Chinesischer Yuan: Werkzeug einer Weltmacht

Chinesischer Yuan: Werkzeug einer Weltmacht 

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Am 30. November dieses Jahres dürften in den Kreisen der chinesischen Politik die Sektkorken knallen. Anlass ist die nächste Zusammenkunft des Executive Boards des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieses wird voraussichtlich beschliessen, den chinesischen Yuan in den Währungskorb aufzunehmen, der den Sonderziehungsrechten des IWF zugrunde liegt. Die Mitglieder des IWF unterstützen einen solchen Schritt ebenso wie ihre Direktorin, Christine Lagarde, so dass die Zustimmung des Exekutivkomittees, das die 188 Mitgliedsländer des IWFs repräsentiert, als Formsache gilt.

Der Aufnahme des Yuan in den Kreis der IWF-Reservewährungen ging ein intensives Lobbying der chinesischen Regierung voraus. Dennoch wurde sie vom IWF eher verzögert als forciert. Nun wird die Aufnahme damit gerechtfertigt, dass der Yuan nach einigen Anstrengungen Chinas mittlerweile die IWF-Kriterien einer frei einsetzbaren oder für internationale Transaktionen in grossem Umfang benutzten Währung erfüllt. Darüber hinaus werden auf den wichtigsten globalen Devisenmärkten erhebliche Umsätze erzielt.

Die Sonderziehungsrechte (SZR) wurden 1969 geschaffen und bilden ein internationales Reservemedium. Über die SZR können die Mitgliedsstaaten des IWFs zusätzliche Währungsreserven erhalten, gleichzeitig helfen sie, das internationale Währungssystem unabhängiger vom Gold und dem US-Dollar zu machen. Seit ihrer Einführung hat der Währungsfonds seinen Mitgliedern drei Mal SZR im Verhältnis zu ihrer nationalen Quote im IWF zugeteilt, letztmals im August 2009.

Für die Mitgliedsländer stellen die SZR einen Teil ihrer Währungsreserven dar: Die SZR können z.B. bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten in die frei verwendbaren IWF-Währungen getauscht werden. Neben einer generellen Zuteilung an alle Mitgliedsländer kann der IWF einzelne Länder auswählen, denen sie im Tausch die gewünschte frei handelbare Währung zur Verfügung stellt.

Zusätzlich zum Prestigegewinn, den die chinesische Regierung aus dem Status des Yuans als internationale Reservewährung ableiten wird, dürfte die Entscheidung des IWFs auch messbare Auswirkungen auf den Wechselkurs des Yuans haben. Denn die Zentralbanken der übrigen vier Reservewährungen, die Bank of England, die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und die amerikanische Federal Reserve, werden über kurz oder lang einen Teil ihrer Währungsreserven in Yuan halten und entsprechend chinesische Vermögenswerte kaufen müssen.

Das Volumen an zusätzlicher Yuan-Nachfrage, das auf diese Weise entsteht, dürfte für eine gewisse Unterstützung des Yuan-Wechselkurses sorgen: Um auf eine Gewichtung von rund fünf Prozent am IWF-Währungskorb zu kommen, müssten die vier Zentralbanken über einen Zeitraum von drei Jahren jährlich Yuan im Gegenwert von rund 125 Milliarden Dollar kaufen. Diese Summe ist ungefähr das Sechsfache des aktuellen Tagesumsatzes mit Yuan im Spotmarkt.

Es wird jedoch spannend zu sehen sein, wie eilig es die Zentralbanken tatsächlich mit dem Yuankauf haben werden. Denn die chinesische Währung verzeichnet bereits seit einigen Monaten Nettoabflüsse. Die werden zwar durch Devisenverkäufe der chinesischen Zentralbank weitgehend ausgeglichen, allerdings lässt sich ein gewisser Abwertungsdruck auf den Yuan nicht leugnen. Dies erhöht nicht eben die kurzfristige Attraktivität.

Schwerer dürfte jedoch der Umstand wiegen, dass sich ausländische Anleger nicht frei auf den chinesischen Finanzmärkten bewegen können. Ein wichtiger Schritt hin zu einer weiteren Öffnung Chinas wurde zwar mit der vor genau einem Jahr eingerichteten Möglichkeit des Kaufs von chinesischen Festlandsaktien durch ausländische Ausländer gemacht. Und auch die Öffnung des Anleihemarkts für Zentralbanken, supranationale Institutionen und Staatsfonds im Juli dieses Jahres ist vor dem Hintergrund der anstehenden IWF-Entscheidung zu sehen. Dennoch werden die Zentralbanken die Kröte schlucken müssen, dass sie sich über den Aufbau von Währungsreserven in die Abhängigkeit eines Regimes begeben, das sich ganz offensichtlich nicht den internationalen Spielregeln unterwerfen will.

Denn entgegen der weitverbreiteten Meinung macht der Gouverneur der Peoples Bank of China (PBoC), Zhou Xiaochuan, keinen Hehl daraus, dass die freie Konvertibilität des Yuans explizit nicht zu den Zielen der chinesischen Politik gehört. Vielmehr soll die Konvertibilität gemanagt werden und damit dem Einfluss der chinesischen Entscheidungsträger unterworfen bleiben.

Dies ist offensichtlich nicht kompatibel mit den oben erwähnten Kriterien des IWFs für eine Reservewährung der SZR. Es entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie, dass die Aufnahme in den SZR-Währungskorb nur rund drei Monate nach einer per Beschluss verfügten Abwertung des Yuans erfolgt, die aufgrund ihrer mangelhaften Kommunikation die globalen Finanzmärkte auf dem falschen Fuss erwischt hat und am Anfang einer sechswöchigen ausgeprägten Korrektur auf den Aktienmärkten stand.

Mag die gewachsene Bedeutung Chinas im globalen Handel eine Aufnahme des Yuan in den Kreis der IWF-Reservewährungen rechtfertigen, die anstehende Entscheidung darüber ist letztlich politischer und nicht ökonomischer Natur. Aus Sicht der chinesischen Regierung ist sie ein weiterer, wenn auch eher kleiner Schritt in der Absicht, den US-Dollar in seiner Rolle als dominierende internationale Währung abzulösen.

Auch im Verfolgen dieses Ziels kann man China nicht den Vorwurf der Heimlichtuerei machen. Im März 2009 veröffentlichte der oben erwähnte Zhou Xiaochuan einen Essay auf der Website der PBoC, in der er formulierte, eine Reservewährung müsse losgelöst von einzelnen Nationen und langfristig stabil sein. Aus Zhous Sicht sollte eine Reservewährung von einer internationalen Institution wie dem IWF kontrolliert werden, wobei es nicht viel Phantasie bedarf, um sich auszumalen, welches Land aus Zhous Sicht die wichtigste Rolle in dieser Institution spielen sollte.

Dazu bedarf es noch einer ganzen Reihe kleiner Schritte. Diese sind jedoch einfacher umzusetzen als grosse Sprünge und sie werden in ihrer Umgebung seltener Gegenwehr provozieren.

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Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
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