Final Countdown im US-Wahlkampf

Final Countdown im US-Wahlkampf 

Die US-Präsidentschaftswahlen befinden sich in der letzten Phase. In der aussergewöhnlichen Ausgangslage durch die Corona-Pandemie liefern sich Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden ein Kopf-an-Kopf-Rennen. An den Finanzmärkten wird dies in den kommenden Wochen für Nervosität sorgen.

Der Countdown läuft: In weniger als 60 Tagen, am 3. November, wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Mit dem Parteitag der Demokraten vor zwei Wochen ist die letzte Phase des Wahlkampfs eingeläutet worden, und wie erwartet steigt der 77-jährige Joe Biden gegen den derzeitigen Amtsinhaber Donald Trump ins Rennen. Der Schlagabtausch zwischen den Kandidaten liefert den Medien willkommene Schlagzeilen – doch dabei ist Vorsicht geboten, denn genau in dieser Phase werden Fakten, Mythen und Falschaussagen stark miteinander vermischt. Für Investoren ist es daher schwierig, sich für die kommenden zehn Wochen richtig zu positionieren.

Die Demokraten sind in Führung

Im November wird nicht nur der Präsident neu gewählt, sondern auch die Machtverhältnisse in den beiden Kammern des Kongresses – bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus – könnten sich verschieben. Mit komplexen Wahrscheinlichkeitsmodellen versuchen zahlreiche Meinungsforschungsinstitute, den Ausgang der Wahlen zu prognostizieren. Die Chancen für Biden stehen demnach gut: Fast alle Umfragen sehen den Herausforderer in Führung und sein Vorsprung auf Trump ist in den letzten Wochen relativ konstant geblieben (Grafik 1). Zudem zeichnet sich ab, dass die Demokraten im November sogar beide Kammern gewinnen könnten.

Doch spätestens seit 2016 ist klar, dass Wahl- und Abstimmungsprognosen nur eine bedingte Aussagekraft haben. Denn sowohl im Streit über den Austritt von Grossbritannien aus der EU, wo sich eine Mehrheit für die Brexit-Gegner abzeichnete, als auch bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, wo Hillary Clinton die Nase vorne hatte, stellten sich die Prognosen als falsch heraus. Auch diesmal dürfte bis zum Schluss offenbleiben, wer ins Weisse Haus einziehen wird, denn in zahlreichen Bundesstaaten zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Biden ab. Trump versucht zu punkten, indem er den Mythos befeuert, dass ein republikanischer Präsident besser sei für die Aktienmärkte. Allerdings spricht die Statistik eine andere Sprache: Sass ein Demokrat im Weissen Haus, haben die Börsen in der Regel besser abgeschnitten, als wenn ein Republikaner das Sagen hatte (Tabelle 1).

Aussergewöhnliche Ausgangslage

Die US-Präsidentschaftswahlen sorgen generell für viel Aufsehen, und zwar auch ausserhalb der Landesgrenzen. Doch dieses Jahr hat die Corona-Pandemie eine einzigartige Ausgangslage geschaffen, die kaum mit früheren Wahlen und klassischen Parteipositionen zu vergleichen ist. Eine Regel dürfte aber auch diesmal gelten: Nur ein zufriedener Wähler wird an der Urne für den «richtigen» Kandidaten stimmen. Das heisst, dass in den kommenden zehn Wochen noch mit etlichen monetären Wahlgeschenken zu rechnen ist.

Beide Parteien haben ein Interesse daran, die Fiskalprogramme weiterzuführen oder zu erhöhen – somit wird auch das US-Haushaltsdefizit weiter steigen. Für die Investoren ist das wichtig, weil die Konsumenten durch die Unterstützungsmassnahmen die Möglichkeit haben, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Wir erwarten daher ein umfangreiches Stimuluspaket aus Washington – denn weder die Senatoren, noch die Mitglieder des Repräsentantenhauses, und schon gar nicht der amtierende Präsident, wollen ihre potentiellen Wähler enttäuschen.

Investiert bleiben

Die US-Wahlen dürften in den kommenden Wochen für Nervosität an den Finanzmärkten sorgen. Die Vergangenheit zeigt, dass unabhängig von der Konjunktur und von der Partei, die im Weissen Haus sitzt, jeweils die Volatilität in der letzten Phase des Wahlkampfs steigt. Die Medien dürften die Stimmung zusätzlich anheizen und jede Information, jeden Tweet sowie die TV-Duelle ausschlachten. Auf die Positionierung von langfristigen Investoren hat das kaum einen Einfluss. Durch den zusätzlichen US-Fiskalstimulus und die wachsende Unsicherheit befinden sich viele Anlagekategorien im klassischen Buy-the-Dip-Modus. Bestes Beispiel dafür ist Gold, wo jüngst nach einer Korrektur von 10% sofort wieder Käufer an den Markt gelangt sind. Auch Rückschläge bei Aktien sollten genutzt werden, um Positionen in qualitativ hochwertigen Unternehmen aufzustocken.

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