: Eine Vielzahl von Bio-Siegeln helfen Konsumenten dabei, Produkte auszuwählen, die für Mensch und Umwelt besonders verträglich sind und strengen Qualitätsansprüchen Genüge tun. Was für Produkte gilt, gilt aber nicht automatisch für die Unternehmen, die sie herstellen.

Je nachdem, ob und wie Nachhaltigkeit auch im Kerngeschäft umgesetzt wird, entscheiden sich immer mehr Verbraucher, Mitarbeiter und Investoren für oder gegen ein Unternehmen: Nachhaltigkeit wird zum echten Wettbewerbsfaktor in der Wirtschaftswelt. Seit 2006 zertifiziert das international anerkannte «B Corp»-Siegel die Nachhaltigkeit sowie den gesellschaftlichen Beitrag eines Unternehmens. Und hilft Impact Investoren bei der Suche nach geeigneten Anlageobjekten.

Wettbewerb der besten Unternehmen für die Welt

«B Corp» steht für «Benefit Corporates», also Unternehmen, die Positives bewirken wollen – nicht nur für ihre Anteilseigner, sondern für die gesamte Gesellschaft. Alle «B Corps» sehen im Unternehmertum eine Kraft und das Potenzial, soziale und ökologische Probleme zu lösen. Und formulieren als ihre gemeinsame Vision einen Wettbewerb, in dem es weniger darum geht, das beste Unternehmen in der Welt, sondern das beste Unternehmen für die Welt zu sein. 2006 in den USA lanciert, umfasst «B Corp» ein weltweites Netzwerk von gewinnorientierten Unternehmen, welche die strenge Nachhaltigkeitsprüfung durch die Non-Profit-Organisation «B Lab» bestanden haben.

Gesellschaftlicher Beitrag in Firmenstatuten

Im Zentrum von «B Corp» steht das «B Impact Assessment», ein ausgefeiltes Online-Werkzeug, das Unternehmen kostenfrei nutzen können, um ihre gesellschaftliche Wirkung einzuschätzen. Zu den Hauptkriterien gehören neben der Leistungsbilanz im sozialen und ökologischen Bereich auch der Grad der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Um ein Zertifikat zu bekommen, müssen Unternehmen ihre Firmenstatuten anpassen und rechtlich verankern, dass sie breitere gesellschaftliche Ziele verfolgen als eine reine Gewinnmaximierung.

Über 40 000 Unternehmen haben das «B Impact Assessment» bereits genutzt, um sich zu orientieren, wo sie in puncto gesellschaftliche Wirkung und Nachhaltigkeit stehen. Davon sind weltweit knapp 1900 Unternehmen als «B Corp» zertifiziert und verteilen sich auf 50 Länder und 130 Industrien. Seit 2014 gibt es auch einen Ableger in der Schweiz mit derzeit 13 zertifizierten «B Corps», darunter das Impact Hub Genf.

Unternehmen, die mindestens 80 von 200 Punkten beim «B Impact Assessment» erreichen, qualifizieren sich für eine «B Corp»-Mitgliedschaft. Jedes Unternehmen kann sich bewerben. Allerdings verlockt die Einstiegshürde von weniger als 50 Prozent der Gesamtpunktzahl zur Annahme, dass der Test «mit links» zu bestehen sei. Aber: Die 80 Punkte sind alles andere als leicht zu erreichen. Die meisten Unternehmen antworten nur unzureichend auf Fragen wie: «Hat Ihr Unternehmen ein Mission-Statement, das explizit einen positiven Beitrag im sozialen und ökologischen Bereich enthält?», «Wie hoch schneidet die Mitarbeiterzufriedenheit in Umfragen ab?» oder «Gibt es in Ihrem Unternehmen einen innovativen Ansatz für gesellschaftliches Engagement, der die gesamte Industrie verändert hat?»

Bewusstseinswandel in der Führungsspitze

Das «B Impact Assessment» bestanden hat beispielsweise die amerikanische Bekleidungs- und Outdoor-Firma Patagonia. Dem Unternehmen und den anderen «B Corps» geht es nicht darum, wer die meisten Punkte in der Impact-Bewertung erzielt. Im Vordergrund steht der Bewusstseinswandel in den Chefetagen darüber, was Unternehmenserfolg heutzutage bedeutet – bedeuten muss, angesichts der sozialen und ökologischen Probleme von bisher unerreichtem Ausmass. «Die B-Corp-Bewegung ist eine der wichtigsten in unserer Lebenszeit. Sie basiert auf der simplen Tatsache, dass Unternehmen nicht nur Anteilseignern dienen sollten, sondern die gleiche Verantwortung auch für die Gesellschaft und unseren Planeten tragen», sagt Patagonias CEO Rose Marcario.

Greenwashing? Wirkungsmessung!

Der Verdacht, bei «B Corp» handle es sich um Greenwashing oder eine Imagekorrektur, lässt sich schnell entkräften. Zu aufwendig ist das Prüfverfahren, bei dem die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens untersucht wird. Für nachhaltige Anleger zertifiziert «B Corp» ein wesentliches Investitionskriterium.

Impact Investoren wie LGT Impact Ventures schätzen daran die Integration des gesellschaftlichen Beitrags eines Unternehmens und verwenden oftmals die gleichen Messinstrumente: IRIS und GIIRS Ratings & Analytics stellen Meilensteine in der Standardisierung der sozialen Wirkungsmessung und Professionalisierung des sozialen Unternehmertums dar.

Langfristig könnte «B Corp» für Unternehmen und Investoren gleichermassen zu einer Art Währung werden, die Nachhaltigkeit nicht nur messen und dokumentieren, sondern einen Wert an sich darstellen. Instrumente wie das «B Impact Assessment» haben Vergleichsstandards zu Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Beiträgen entwickelt, denen sich alle Unternehmen stellen müssen, wollen sie auch in Zukunft im Wettbewerb um die Gunst von Investoren, Kunden, und Mitarbeitern hoch punkten.

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