„Kassenbücher“ auf Wachstafeln und Pergament

„Kassenbücher“ auf Wachstafeln und Pergament 

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Einfache Vorläufer der späteren Kassenbücher gab es bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. Die doppelte Buchführung verdanken wir aber einem Freund Leonardo da Vincis.

Man sagt, Künstler und andere Kreative stünden mit so profanen Dingen wie der Buchführung auf Kriegsfuss. Das mag häufig zutreffen, aber gewiss nicht immer. Zu den Ausnahmen gehörte Mitte des 15. Jahrhunderts der Maler Piero della Francesca aus der Nähe von Florenz. Er führte den jungen Luca Pacioli, der später als enger Freund von Leonardo da Vinci bekannt werden sollte, in die Geheimnisse der Buchführung ein. Dieses Thema spielte denn auch in Paciolis 1494 erschienenem Buch „Summa de arithmetica, geometra, proportioni et proportionalita“ eine wichtige Rolle. Darin ging es nicht zuletzt um das Prinzip der doppelten Buchführung. Das war im Grunde recht einfach: Verkaufte ein Händler einen Ballen Rohwolle für – sagen wir – zwei Dukaten, dann buchte er fünf Dukaten Einnahmen und die Lieferung von einem Ballen Wolle aus seinem Lager.

Buchdruckerkunst macht Buchführung bekannt

Dank einer anderen grossen Innovation der damaligen Zeit, der Erfindung der Buchdruckerkunst durch den Mainzer Johannes Gutenberg, verbreitete sich das Buch schnell und sorgte grenzüberschreitend für Furore. Die neue Buchführung ebnete den Weg für komplexere Bankgeschäfte – und erleichterte auch dem Fiskus die Arbeit.

Darüber hinaus erweisen sich historische Kassenbücher als aufschlussreiche geschichtliche Dokumente. Immerhin gab es bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. die ersten schriftlichen Aufzeichnungen. Diese „archaischen Kassenbücher“ wurden auf Wachstafeln und Pergament geführt. Das somit dokumentierte Zahlenwerk diente zum Beispiel der Erhebung der Erntesteuer im alten Ägypten.

Historische Rechnungsbücher jetzt voll digitalisiert

Nicht ganz so alt sind die vor über zweieinhalb Jahren digitalisierten Rechnungsbücher der Stadt Basel. Aber auch sie entführen den interessierten Leser in die Zeit zwischen 1535 bis 1610 und fördern die Erkenntnis zutage, dass der Fiskus schon immer sehr kreativ war, wenn es galt, Einnahmen zu generieren. So finanzierte sich der Etat der Stadt Basel im 16. und 17. Jahrhundert nicht zuletzt aus Durchfahrtzöllen, Abgaben vom Lohn und Strafgeldern

Apropos: Als 2015 im sachsen-anhaltinischen Steuden über hundert Jahre alte Polizei-Kassenbücher auftauchten, konnten interessierte Bürger einen Blick in den damaligen „Bußgeldkatalog“ werfen. Grober Unfug wurde seinerzeit mit zehn Mark Strafe geahndet. Wer Obst stahl („Mundraub“), wurde mit fünf Mark zur Kasse gebeten. Und weil sein Sohn die Schule schwänzte, musste der Vater 1,50 Mark berappen.

„Kreative“ Buchführung jedoch wurde schon damals viel härter bestraft. Vielleicht begann das erste Kassenbuch der Bank of England aus dem Jahr 1694 deshalb mit den Worten „Laus Deo“ („Lob sei Gott“). Wenn dem Zahlenwerk überirdisches Wohlwollen zuteil werde, so die Überlegung, konnte auch der strengste Buchprüfer nicht mehr meckern.

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