Brückengeld: Mit klingender Münze zum anderen Ufer

Brückengeld: Mit klingender Münze zum anderen Ufer 

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Über Brücken zur anderen Seite eines Flusses zu gelangen, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Früher musste man dafür zahlen.

Der Kurfürst ging mit gutem Beispiel voran: Als Johann Philipp von Schönborn (1647-1673) die neue Schiffsbrücke zwischen der Domstadt Mainz und dem rechtsrheinischen Castel einweihte, war er der Erste, der Brückengeld entrichtete. Einen Zollkreuzer musste der Kurfürst erwerben, um die mehrere hundert Meter lange Brücke zu passieren. Der Zollkreuzer war eigens als Brückengeld geprägt worden. Die Kupfermünze zeigte das Mainzer Rad und die Buchstaben „BZ“ für Brückenzoll.

Sicher ein einträgliches Geschäft, denn der in der Schweiz entspringende Rhein war schon damals eine einerseits vielbefahrene Wasserstrasse. Andererseits trennt er als natürliche Grenze Städte und Regionen, die mit Fähren und Brücken überwunden werden müssen.

Brückengeld für Schweine und Ziegen

Auch als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Mainzer Rheinbrücke – seinerzeit als Wunderwerk der Technik bestaunt – feierlich eröffnet wurde, musste zunächst einmal zum Geldbeutel greifen, wer von der einen Rheinseite zur anderen gelangen wollte. Fussgänger zahlten vier Pfennige, Fahrgäste in der Pferdebahn fünf Pfennige, für jedes Schwein und jede Ziege wurde ein Pfennig fällig.

Das Brückengeld ist freilich schon sehr viel älter. Der Begriff taucht in den Chroniken erstmals Ende des 14. Jahrhunderts auf, als die Nutzer der Fuldabrücke in Kassel zur Kasse gebeten wurden. Im Jahr 1442 verlieh dann Herzog Otto der Einäugige der Stadt Münden (heute Hann. Münden im südlichen Niedersachsen) das Recht, zur Erhaltung der Werrabrücke Brückengeld zu verlangen. Es wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts wieder abgeschafft.

Andernorts führte man sozusagen eine frühe Form von Public Private Partnership (PPP) ein. Die Stadt Halle (Saale) zum Beispiel liess die Peissnitzbrücke bauen und verpachtete sie Anfang des 19. Jahrhunderts an einen Privatmann. Der hatte sich fortan um den Erhalt des Bauwerks zu kümmern und durfte im Gegenzug Brückengeld verlangen.

Kassiert wird mit dem Holzschuh

Bezahlen mussten oft aber auch Schiffer, für die man Teile der Brücke öffnete, damit sie ihre Fahrt auf der Wasserstrasse fortsetzen konnten. In Köln zum Beispiel wurde anfangs die Schiffsbrücke dreimal am Tag geöffnet, indem man die sogenannten Ausfahrjoche aus dem Brückenverband nahm. Eine besonders folkloristische Form des Einzugs von Brückengeld entwickelten die Niederländer. Dort senken zum Teil noch heute Brückenwärter mit der Angelrute den berühmten holländischen Holzschuh zu den Booten. Das Entgelt für das Öffnen der Brücke wird dann in den Schuh gelegt. Da kommt offenbar einiges zusammen, denn vor einiger Zeit sollen Diebe immerhin mehrere hundert Euro aus einem abgelegenen Brückenwärterhaus gestohlen haben.

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