Chef, was ist Ihnen heilig? Impact Investing im Lichte von Adam Smiths Wachstumsformel

Chef, was ist Ihnen heilig? Impact Investing im Lichte von Adam Smiths Wachstumsformel 

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Der Kapitalismus schrieb eine Geschichte über Wachstum, der viel Gutes bewirkt hat. Zeuge ist unser europäisches Zuhause, Teil des reichen Westens. Wir sind versorgt mit einer warmen Unterkunft, reichlich Essen auf dem Tisch, geregelter Arbeit, zugänglichen Krankenhäusern, befahrbaren Strassen mit ein (oder zwei) Autos in der Garage und dem Internet für das globale Netzwerken. Unserer Wohlstandsgesellschaft geht es gut. Doch wie steht es um die Menschen, die zwar Teil der Gesellschaft und Wertschöpfung, aber ausgeschlossen vom Wohlstand sind?

Eigennutz als Nächstenliebe

Nach Adam Smith, dem Urvater der klassischen Nationalökonomie aus dem 18. Jahrhundert, reguliert sich dieser Zustand durch die «unsichtbare Hand» eines nahezu allmächtigen Marktes. Der Fokus liegt auf Eigennutz. Denn – so lautet das sogenannte «Smith-Paradoxon»: Wer sein eigenes Interesse verfolgt, befördert das der Gesamtgesellschaft häufig wirkungsvoller, als wenn er wirklich beabsichtigt, es zu fördern. Rückblickend hat dieses Verständnis von Kapitalismus seine Erfolgsphasen gehabt. Doch in der Gegenwart und Vorausschau in die Zukunft greift es zu kurz. Angesichts der globalen sozialen und ökologischen Herausforderungen ist das scheuklappenartige Streben nach wirtschaftlichem Profit nicht mehr genug für ein zukunftsträchtiges Wachstum der weltweiten Gesellschaft.

Wachstum für alle – aber wie?

Über die Hälfte der Weltbevölkerung – circa vier Milliarden Menschen, Tendenz steigend – leben in Armut und führen den täglichen Überlebenskampf für sich und ihre Familie mit weniger als zwei US-Dollar in der Tasche. Gleichzeitig bekommen diese Menschen die Verknappung an lebenswichtigen Gütern, wie sauberem Trinkwasser oder bestellbarem Land, zuerst zu spüren. Der Bevölkerungsanstieg von sieben auf über neun Milliarden Menschen bis 2050 wird vor allem am Boden der Wohlstandpyramide stattfinden und somit die bestehenden Herausforderungen nochmals verschärfen, wie es sich bereits jetzt in wirtschaftlichen Boom, aber sozialen Entwicklungsländern wie China und Indien abzeichnet. Es wird klar, dass das Verständnis von Kapitalismus und nachhaltigem Wachstum neu definiert werden muss.

Was heilig ist, ist nicht verhandelbar

Gefragt sind hierbei alle Marktteilnehmer, allen voran die global agierenden und mit grosser Hebelwirkung ausgestatteten Spieler auf der Angebotsseite. Harish Manwani, COO von Unilever, ist ein Hoffnung gebendes Beispiel für ein verändertes Verständnis von Wirtschaftswachstum in den Führungsebenen von grossen Konzernen. In seinem sehenswerten TED-Talk hebt er hervor, dass Unternehmen ihre Rolle in der Gesellschaft finden und aktiv ausfüllen müssen, statt sich mit der passiven Zuschauerrolle angesichts sozialer und ökologischer Missstände zufrieden zu geben. Nachhaltig wachsen könne nur jenes Unternehmen, das verantwortungsvoll und wertebasiert wirtschaftet. Das heisst für die Chefetage, sich einerseits zu fragen: Was ist uns «heilig»? Welche gesellschaftlichen Werte sind nicht verhandelbar, egal, welche Farbe die Umsatzzahlen des letzten Quartals hatten? Andererseits heisst es auch, das Rückgrat zu entwickeln, um jene heiligen Werte konsequent und mit harten Entscheidungen im Tagesgeschäft durchzusetzen. Diesen Dialog über sozial- und ökologisch-verantwortliches Unternehmertum unterstützt LGT Venture Philanthropy durch seine Impact-Investing-Tätigkeit in sechs Weltregionen, und der Beratung von Unternehmen, Familien und Einzelpersonen, die in diesem Bereich aktiv werden möchten. Im Rahmen unserer «Smiling-World-Initiative» portraitieren wir Führungspersönlichkeiten, die mit ihrer Vision und konkreten Umsetzung für eine zukunftsfähigere Welt andere Menschen zum Mitmachen inspirieren.

Impact Investing: Korrektiv zum ausschliesslich profitorientierten Unternehmertum

Impact Investing setzt das wertebasierte Verständnis von Unternehmertum konkret um und geht sogar noch einen Schritt weiter, denn: Sozialer und ökologischen Mehrwert ist eine beabsichtige Wirkung und nicht mehr – wie bei Smith – ein von der «unsichtbaren Hand» geleiteter gesellschaftlicher Nebeneffekt einer Investition. Für mich stellt Impact Investing einen vielversprechenden Ansatz dar, der die Wertschöpfung aus erfolgreichem Wirtschaften auf den sozialen und ökologischen Bereich überträgt, ohne die finanziellen Renditen ausser acht zu lassen. LGT Venture Philanthropy ist ein Impact Investor, der in jene Unternehmen investiert, die Produkte und Dienstleistungen gezielt an die Bedürfnisse und Kaufkraft der Menschen am Boden der Wirtschaftspyramide anpassen. In anderen Worten: Angebote für eine millionenfache Nachfragen schaffen und dabei nachhaltig, weil finanziell selbsttragend und skalierbar, vielerlei soziale und ökologische Probleme von globaler Grössenordnung anzupacken vermögen.

Mittlerweile tragen wir mit unseren Portfolio-Organisationen dazu bei, dass über 4.5 Millionen benachteiligter Menschen ein selbstbestimmteres Leben führen und ein Stück Wohlstand gewonnen haben. Verstehen wir unter «Eigennutz» auch das Ziel, mit unserem unternehmerischen Tun ganz bewusst sozialen und ökologischen Mehrwert zu schaffen, behält Adam Smiths Verständnis von Kapitalismus («Eigennutz ist die Triebfeder des wirtschaftlichen Wachstums») seine Gültigkeit.

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