China: Atempause vor dem nächsten Wohlstandsboom

China: Atempause vor dem nächsten Wohlstandsboom 

Chinas Probleme bewegen die Märkte schon seit Jahren und seit dem Platzen der jüngsten Aktienblase im letzten Sommer mehr denn je. Es wird eine grosse Yuan-Abwertung befürchtet.

Diese Ängste sind übertrieben und ignorieren die potentiell sehr positiven Veränderungen in China. Gewiss bleibt das Land mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Sein Wachstum wird mittelfristig weiter nachlassen und die chinesischen Banken werden Jahre brauchen bis sie ihre Kreditexzesse völlig verdaut haben. Solange Peking die Geldmengenzufuhr grosszügig gestaltet, dürfte auch der Yuan weiterhin – kontrolliert – zur Schwäche neigen. Aber nur so können in dieser schwierigen Umbauphase das Wachstum gestützt sowie gesamtwirtschaftlich gefährliche Firmen- und Bankenpleiten und damit verbundene Kreditklemmen und Finanzkrisen vermieden werden.

China ist gebaut

All dies findet jedoch im Rahmen eines sinnvollen Strukturwandels statt. Zu Recht trennt sich China zunehmend von den wenig wertschöpfenden, ineffizienten und umweltbelastenden Industrien – weil es diese nicht mehr braucht. Die Mega-Infrastrukturinvestitionen, mit denen China in nur wenigen Dekaden mehr als 100 Jahre Industriegeschichte aufholte, sind im Wesentlichen abgeschlossen.

Folglich befinden sich die verarbeitende Industrie, der Bergbau und das Baugewerbe längst in einer deflationären Stagnation. Und weil diese veralteten Wirtschaftssektoren in China noch relativ gross sind, sinkt auch das Wirtschaftswachstum seit Jahren stetig. Dies zeigen offizielle Statistiken bei genauerem Hinsehen. Gleichzeitig wächst der Dienstleistungssektor mit ungebrochen hohem Tempo. Seit Ende 2015 macht er erstmals mehr als die Hälfte der Gesamtwirtschaftsleistung aus. Je grösser dieser Dienstleistungssektor wird, desto mehr wird der negative Effekt der veralteten Wirtschaftssektoren auf das Wachstum abnehmen.

China_BIPTrends

Vor diesem Hintergrund sind Schwarzmalerei und Pessimismus nicht angebracht. Eine abrupte Yuan-Abwertung bleibt unwahrscheinlich, denn die Gegenwinde in China sind primär binnenwirtschaftlicher Natur. Eine Einmalabwertung würde die nächste Entwicklungsstufe nur weiter in die Ferne rücken und wenig Erfolg bringen: Chinesische Smartphones oder auch High Speed-Züge werden weiter Marktanteil gewinnen, während chinesischer Stahl oder Beton nie wieder auch nur annähernd so nachgefragt sein werden, wie während des Infrastrukturaufbaus – auch nicht zu einem günstigeren Wechselkurs.

So baut China an seiner Zukunft

Gleichzeitig stellt die jüngste Entscheidung, den Yuan-Kurs nicht mehr über den US-Dollar, sondern über einen Währungskorb zu steuern, einen wachstumsfreundlichen Schritt dar. China trennt sich damit vom Wirtschaftszyklus der USA und kann fortan seine Geld- und Währungspolitik besser auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen.

Die Zeit für eine differenzierte, konstruktive Beurteilung Chinas könnte gekommen sein: Langfristig denkende Anleger und Unternehmer sollten in Chinas Wachstumssegmenten engagiert bleiben.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau Vom 10. März 2016 | Die Börsenblogger

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