Bankenunion? Welche Bankenunion? 

Artikel bewerten

Themen zu gemeinsamen Institutionen oder grenzüberschreitenden Kompetenzen entzünden grundsätzlich Streit zwischen den Regierungen Europas. Die Europäische Bankenunion, trägt «Einigkeit» bereits im Namen − und sät entsprechend Zwietracht.

Die Bankenunion bildet das Pendant zum Europäischen Wirtschaftsraum auf der Ebene der Banken. Ihr Ziel ist es, das Risiko neuer Finanzkrisen einzudämmen und der europäischen Politik die Handlungsfähigkeit zu verleihen, die ihr während der jüngsten Finanzkrise fehlte. Vier Grundsäulen sollen dazu beitragen:

Konkrete Pläne gibt es bei der Bankenregulierung. Sie sieht ein einheitliches europäisches Regelwerk vor, das für alle Banken gleichermassen gilt und ihnen einheitliche Standards zur Risikovorsorge vorgibt. Auch beim Thema Bankenaufsicht herrscht weitgehend Konsens unter den kakophonie-erprobten Europäern. Die Europäische Zentralbank soll mehr Macht erhalten, um Geschäftszahlen der Banken einzufordern und mögliche Risiken frühzeitig erkennen zu können. Offen ist, wie Europa die Einlagensicherung bei den Banken handhaben will, also die Absicherung von Sparguthaben im Krisenfall. Einige europäische Länder sehen hier den Steuerzahler als Bürgen, andere lehnen genau das strikt ab. Wie die einheitliche Bankensanierung und -abwicklung umgesetzt werden soll, ist derzeit nicht absehbar. Würde diese Kompetenz in Zukunft zentral ausgeübt, könnten die nationalen Regierungen nicht länger ihre schützende Hand über siechende einheimische Banken halten. Entsprechend vehement ist der Widerstand einzelner Regierungen.

Die Idee der Bankenunion hat viele Anhänger in der europäischen Politik. Sie lässt aber auch viele Interpretationen zu, was genau unter diesem Etikett verwirklicht werden soll. Wie so oft ist sich Europa einig, DASS etwas getan werden muss, findet aber keinen gemeinsamen Nenner über das WIE, bzw., WELCHE Form der Union realisiert werden soll. In Umsetzungsfragen handelt es sich also derzeit eher um einen Bankendissens als um eine Bankenunion. Das führt uns zurück zum grossen europäischen Grundkonsens, den es ja neben allem Streit und aller Zwietracht auch noch gibt: Man ist sich einig darüber, dass man sich uneinig ist – und zwar gerade in Fragen zur Einigkeit.

Leselinks:
Videodiskussion von Wirtschaftsbloggern zur Bankenunion (29.01.2013)
Die Schwächen der Bankenunion – von ZEW-Präsident Clemens Fuest (03.09.2013)
Auf Strukturelle Defizite des Konzepts weist der Blog Wirtschaftswurm hin (22.03.2013)

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 10. September 2013 | Die Börsenblogger

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.