Blogged in Switzerland: Die Schweizer Finanz- und Wirtschaftsblogs (Teil 2)

Blogged in Switzerland: Die Schweizer Finanz- und Wirtschaftsblogs (Teil 2) 

Die Schweiz ist einer der wichtigsten europäischen Finanzstandorte und stets gut für innovative Produkte und Ideen. In der Blogosphäre hielt man sich jedoch bislang zu finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen eher zurück. Der Finanzplatz Schweiz entwickelt sich allmählich auch zum Finanzblogstandort und hat einige spannende Blogs hervor gebracht. Hier der zweite Teil unserer Recherche zu den schweizerdeutschen Finanz- und Wirtschaftsblogs.

Scharf und punktgenau in Analysen, Meinungen und manchmal satirischen Einsprengseln ist der Batz, das Forum für Schweizer Wirtschaftspolitik. Vier Schweizer Wirtschaftsprofessoren bloggen hier gekonnt zwischen wissenschaftlicher Tiefe, Allgemeinverständlichkeit und humorvollen Seitenblicken. Der Batz belehrt zu neuen Steuerdelikten wie der unrechtmäßigen Steuererschleichung, liefert Innenansichten aus der Brunetti-Kommission, die Vorschläge für den Finanzstandort Schweiz erarbeitet hat, oder formuliert klare An- bzw. Absagen zu Veranstaltungen über das bedingungslose Grundeinkommen. Wem die Kommentare zur Tagespolitik nicht ausreichen, wer gerne dort weiter lesen würde, wo die Zeitungsartikel enden, und wem das Lachen in ökonomischen Fragen nicht vergangen ist, dem sei der Batz empfohlen.

Eine kleine Nachhilfe für meine Landsleute in Sachen Namensgebung: „Batz“ steht für „Batzen“, umgangsschweizerisch für „Geld“. Der „Baatz“, den manch Norddeutscher daraus macht, bedeutet hier, in Österreich und Bayern „Dreck“, was weder gemeint, noch inhaltlich belegbar ist. Man macht auf dem Batz keine „Halbbatzen“ („unausgegorenes Zeug“) und die Länderkennung ist nicht „batz.li“, sondern „batz.ch“.

Die Finews.ch bezeichnen sich selbstbewusst als das „inoffizielle Intranet“ der Schweizer Finanzbranche. Anders als in vielen real existierenden Intranets führt hier allerdings nicht das aktuelle Kantinenmenue die Liste der der meist gelesenen Artikel an, sondern Hintergründe und Einsichten vornehmlich zur Schweizer Bankenwelt, Firmen- und Personalnews und kritische, tief gehende, manchmal augenzwinkernde Seitenblicke auf das Finanzgeschehen und seine menschlichen Hintergründe. Auf Finews wird ausgiebig Kulturkritik am US-Wahlkampf mit Mitt Romneys Schweizer Konten geübt oder die eine oder andere Runde im Personalkarussell der Finanzbranche näher beleuchtet. Finews berichtet nicht nur über den Tellerrand hinaus, sondern lässt auch andere darüber blicken. Sehr hilfreich und gut sortiert sind die „Corners“, die digitalen Inforubriken zu Sonderthemen wie den Emerging Markets, oder „Das Beste im Web“ mit Linksammlungen jenseits der Mainstream-Agenda. Finews bieten freie und ausgiebige Blog-Menu-Wahl für Insider und Neuankömmlinge in der Schweizer Banken- und Finanzszene.

Swiss Banking – unblogged, der Blog Schweizerischen Bankvereinigung, ist vor allem eines: Deutlich. Deutlich, wenn Beiträge des Schweizer Rundfunks kritisch durchleuchtet und ergänzt werden, deutlich und gekonnt bissig, wenn die Informationsaustauschpolitik der großen europäischen Länder aufs Korn genommen wird und ebenso deutlich im Umgang mit der Schweizer Politik und ihren internationalen und wirtschaftspolitischen Auswirkungen. Die Themenwelt des Blogs reflektiert die Verbandsarbeit: Wirtschaftspolitik, Regulierung, Steuerabkommen und die üblichen Verbandsthemen. Swiss Banking Unblogged setzt dabei jedoch auf ein anderes Marketing-Paradigma: Statt der immer noch marktüblichen Hochglanzbroschüren und Zahlenkolonnen werden hier pointierte Kommentare zum wirtschaftspolitischen Zeitgeschehen geliefert, die auf Debatte setzen, nicht auf Einweg-Kommunikation. Swiss Banking Unblogged ist Verbandsarbeit „Unplugged“: Authentisch und meinungsstark.

Aktuell, schnell und produktbezogen ist der Finanzproduktblog. Christian König, Finanzproduktprofi mit versiertem digitalem Wissen, berichtet hier über Finanzprodukte, Innovationen, Strategien dahinter und den Reaktionen der Märkte. Der Fokus liegt auf der Schweiz als Finanzstandort, auf den relevanten internationalen Trends und Chancen und – blog est omen – auf dem innovativen Einsatz von Social Media in der Finanz- und Wirtschaftskommunikation. Der geneigte Leser konsumiert somit auf dem Finanzproduktblog neben Fachinformationen die neuen Vermarktungsmöglichkeiten gleich mit.

Blogbeiträge sind kurz und endlich. Schon alleine deshalb können wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – im Gegenteil: Nicht näher beleuchtet haben wir beispielsweise den Blog von 5trade.ch, http://www.dieboersenfrau.com/ und viele andere, was wir in einem möglichen Vol. 2 zur Schweizer Wirtschafts- und Finanzblogszene gerne nachholen möchten. Zudem habe ich mich auf die deutschsprachigen Blogs konzentriert, weil mein Französisch, Italienisch und Rätoromanisch für saubere fachliche Beurteilungen zu limitiert ist – auch daran arbeite ich. Bis das eine oder andere ausreichend fortgeschritten ist, freuen wir uns auf weitere Tipps und Links hier im Kommentarfeld.

Weitere Informationen: Man spricht Schwiizerdütsch: Die Schweizer Finanz- und Wirtschaftsblogs (Teil 1)

 

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 17. Dezember 2013 | Die Börsenblogger
  2. Florian Semle at 17:24

    Vielen Dank dafür. Dann gehen wir die Planung für das Vol. 3. an.

  3. Pingback: Blogged in Switzerland: Die Schweizer Finanz- und Wirtschaftsblogs (Teil 2) « Digitale Klarheit

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