Bitcoins, Mt. Gox und der digitale Börsencrash

Bitcoins, Mt. Gox und der digitale Börsencrash 

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Wenn Unternehmen wie die Bitcoin-Börse Mt. Gox insolvent werden, ist das weltwirtschaftlich unbedeutend. Für die digitale Währung Bitcoin könnte der digitale Börsencrash jedoch zum Schicksalsmoment werden.

Stellen wir uns vor, die New Yorker Börse, der grösste Wertpapierhandelsplatz der Welt, verschwindet von einem Tag auf den anderen vom Radar der Finanzmärkte. Statt der dynamischen Kursdiagramme flimmert plötzlich ein Störungsbild über die Finanzticker, mit dem Hinweis, dass der Aktienhandel «vorübergehend» ausgesetzt sei. Die entsetzten Broker und Kleininvestoren müssen sich mit Gerüchten über das Schicksal ihrer Börsenaufträge und Wertschriften begnügen und vom Geschäftsführer der «Wallstreet» fehlt erst einmal jede Spur. Ein solches Szenario wäre wie eine Kernschmelze der Finanzmärkte. Realistisch scheint es nicht. Doch für Mt. Gox, den umsatzstärksten Handelsplatz für die digitale Währung Bitcoin, ist dieses Szenario jetzt Realität geworden. Die Bitcoin-Börse meldete nicht nur Insolvenz an, sondern auch den Verlust von rund 850.000 Bitcoins: Deren Verbleib ist bis heute ungeklärt.

Auf Handelsplätzen wie Mt. Gox konnten Nutzer offizielle Währungen wie Dollar, Franken oder Euro in die digitale Währung Bitcoin umtauschen. Dieser Tausch bedeutet allerdings mehr als ein normaler Geldwechsel. Wer bei Mt. Gox Bares gegen Bitcoins einwechselt und diese dann hinterlegt, verlässt den gewohnten Sicherheitsrahmen der Notenbanken und garantierten Kontoeinlagen. Er vertraut sich der Verschlüsselungstechnologie der Bitcoins an, die aus den Dollars und Franken unverwechselbare Datenpakete macht. Der Bitcoin sollte eine Währung ohne Einfluss durch Notenbanken und Währungspolitiker werden und so eine neue, digitale Vertrauensbasis schaffen.

Bitcoins haben sich in den rund vier Jahren ihres digitalen Daseins als erstaunlich fälschungssicher erwiesen. Doch die sichere Valuta reicht nicht aus, denn zu einer Währung gehört mehr als Geld. Auch die Finanzinfrastruktur sorgt dafür, dass die Währung funktioniert und sich «bewährt», weil die Nutzer ihr vertrauen. Im klassischen Finanzsystem sind Banken, Notenbanken, Aufsichtsbehörden und gesetzliche Vorschriften die Vertrauensvermittler des Geldkreislaufes. Im Falle der Bitcoins wird diese Handels- und Vertrauensfunktion von digitalen Börsen wie Mt. Gox übernommen. Diese Handelsplätze werden jedoch kaum von Behörden kontrolliert und geprüft. Zahlungsprozesse, Sicherheitsstandards oder Technologien zur Abwicklung liegen zum Grossteil im Ermessen der Börsen selbst – im Falle von Mt. Gox mit fatalen Folgen. Nach Angaben des Unternehmens gelang es Hackern angeblich, durch eine Lücke im Zahlungsmechanismus Überweisungen mehrfach auszuführen und umzulenken. Geschätzte 750.000 Bitcoins der Nutzer und 100.000 Bitcoins aus dem Kapital des Unternehmens sollen nach Angaben von Mt. Gox im digitalen Nirvana verschwunden sein – und mit ihnen die Geschäftsgrundlage des Unternehmens.

Gravierender als der finanzielle Schaden ist jedoch der Vertrauensverlust, mit dem nun die verbleibenden Bitcoin-Börsen und letztlich die digitale Währung selbst zu kämpfen haben. Die fälschungssichere, harte Währung Bitcoin ruht auf einem tönernen Fundament. Ob es hält, wird die nahe Zukunft erweisen.

Leselinks:

Never Mind the Markets analysiert kritisch, aber fasziniert (13.12.2013): Warum Bitcoins (noch) nicht als Währung taugen.

Der Blog Die wunderbare Welt der Wirtschaft liefert die Chronologie der Krise (07.02.2014): Bitcoin-Wechselstube Mt. Gox macht zu. Offiziell vorrübergehend, aber ich zweifle…

Sehr kritisch geht der Blicklog mit dem Gebaren von Mt. Gox ins Gericht (26.02.2014): Mt. Gox degradiert Bitcoins zur Muppet-Show.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 20. März 2014 | Die Börsenblogger
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