Schwärmen für den guten Zweck 

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Mit Crowdfunding finanziert sich heute manch einer etwa den Weg in die Selbständigkeit oder erfüllt sich den Traum von der eigenen CD-Produktion. Die alternative Finanzierungsform dient aber auch zur schnellen und flexiblen Unterstützung sozialer Projekte, wie etwa während der europäischen Flüchtlingskrise 2015.

Crowdfunding boomt. 2016 wurden auf den 50 in der Schweiz bestehenden Crowdfunding-Plattformen zum ersten Mal über 100 Millionen Schweizer Franken zwischen kapitalsuchenden Unternehmen, Organisationen oder Einzelpersonen und Investoren vermittelt. Ein Jahr zuvor waren es erst 30 Millionen Schweizer Franken. Damit liegt die Schweiz noch weit hinter dem weltweit grössten Crowdfunding-Markt. Dieser befindet sich in China und umfasste 2015 ein Volumen von fast 100 Milliarden Schweizer Franken. Weshalb das Interesse an der sogenannten Schwarmfinanzierung so gross ist? Ganz einfach, sie ist simpel und flexibel.

JeKaMi – Jeder kann mitmachen

Kapitalsuchende sammeln übers Internet von vielen Personen Geld für ein kulturelles, soziales oder kommerzielles Projekt. Mit den Investoren kommunizieren sie dabei nur über die Crowdfunding-Plattform. Der alternativen Finanzierungsart sind (fast) keine Grenzen gesetzt: Jeder kann mitmachen – zu finden sind nur eine Idee und interessierte Investoren. Ebenfalls ist nicht vorgeschrieben, wie die Kapitalgeber entschädigt werden. Je nach Projekt ist die Entschädigung monetär oder erfolgt anderweitig.

So erwarten die Investoren beim sogenannten Crowdlending und -investing, einer Form von Crowdfunding, für ihre Anlage eine risikogerechte Rendite, während im Bereich Crowdsupporting oder -donating meist philanthropische Motive im Vordergrund stehen. Das Crowdfunding für den guten Zweck findet in der Schweiz nur mässig Anklang. Mittels Crowdfunding-Kampagnen wurden im Jahr 2016 lediglich etwas mehr als 1.6 Millionen Schweizer Franken für soziale Zweck gesammelt. Dabei könnte auf diese Weise sehr rasch und sehr flexibel einsetzbares Kapital gesammelt werden.

Crowdfunding: die schnelle Unterstützung

Dass sich Crowdfunding eignet, um Menschen in Not zu helfen, zeigte sich beispielsweise während der europäischen Flüchtlingskrise 2015. So konnte die Schweizerin Liska Bernet dank der flexiblen und raschen Finanzierungsform gemeinsam mit Gleichgesinnten innert kürzester Zeit ein unabhängiges Flüchtlingscamp für über 800 Flüchtlinge in Lesbos, Griechenland, aufbauen. An der TEDxZurich-Konferenz 2017 schilderte Bernet (siehe Video im Header) eindrücklich, wie ihre Grassroots-Aktion das Leben von Hunderten Menschen erleichterte und sie gleichzeitig eine innovative und kreative Antwort auf das heutige Problem der Finanzierung von Hilfsprojekten fanden. Denn während viele NGOs von ihren grossen Spendern abhängig sind, was die Verteilung der Gelder betrifft, konnten Liska Bernet und ihre Kollegen das Geld dort einsetzen, wo sie es gerade brauchten.

Mit Crowdfunding konnten sie das Problem „Adhocracy“ umgehen, die unheilvolle Mischung aus ad hoc und bureaucracy (Spontanität und Bürokratie) wie Elizabeth Cullen Dunn, Humangeographin der Indiana University in den USA, das Wirrwarr um Hilfsagenturen, Spender und Regierungen nennt. Auch sie ist davon überzeugt, dass es kurzfristige, direkte Projekte braucht, um Flüchtlingen langfristig zu helfen und das Chaos in den Flüchtlingscamps weltweit zu mindern.

Türen öffnen

Ob die neue Generation an technisch versierten und unternehmerisch denkenden Köpfen zusammen mit alternativen Finanzierungsarten wie Crowdfunding den längst überfälligen Wandel im Umgang mit humanitären Krisen bringen, wird sich zeigen. Jedenfalls schreiten die jungen Leute mit ihren inspirierend innovativen Ideen grossen Schrittes voran.

Die LGT fördert solche Ideen, indem sie Plattformen wie TEDxZurich fördert, deren Veranstaltung 2017 unter dem passenden Motto „Opening Doors“ stattfand. Sie ist davon überzeugt, dass es Innovationen und vorausschauendes Denken und Handeln braucht, um gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen in unserer Gesellschaft zu meistern.

 

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