Crowdfunding: Kann das Internet auch Finanzierung? 

Wenn Facebook eine Bank wäre, könnten Nutzer vielleicht über den Like-Button neue Projekte oder junge Unternehmen finanzieren. Diese Fantasie ist beim Crowdfunding bereits Realität geworden.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten für Ihren nächsten Kinobesuch zunächst die Filmproduktion finanzieren. Falls dieser Gedanke wenig attraktiv erscheint, stellen Sie sich weiter vor, Sie erzielen mit dem Kinobesuch auch noch eine «Rendite», weil Sie selbst Investor des Films sind. Sollten Sie ein Fan der kauzigen Chefkarikatur «Stromberg» sein, haben Sie möglicher Weise genau dieses Szenario selbst erlebt.

«Stromberg» war die erste grosse deutschsprachige Kinoproduktion, die ausschliesslich über das so genannte Crowdfunding finanziert wurde. Statt weniger Investoren mit vergleichsweise viel Geld sorgen beim Crowdfunding viele Investoren mit kleinen Summen für die Vorfinanzierung von Projekten oder ganzen Unternehmenskonzepten. Stromberg wurde auf diese Weise finanziert, ebenso die iPod-Alternative Pono und viele andere Projekte. Alleine im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 2,7 Milliarden Euro in Crowdfunding investiert. Schwarmfinanzierung basiert auf einem einfachen Prinzip: Auf einer Crowdfunding-Plattform werden Ideen per Video, Blog oder Diskussion einer geneigten Masse potenzieller Kleininvestoren vorgestellt. Finanzierungshöhe, -zeitpunkt, Rendite oder Dankeschöns für die Unterstützer stehen vorab fest. Je nach Ländergesetzgebung kann das in «Naturalien» in Form von Anerkennungen oder in Preisnachlässen und finanzieller Rendite geschehen. Der eigentliche Finanzierungsprozess ist eine Überzeugungskampagne, um mit vielen Unterstützern das erforderliche Startkapital zu sammeln. Gelingt das, wird die erzielte Summe zu den genannten Konditionen an das Projekt überwiesen. Scheitert die Finanzierung durch den Schwarm, erhalten die Unterstützer ihre Investition zurück. Das eigentliche Kapital und die eigentliche Qualität des Crowdfundings ist also nicht die Budgethöhe, sondern der Schwarm. Erfolgreiche Projekte schaffen es, Menschen zu bewegen, zu motivieren und zu aktivieren. Darin liegt die entscheidende Qualität der Schwarmfinanzierung: Menschen investieren in Projekte, weil sie wollen, dass Ideen Wirklichkeit werden und sie einen Teil dazu beitragen möchten. Auf diese Weise können auch kulturelle, soziale oder nachhaltige Projekte finanziert werden, die in den Parametern klassischer Investoren wenig Chancen hätten. Die Popularität einer Crowdfunding-Kampagne ist ausserdem ein wichtiger Indikator für die Marktchancen eines Produkts oder Unternehmens.

Kann das Internet also auch Finanzierung? Ja – und zwar dort, wo Projekte finanziert werden, die nicht in die klassischen Messgrössen der Finanzwelt passen – sei es ein Start-up mit einem unerprobten Konzept, ein Film oder ein Stadtteilprojekt. Nein, dort, wo die klassische Beratung und Finanzierung in der Breite ersetzt werden soll. Leider gibt es auch Projekte, die wohl weder über die Crowd noch über die Bank finanziert werden können. Der Nachbau des Raumschiffs Enterprise, der unlängst in Kalifornien finanziert werden sollte, hatte weder in der analogen noch der virtuellen Finanzierung reale Chancen.

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