Marktausblick: Im Schatten des Corona-Virus

Marktausblick: Im Schatten des Corona-Virus 

Seit Ende Januar beschäftigt der Ausbruch des Corona-Virus COVID-19 zunehmend die Anleger. Reagierten zunächst praktisch nur die asiatischen Märkte auf die Infektionswelle, so kam es in der letzten Februarwoche auch in den USA und Europa zu intensiven Kurseinbrüchen bei Aktien. Inzwischen gibt es aber Indizien, dass der Höhepunkt der Panikreaktion hinter uns liegen könnte.

Aufgewühlt von der Unsicherheit und der Angst vor einer globalen Pandemie, verlor der amerikanische Börsenindex S&P 500 zwischen dem 21. und 28. Februar mehr als 12 Prozent. Ein solch rasches Abwärtstempo hat es seit dem Schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987 nicht mehr gegeben, als der Index an einem einzigen Tag 20.5 Prozent verlor.

Wie sich die Epidemie weiterentwickelt, und wie gut oder schlecht die Menschen im Allgemeinen mit den Risiken, die aus dieser Situation erwachsen, letztlich wirtschaftlich umgehen werden, lässt sich derzeit noch nicht genau einschätzen. Es gibt jedoch erste Anzeichen dafür, dass es sich bei den jüngsten Turbulenzen um eine Überreaktion handelt könnte.

Sehr späte Panikverkäufe

Interessant ist zunächst, dass die Panikverkäufe in den USA und Europa zu einer Zeit eskalierten, als sich die Situation in China selbst, d.h. an der vermeintlichen Quelle des Ausbruchs, bereits langsam stabilisiert hatte. Das kann man beispielsweise an den laufenden Daten zum Autoverkehr oder Eisenbahnticketverkäufen ablesen. So sind die U-Bahnen in Hongkong wieder voller, weil die Menschen wieder vermehrt regelmässig zur Arbeit gehen. Sie tragen Masken und verhalten sich verantwortungs- und risikobewusster als sonst – aber die notwendige Arbeit wird eben wieder erledigt.

Technische Aspekte verstärkten Panikverkäufe

Hinzu kommt, dass die Panikverkäufe an der Wall Street auch einen rein technischen Aspekt hatten, der sich irgendwann selbst bereinigen wird. Die heutzutage zahlreichen regelbasierten Handelsstrategien, der weitverbreitete Einsatz von Derivaten sowie hohe Fremdfinanzierungsniveaus führen dazu, dass unerwartete grosse Marktpreisschwankungen kurzfristig zusätzlich verstärkt werden. Auch dies war zuletzt zu beobachten.

Gemäss den Schätzungen eines grossen Wall Street-Hauses verkauften allein in den ersten drei Handelstagen der letzten Woche systematische Strategien wie z.B. Option-Hedging oder Volatility-Targeting Wertpapiere in der Höhe von rund 150 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich werden an der New York Stock Exchange normalerweise täglich Aktien im Gesamtwert von rund 32 Milliarden US-Dollar gehandelt. Sobald aber eine bestimmte Bereinigung der Positionen erfolgt ist, kann sich die Situation wieder entsprechend schnell drehen – aus ebenso technischen Gründen.

The Economist zeigt, wie’s weitergeht

So bleibt die Frage – wie steht es mit der emotionalen Reaktion der Menschen? Ab wann haben sie die neuen Informationen aufgenommen und verarbeitet? Ab wann sind sie in der Lage, sich an die neue Situation zu gewöhnen und damit auch besonnener zu handeln?

Hier liefern vielleicht die Titelblätter des „The Economist“ einen Hinweis. Historisch hat das britische Wirtschaftsmagazin jedenfalls immer wieder wichtige Wendepunkte an den Börsen markiert. Sobald ein Thema das Titelblatt zierte, drehte der Trend – ein Zeichen, dass die Märkte das Thema bereits weitestgehend „verarbeitet“ haben und zur nächsten Etappe übergehen können. Wie die folgenden Grafiken zeigen, gilt dies auch diesmal – zumindest bisher, für die jüngste Entwicklung im Januar und Februar. In den kommenden Tagen wird sich dies hoffentlich bestätigen.

Grafik 1: China-Aktien und SARS-Ausbruch im Jahr 2003
Economist-Ausgabe vom 26. April 2003: Thema SARS-Ausbruch in Hong Kong/Vorsitzender Mao Zedong mit medizinischer Schutzmaske/Tief im MSCI China Aktienindex.

Grafik 2: China-Aktien und COVID19-Ausbruch in China im Januar 2019
Economist-Ausgabe vom 1. Februar 2020: Thema COVID-19-Ausbruch in China/Chinesische Flagge als medizinischer Schutzmaske/ Zyklus-Tiefpunkt im MSCI China Aktienindex

Grafik 3: Positive und Negative Titelblätter an (möglichen) Wendepunkten
20. Februar 2020: Thema US-Börsenhausse: Roboter-Bullen mit den Logos der grossen Tech-Konzerne der US-Börse / Beginn der grossen Talfahrt. 27 Februar 2020: Thema COVID-19-Ausbruch weltweit: Weltkugel als Corona-Virus / möglicher Wendepunkt im S&P 500 bzw. MSCI Welt-Aktienindex

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
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