Zahlen aus der Dose, oder: Die Geschichte der «Curta»

Zahlen aus der Dose, oder: Die Geschichte der «Curta» 

«Verwendungsmöglichkeiten für Banken, Geldwechsel, Arbitrage, Zinsnummern, auch als Aushilfsmaschine»: Der erste mechanische Taschenrechner der Geschichte, die Curta,  ist made in Liechtenstein.

Um es mit dem Komiker Karl Valentin zu sagen: Rechnen ist schön, macht aber viel Arbeit. Nur gehört Rechnen seit jeher zum Geldhandel wie Humor zum Kabarett, und so sind Buchhalter und Bankiers entweder gute Kopfrechner, oder sie suchen nach Hilfsmitteln, die ihnen die lästige Zahlenbeigerei abnehmen. Eines dieser Geräte ist der erste mechanische Taschenrechner der Geschichte.

Und das kommt so: Der österreichische Büromaschinenmechaniker Curt Herzstark (1902-1988) ist der Sohn eines Rechenmaschinenherstellers. Von Kindsbeinen an bastelt er nach Herzenslust in der väterlichen Werkstatt und begleitet seinen Vater auf internationale Bürofachmessen. Deren Highlights sind Schreib- und Rechenmaschinen, doch Letztere haben einen gewichtigen Nachteil: Sie sind gross und schwer. Curt Herzstark träumt davon, eine Rechenmaschine zu entwickeln, die so kompakt ist, dass man sie in die Tasche stecken kann.

1939 nimmt sein Traum Gestalt an. Seine Konstruktion hat die Form einer kleinen Konservendose und ist ein handlicher, einhändig bedienbarer Zylinder von nur 5 Zentimetern Durchmesser und 8,5 Zentimetern Höhe. Er lässt sich mit einer Reihe von Schiebereglern an der Seite und, zum Auslösen des Rechenvorgangs, einer seidenweich laufenden Kurbel an der Oberseite bedienen. Die Konstruktion beherrscht alle vier Grundoperationen in elf- und später bis zu fünfzehnstelligen Zahlen, und selbst Dreisatzrechnen und Wurzelziehen sind möglich.

Doch die Weltpolitik macht dem Erfinder einen Strich durch die Rechnung. Im Juli 1943 wird Curt Herzstark als «Halbjude» verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Als hoch begabter Feinmechaniker wird er hier für die Konstruktion von Präzisionsteilen eingesetzt, wie sie etwa für die V2-Rakete benötigt werden, und in der KZ-Werkstatt stellt er auch seine erste «Liliput-Rechenmaschine» her, wie er seine Erfindung anfänglich nennt. Er rettet einer ganzen Reihe von Mithäftlingen das Leben, indem er sie in die schützende Fabrik holt und in seiner Abteilung einsetzt.

Nach seiner Befreiung durch alliierte Truppen im April 1945 sucht Herzstark Geschäftspartner, mit deren Hilfe er sein neuartiges Gerät in Serie zu produzieren hofft. Auf Initiative von Fürst Franz Josef II wird 1946 im liechtensteinischen Mauren die Contina AG gegründet, die von 1948 bis 1970 rund 140000 Stück des nach ihrem Erfinder benannten Rechners «Curta» herstellt. Trotz ihres stolzen Preises von 425 DM im Jahr 1965 ist die «Curta» laut Handbuch in Forschung und Wissenschaft ebenso beliebt wie in Handel und Finanz. In den 1970er Jahren von den ersten elektronischen Taschenrechnern allmählich verdrängt, ist sie ein Meilenstein in der Entwicklung moderner Rechenmaschinen.

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