Bill Sharpe: Mitbegründer der modernen Finanztheorie

Bill Sharpe: Mitbegründer der modernen Finanztheorie 

Gestern, am 16. Juni, wurde der Wirtschaftsnobelpreisträger fünfundachtzig Jahre alt.

Auch auf ungeraden Wegen kann man das Ziel erreichen: Wer könnte dies besser illustrieren, als der Ökonom William Forsyth Sharpe, geboren 1934 in Boston, Massachusetts? Mit 18 Jahren geht Sharpe nach Berkeley an die University of California. Hier soll er auf Wunsch seiner Mutter Medizin studieren. Schon bald merkt er, dass ihn die Materie zu wenig interessiert. Er wechselt an die betriebswirtschaftliche Fakultät, belegt Kurse in Buchhaltung und Mikroökonomie. Buchhaltung hasst er, Mikroökonomie fasziniert ihn. Er ändert deshalb zum zweiten Mal die Studienrichtung und konzentriert sich nun ganz auf das Fach Volkswirtschaft. Endlich hat er seine Berufung gefunden.

Mit 22 macht er seinen Abschluss und mit 27 ist er bereits Assistenz-Professor an der University of Washington. 1962, mit gerade mal 28 Jahren, reicht er beim renommierten Journal of Finance einen – wie sich später zeigt bahnbrechenden – Forschungsaufsatz zur Publikation ein. Dieser wird aber zunächst als irrelevant abgewiesen. Erst nach Wechseln in der Redaktion wird sein Aufsatz zwei Jahre später doch noch publiziert. In diesem beschreibt er das sogenannte Capital Asset Pricing Model. Dieses gilt heute als ein Grundpfeiler der modernen Finanztheorie und Sharpe als einer ihrer Väter. Das Modell beschreibt, wie das Risiko und die Rendite einer Anlage zusammenhängen und ist ein wichtiges Instrument um die Performance eines Portfolios zu beurteilen. Sharpe ist ein vehementer Verfechter der Portfolio-Diversifikation, und er zeigt auf, wie Anleger ein Portfolio optimal zusammensetzen können.

Am 16. Oktober 1990 befindet sich Sharpe mit seiner Frau Kathy auf einem Kongress in Tucson, Arizona. Um vier Uhr morgens klingelt das Telefon in ihrem Hotelzimmer. Der Anrufer teilt ihm mit eine Sensation mit. Zunächst glaubt Sharpe an einen Scherz. Trotzdem weckt er seine Frau. Sie schalten CNN ein und nach fünf Minuten flimmern die ersten Schlagzeilen über den Bildschirm: Die Königlich-Schwedische Akademie hat soeben bekannt gegeben, dass der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an William Sharpe, Harry Markowitz und Merton Miller geht. Sharpe erhält die Auszeichnung für seine grundlegenden Beiträge zur wissenschaftlichen Theorie der Preisbildung für Finanzanlagen. Damit ist er im Olymp seiner Zunft angekommen. Noch heute erinnert er sich an die ersten Stunden nach dieser völligen Überraschung: „Kathy und ich setzten uns auf den Balkon, bestellten etwas zum Trinken und betrachteten, wie die Sonne langsam über Tucson aufging.“

Leselink:

In seinem Blog beschäftigt sich Sharpe intensiv mit Fragen der langfristigen Finanzplanung für Privatanleger.

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