Börsenhausse: Flieg, Ikarus, flieg!

Börsenhausse: Flieg, Ikarus, flieg! 

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Die globalen Aktienmärkte kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Der Dow Jones Industrial – eines der wohl ältesten und berühmtesten Börsenbarometer – hat für die letzten 1000 Punkte gerade einmal acht Handelstage benötigt. Sind dem Aktienmarkt denn keine Grenzen gesetzt?

Der Aktien-Bullenmarkt geht in die Verlängerung

Seit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten ist der Dow – wie er von den Marktakteuren liebevoll genannt wird – von 18 000 Punkten auf über 26 000 angestiegen. Ein solcher Anstieg ist absolut nichts Aussergewöhnliches und konnte in den letzten 100 Jahren immer wieder beobachtet werden. Noch nie ist der Kurs jedoch mit einer derartig niedrigen Volatilität angestiegen. So befindet sich der US-Aktienmarkt seit fast 400 Tagen in einer Aufwärtsbewegung, ohne dass je eine Korrektur von mehr als fünf Prozent stattgefunden hat (Grafik).

Quelle: Goldman Sachs

Makroökonomisches Umfeld – besser geht es nicht

Ein wichtiger Grund für den rasanten Anstieg der globalen Aktienmärkte in den letzten Quartalen ist das derzeitige hervorragende makroökonomische Umfeld. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise gibt es wieder einen synchronen globalen volkswirtschaftlichen Aufschwung. Und der Ausblick für die kommenden Monate zeigt keine Abschwächung dieses Trends. Die Vorlaufindikatoren befinden sich weltweit bereits auf so hohem Niveau, dass ein weiterer Anstieg fast nicht denkbar ist, die wirtschaftliche Grosswetterlage ähnelt einem Azorenhoch – kaum eine Wolke am Horizont und das Umfeld für die Wirtschaft bleibt positiv und wird von den boomenden Aktienmärkten wiedergegeben. Was könnte da die Stimmung zum Kippen bringen?


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Bekannte Risiken – Notenbanken und Bewertung

Zwei Risiken sind uns bekannt, die diesen Trend drehen könnten. Zum einen ist das die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken, welche die Kapitalmärkte in den letzten Jahren massiv beeinflusst und unterstützend für Wirtschaft und Unternehmungen gewirkt hat. Dieser monetäre Stimulus wird nun langsam zurückgefahren, aber die Geldpolitik bleibt für alle Anlagekategorien weiter sehr förderlich.

Zum anderen befindet sich der Aktienmarkt im historischen Vergleich auf absoluter Basis im obersten Quartil der Bewertung. Die Marktteilnehmer fokussieren sich aber zurzeit primär auf Gewinnwachstum sowie Dividendenausweise und weniger auf absolute Kennzahlen. Zu attraktiv scheinen Aktien weiter im Verhältnis zu Obligationen zu sein, da diese auf Niveau Staatsanleihen in der Eurozone und der Schweiz dem Anleger nach wie vor eine negative Rendite bescheren. Doch diese bekannten Risiken bringen kaum noch Verunsicherung. Gibt es etwa Risiken, denen wir im heutigen Umfeld zu wenig Aufmerksamkeit schenken?

Die Inflation ist tot oder lang lebe die Inflation?

Im November hat die Vorsitzende der US-Notenbank die tiefe Kern-Inflation in den USA als ein Mysterium bezeichnet. Es ist in der Tat verwunderlich, dass die Inflation trotz starkem Wirtschaftswachstum und einem US-Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung kaum anzieht. Genau hier könnte eben ein verborgenes Risiko liegen. Nach über 40 Jahren in einem disinflationären Umfeld geht fast kein Marktteilnehmer von einem nachhaltigen Anziehen der Kern-Inflation aus. Die Inflation könnte effektiv das Zünglein an der Waage sein, denn es gibt kaum eine Anlagekategorie, die nicht von einem schnellen Anziehen beeinträchtigt wäre. Es wären nicht nur Turbulenzen an Aktienmärkten zu erwarten, sondern auch bei Obligationen, die aufgrund des Tiefzinsumfelds nicht mehr geschützt sind.

Wie hoch kann Ikarus denn noch fliegen?

All dies erinnert an einen Ikarus-Trade an den Börsen. Dieser ist gekennzeichnet durch pure Spekulation, exzessive Bewertung, ein Paradigmenwechsel sowie Euphorie. Ist das aktuell der Fall? Bei Aktien besteht immer eine gewisse Spekulation, doch die derzeitige Bewertung ist zwar hoch aber nicht exzessiv. Ebenso fehlt das berühmte „dieses Mal ist alles anders“ für einen Paradigmen-Shift und auch gibt es noch kein breites euphorisches Marktsentiment. Wenn es heute einen Ikarus-Trade gibt, dann ist dieser wohl in den Kryptowährungen zu suchen.

Werden Aktien in Zukunft also nur noch steigen? Natürlich nicht, denn die Börsen waren noch nie eine Einbahnstrasse. Zudem sind eine Marktkonsolidierung bzw. eine gesunde Korrektur an den Börsen überfällig. Eine Normalisierung und somit ein Anstieg der Marktvolatilität wäre sicherlich wünschenswert. Dies muss nicht automatisch ein Ende des in die Jahre gekommenen Aktienbullmarktes bedeuten – insbesondere, wenn die globale Wirtschaft weiter so solide bleibt wie in den letzten Quartalen. Also flieg Ikarus flieg.

 

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Manfred Baumgärtner at 19:31

    Hallo LGT Team, sehr schöne Gemäldevisualisierung – aus dem eigenen Bestand? Was wäre dagegen zu sagen, dass der Dow von 18k startend direkt um 10% auf 36 k geht? Viele Grüße MB

  2. Pingback: Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 04 / 2018
  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 26. Januar 2018 | marktEINBLICKE

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