China: Feuriger Drache oder Elefant im Porzellanladen?

China: Feuriger Drache oder Elefant im Porzellanladen? 

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An den internationalen Finanzmärkten sorgte China in der letzten Woche für Schockwellen und schürte Sorgen um die wirtschaftliche Verfassung der Volksrepublik sowie die Angst vor einem Währungskrieg. Die gänzlich unerwartete Ankündigung der chinesischen Notenbank, die Landeswährung Yuan gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren abzuwerten, verunsicherte die Anleger und könnte ihre Einschätzung in Bezug auf die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft nachhaltig trüben.

Die plötzliche Abwertung des Yuan nährt aber auch Sorgen vor einem – bereits vielbeschworenen – Währungskrieg. Die Währungsmanipulation der Behörden in Peking könnte Nachahmer in anderen Ländern finden und zu einem verschärften Abwertungswettlauf führen. Inzwischen hat sich die Lage an den Börsen zwar wieder beruhigt, doch könnten die jüngsten Ereignisse in China die Vorboten eines fundamentalen Wandels in der Weltwirtschaft sein.

Abhängigkeiten: Globalisierung als neue Volatilität?

Die Verlierer der Währungsabwertung in China sind insbesondere westliche, global aufgestellte Grossunternehmen, die sich in den letzten Jahren verstärkt auf den chinesischen Markt fokussierten und in der Zwischenzeit einen hohen Umsatzanteil in der Volksrepublik erwirtschaften. Dies führt zwangsweise zu einer immer stärkeren Abhängigkeit von der chinesischen Inlandsnachfrage. Eine Studie der Beratungsfirma Ernst & Young zeigte, dass beispielsweise der Marktanteil deutscher Autobauer in China in der ersten Jahreshälfte mit knapp 23% einen neuen Rekordwert erreichte, was an und für sich natürlich ein unbestrittener Leistungsausweis für Marken wie BMW, Volkswagen oder Daimler darstellt, aber eben auch Abhängigkeiten schafft. Eine Abschwächung der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft oder deren Währung hat demzufolge direkte und immer stärkere Auswirkungen auf unsere global ausgerichteten Konzerne und damit auch auf unsere eigene Wirtschaftsleistung. Diese Abhängigkeiten sind in einer globalisierten Wirtschaftsordnung natürlich gegeben, stellen jedoch neben grossen Chancen auch erhebliche Gefahren dar. Auch hier dürfte es ratsam sein, soweit möglich eine gesunde Diversifizierung (der Exporte) anzustreben.

Neuaufstellung Chinas: Auf dem Weg in die ökonomische Normalität

Aus Sicht Chinas ist der Wunsch, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, verständlich. Eigentlich tun es die Europäer gleich, mittels quantitativer Lockerung durch die EZB, die zu einem schwächeren Euro führt. Exportweltmeister China erhofft sich durch die Abwertung seiner Währung Vorteile im Kampf um globale Marktanteile sowie auch Impulse für die lahmende inländische Konjunktur. Das Vorgehen der chinesischen Zentralbank gibt aber Anlass zur Sorge. Der Währungseingriff wirkte wie die Bewegung eines Elefanten im Porzellanladen, wobei an den Finanzmärkten viel Porzellan – sprich Marktwert – oder schlimmer noch Vertrauen zerschlagen wurde. Einerseits kündigte die Zentralbank nach der ersten Abwertung an, es handle sich dabei um eine einmalige Anpassung, nur um am nächsten Tag die Märkte mit einer weiteren Abwertungsrunde nochmals zu düpieren. Andererseits erscheint der Aktionismus der chinesischen Behörden immer mehr als Verzweiflung oder Panik und nährt damit die Befürchtung, dass es um Chinas Wirtschaft schlechter stehen könnte als angenommen. Die Zweifel an der wirtschaftlichen Verfassung Chinas sind nicht neu. Eine Serie von Konjunkturdaten, die schwächer als erwartet ausfiel – Chinas Ausfuhren wie auch der Einbruch der Importe im Juli um jeweils fast 9% im Vergleich zur Vorjahresperiode – zeigt, dass sich China langsam in Richtung «Normalisierung» bewegt. Das heisst die Wachstumsraten werden sich langfristig an die der anderen grossen Wirtschaftsräume angleichen. Darauf müssen sich Weltwirtschaft und Finanzmärkte auf lange Sicht einstellen. Es wird sich zeigen, ob wir es auch in Zukunft mit einem «feurigen Drachen» oder eher mit einem «Elefanten im Porzellanladen» zu tun haben.

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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