Betongold: Geliebte, trügerische Sicherheit der Immobilien

Betongold: Geliebte, trügerische Sicherheit der Immobilien 

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Immobilien gelten als „reale“, risikoarme Investitionsobjekte. Gerade deshalb befeuern sie die Fantasien von Privatanlegern wie institutionellen Investoren. Doch ausgerechnet das Immobile könnte den Investoren in „Betongold“ zum Risiko erwachsen.

In den Boomregionen Mitteleuropas steigt die Zahl der Immobilienkredite wie seit vielen Jahren nicht mehr. Kredite für die eigenen vier Wände sind im Umfeld niedriger oder sogar negativer Zinsen so billig wie selten, die Verlockung entsprechend gross. Immer mehr Menschen wagen sich an eine Finanzierung, die zumindest in den Musterrechnungen der Werbung Risiko- und Sorgenfreiheit zu Mikrozinsen verspricht. Wände, Dach, Quadratmeterpreise und Grundbucheintrag bieten in Zeiten turbulenter Finanzmärkte das, was viele andere Geldanlagen längst nicht mehr können: Scheinbare Berechenbarkeit und die gefühlte Sicherheit einer Investition, in der man sogar wohnen kann. Doch der Schein trügt: Immobilien sind als Anlageform nicht weniger komplex als andere Investments und bieten nur denjenigen Sicherheit, die dem Mythos des Betongoldes gerade nicht verfallen.

Die Gier nach dem vermeintlich sicheren Betongold selbst schuf eines der grössten Risiken: Sie liess die Immobilienpreise jenseits aller Lohn- und Preisverhältnisse häufig zweistellig steigen. Die zinsbeflügelte Überbewertung vieler Grosstadtimmobilien übertrifft diesen Wertzuwachs auf dem Papier nach Meinung vieler Beobachter jedoch bei weitem. Sollte der Niedrigzins, die Basis des Kreditbooms, in den kommenden Jahren wegfallen, wie es die meisten Marktbeobachter prognostizieren, blüht vielen Kreditnehmern ein böses Erwachen in der realen Zinswelt – nachdem die Zinsbindung ihrer aktuellen Billigkredite erloschen ist. Steigende Zinsen würden auch andere Anlageformen wieder attraktiver machen und viele institutionelle Anleger dazu bewegen, ihr Kapital aus dem heiss laufenden Immobilienmarkt abzuziehen. Für viele private Investoren indes ist der Ausstieg nicht so leicht. Die scheinbare Stabilität des immobilen Betongolds würde für nicht wenige von ihnen zum Betonklotz am Bein werden, den man gerade dann nicht mehr los wird, wenn der Verkaufsdruck am grössten ist. Immobilien können lukrative und stabile Anlageobjekte sein – jedoch nur, wenn man dem Betongoldrausch unserer Tage nicht erliegt und anders investiert, als die Boom getriebene Mehrheit. Es ist nicht alles Betongold, was mit scheinbar mühlelosen Wertsteigerungen glänzt.

Bild: By Biranchi37 (Own work) CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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