Bretton Woods System: Hybride Währungsordnung

Bretton Woods System: Hybride Währungsordnung 

Artikel bewerten

In diesem Wintersportort wohnen keine weltbekannte Schauspieler und Musiker, und anders als in Aspen, Colorado, macht auch der internationale Skizirkus nicht Station. Trotzdem ist das im US-Bundesstaat New Hampshire gelegene Bretton Woods vermutlich noch bekannter als die Kleinstadt in Colorado. Denn hier wurden von 70 Jahren die Weichen für den Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg gestellt.

In Bretton Woods, eigentlich nur ein Ortsteil der weniger als 700 Einwohner zählenden Gemeinde Carroll, haben im Juli 1944 die Finanzminister und Notenbankgouverneure von 44 Staaten – von Ägypten, Äthiopien und Australien über Frankreich, Irak, Iran und die Niederlande bis hin zu Uruguay, Venezuela, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten – das internationale Währungssystem neu konzipiert. Es sollte fast drei Jahrzehnte bestehen. Damals neu geschaffene Institutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank sind auch heute noch wichtige Einrichtungen.

Mehr als 700 Delegierte beschlossen im Mount Washington Hotel, das kurz zuvor auf Kosten der Bundesregierung renoviert worden war, die währungs- und finanzpolitische Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg. Dem Bretton-Woods-System schlossen sich mit Ausnahme des Ostblocks fast alle Staaten der Welt an.

Ziel des Bretton-Woods-Abkommens war, die durch den Zweiten Weltkrieg darniederliegende Wirtschaft zu stimulieren und Europa wieder zu einem massgeblichen Handelspartner der USA zu machen. Der Weg dazu: eine reibungslose und von Handelsbarrieren befreite Abwicklung des Welthandels mit geringen Schwankungen der Wechselkurse.

John Maynard Keynes, der damals berühmteste Ökonom der Welt, und Harry Dexter White, Staatssekretär im US-Finanzministerium, hatten unterschiedliche Pläne vorgelegt. Das Whites Vorschlag angenommen wurde, war wohl der Wirtschaftsmacht der USA geschuldet. Sein Plan: Der US-Dollar folgt als Leitwährung dem Goldstandard, während die anderen Währungen durch feste Wechselkurse (geringe Schwankungen waren gestattet) an die Leitwährung gebunden sind. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) verpflichtete sich, die Dollarreserven jedes Mitgliedslands in Gold zu tauschen. Die Vereinigten Staaten verfügten 1945 über 70 Prozent der weltweiten Goldbestände und Deutschland verzichtete gegenüber ihrer Schutzmacht USA darauf, seine Dollar-Forderungen in Gold einzutauschen. Doch auch das reichte langfristig nicht: Bereits gegen Ende der 1950er-Jahre waren die USA nicht mehr in der Lage, der Goldeinlösepflicht nachzukommen, weil die im Ausland angesammelten Dollarbestände die amerikanischen Goldreserven bei weitem überstiegen. 1971 stoppte US-Präsident Richard Nixon die nominale Goldbindung des Dollar, im März 1973 beschlossen mehrere Europäische Länder den endgültigen Ausstieg aus dem System fester Wechselkurse. Das Bretton-Woods-System hatte seine Schuldigkeit getan und für eine prosperierende Nachkriegswirtschaft gesorgt.

Leselinks:

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 15. Juli 2014 | Die Börsenblogger

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.