Sardex und Amper-Taler: Begrenzte Alternativen

Sardex und Amper-Taler: Begrenzte Alternativen 

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Alternative Geldmodelle gibt es schon lange. Die Finanzkrise hat einige beflügelt. Zum Selbstläufer sind sie jedoch nicht geworden.

Die Einführung des Euro machte den lästige Geldumtausch überflüssig und die Preise innerhalb der Währungsunion vergleichbar. Dass das äusserst praktisch ist, leuchtet nicht nur den Bewohnern in den Schweizer Grenzgebieten ein, die bei einem ungeplanten Trip ins Nachbarland plötzlich die Parkuhr nicht füttern können.

Doch permanent mit zwei Währungen umgehen zu müssen, stört nicht alle. Die Mitglieder der in vielen Gebieten aktiven Regiogeld-Bewegung pfeifen auf die Vorzüge der Einheitswährung. Sie packen sich in Bad Tölz noch zusätzlich den Regio in die Tasche, in Sachsen-Anhalt den Urstrom-Taler und in Österreichden Styrrion, in Sardinien den Sardex, in Griechenland den Kaereti und in Argentinien den Crédito. Alleine in Deutschland soll es 50 Freigeldbewegungen geben, weltweit mehrere hundert.

Zu den ältesten Organisationen, die ein alternatives Geldmodell anbieten, zählt die Schweizer WIR-Bank, die aus der 1934 gegründeten, Wirtschaftsring-Genossenschaft hervorging. Wie zahlreiche andere basiert sie auf der Freigeld-Theorie von Silvio Gesell.

Die Initiatoren von Regionalgeld möchten nicht zwangsläufig das Finanzsystem aushebeln und mit ihrem Amper-Taler, ihrem Banco Palmas (Brasilien) oder dem britischen Bristol Pound die gesetzliche Währung ablösen. Sie möchten die regionale Wirtschaft stützen, indem sie lokale Wertschöpfungsketten unterstützen. Dass das zirkulierende Geld nicht abfliessen kann, weil etwa den Chiemgauer ausserhalb der Region niemand akzeptiert, stärkt den regionalen Wirtschaftskreislauf. Die Konsumenten sollen bei regionalen Händlern und Produzenten einkaufen und diese ebenfalls regionale Zulieferer berücksichtigen. Soziale und gemeinwohlorientierte Gesichtspunkte würden eher berücksichtigt, weil der regionale Wirtschaftskreislauf überwiegend auf persönlichen Kontakten beruht. Ein weiterer Nebeneffekt ist eine geringere Umweltbelastung, weil lange Transportwege entfallen.

Das mag für viele vielversprechend klingen, kann aber die Nachteile des Regiogeldes nicht überdecken. Produkte von ausserhalb des Währungsraums kann man damit nicht bezahlen. Um mit verschiedenen Währungen zu tauschen, bräuchte es interregionale Verrechnungsstellen, die jedoch Transaktionskosten verursachen.

Vermutlich ist eine Regiogeld-Initiative umso erfolgreicher, je schlechter es der Wirtschaft geht. Der deutschen geht es – obwohl es dort viele Initiativen gibt – wohl zu gut: Im Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen ist die Nachfrage nach dem Regio zehn Jahre nach der Einführung gering, der Dachauer Amper-Taler soll gar vor dem Aus stehen.

Anders ist die Lage im wirtschaftlich gebeutelten Sardinien. Dort zirkulieren rund 30 Millionen Sardex, die Komplementärwährung wird von mehr als 2500 Unternehmen akzeptiert. Mit dem Beitritt zum Netzwerk erweitert sich auch der Abnehmerkreis der Mitglieder. Erfolg zieht also Erfolg nach sich – aber auch höhere Kosten. Wurden die Sardex-Transaktionen anfangs von einer vierköpfigen Mannschaft verwaltet, macht dies nun eine 50-köpfige Belegschaft an mehreren Firmensitzen auf der Insel und in weiteren Regionen Italiens.

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