Der Finanzinvestor: Gescheiterter Alchemist oder erfolgreicher Parfümeur?

Der Finanzinvestor: Gescheiterter Alchemist oder erfolgreicher Parfümeur? 

Alchemisten versuchten jahrhundertelang erfolglos, Gold herzustellen – Parfümeuren gelang es, in Laboratorien synthetisch Essenzen zu erzeugen. Finanzinvestoren möchten Hedge-Fund-Strategien und Bonds replizieren – scheitern sie?

Auf der Suche nach passenden Investitionsmöglichkeiten sind Investoren manchmal von der Idee einer Replikation von bestehenden Anlageprofilen angetan: Die Ambition ist, die (guten) Eigenschaften einer bestimmten Anlageklasse anhand von einer Beimischung von verschiedenen Finanzinstrumenten und Ansätzen zu replizieren und womöglich die negativen Elemente der Anlageklasse zu beseitigen. Ein historisches Beispiel dafür waren die Bestrebungen, Hedge-Fund-Strategien und ihren „Absolute Return“-Charakter durch systematische Strategien zu ersetzen, die noch liquider und kostengünstiger als Hedge Funds sein sollten. Der Erfolg von solchen Unterfangen war durchmischt. Aus diesen Versuchen sind aber wertvolle Impulse entstanden, welche die Entwicklung von Alternativen-Risikoprämien-Strategien begünstigt haben.

Finanzinvestoren möchten (wieder) Bonds replizieren

Wegen der Marktentwicklungen der letzten Jahre sind viele Investoren besorgt, dass Bonds ihre historische Rolle im Portfolio verlieren könnten. So wurde die Suche nach Replikationen von Bonds, die nicht neu ist, wiederbelebt. Damit setzen sich Investoren das Ziel, unter anderem folgende Eigenschaften von Bonds durch aktive, alternative Strategien zu replizieren:

  • Tiefe Korrelationen zu den Aktienmärkten
  • Schutz in abrupten Marktkorrekturen („Safe Haven“-Charakter)
  • Tiefe Volatilität

Wie soll das Rezept für eine solche Replikation aussehen? Investoren haben als mögliche Zutaten Arbitragestrategien (Relative Value), Trendfolger oder auch Volatilitätsstrategien identifiziert. Man könnte sich auch Insurance-Linked-Strategien als möglichen Bestandteil eines Replikation-Rezepts vorstellen, da sie die obigen Eigenschaften grundsätzlich erfüllen, obwohl ihre Liquidität schlechter als diejenige von Bonds ist. Aber was sind die Erfolgschancen?

Wo Parfümeure den Investoren voraus sind

Das Potenzial, ein Rezept zu finden, das mindestens in erster Approximation die gewünschten Eigenschaften wiedergibt, ist vorhanden. Aber man soll sich nicht der Illusion hingeben, eine exakte Replikation zu erzeugen. Die Chemie bietet hier ein paar Analogien zu solchen Bestrebungen von Finanzinvestoren:

  • Alchemist: Einer der Hauptziele von Alchemisten war die Herstellung von Gold durch Beimischung und Bearbeitung von verschiedenen Stoffen. Sie sind immer wieder daran gescheitert und ihre Bestrebungen – unter der Perspektive der modernen Chemie – scheinen uns heute ziemlich naiv und sinnlos.
  • Parfümeur: Im 19. Jahrhundert gelang es zum ersten Mal dank den Fortschritten der modernen Chemie und der Industrialisierung, bestimmte olfaktorische Moleküle in Laboratorien zu erzeugen – als erste wurde die Zimt-Essenz hergestellt. Dieser neue Weg der Synthese erlaubt es unter anderem, bestimmte Düfte, deren natürliche Extraktion besonders komplex oder von der Knappheit der Rohstoffe eingeschränkt ist, vollständig durch einen chemischen Prozess zu erzeugen.

Diese Beispiele sollen die Extreme der Erfolgsskala für Finanzinvestoren veranschaulichen. Während der Erfolg eines Parfümeurs den Finanzinvestoren bestimmt verwehrt bleibt – Bonds lassen sich nämlich nicht 1:1 durch andere Instrumente ersetzen – müssen diese aufpassen, nicht als „neue Alchemisten“ kläglich zu scheitern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.