Auf der Suche nach Innovation – der zweiköpfige Janus als Modell

Auf der Suche nach Innovation – der zweiköpfige Janus als Modell 

Die Quellen der Diversifikation sind vielfältig. Eine davon ist die Innovation im Anlageansatz.

Aktive Anlagestrategien, die neuartige Ansätze einsetzen, haben in der Tat das Potenzial, zu einer besseren Diversifikation beizutragen. Denn solche innovativen Strategien versprechen ja per se, „etwas anderes“ als die bestehende Strategien zu machen. In diesem Sinne sollten solche Strategien zuoberst auf der Agenda der institutionellen Anleger liegen, suchen diese doch ständig nach Diversifikationsquellen, die Portfolios – insbesondere während volatilen Marktphasen – robuster machen.

Zwei unterschiedliche Perspektiven

Obwohl beide im Anlagegeschäft tätig sind, sind aber die Perspektiven eines institutionellen Anlegers, der Diversifikationsquellen sucht, und eines Investment-Start-ups, das eine innovative Anlagestrategie verfolgt, völlig unterschiedlich. Die folgende Tabelle veranschaulicht diese Unterschiede:

Start-upInstitutioneller Kunde
Risiken:konzentriertdiversifiziert
Innovation:jabedingt
Ziele:Kapital-VermehrungKapital-Erhalt mit
„vernünftiger“ Verzinsung

Das Portfolio eines institutionellen Kunden ist breit diversifiziert, beruht auf einem etablierten Investment-Prozess und einem Rahmenwerk zur Asset Allocation. Es ist wenig Spielraum für „Experimente“ vorhanden, denn das Ziel ist es, Verluste zu vermeiden und langfristig ein moderates Wachstum zu erzielen. Das Investment-Start-up hingegen setzt auf eine innovative Idee und geht dafür ein erhebliches Konzentrationsrisiko ein. Sein Ziel ist es, Kapital konsistent zu vermehren, um einen Beweis – a posteriori – zu liefern, dass die Strategie funktioniert.

Abgesehen von unterschiedlichen Perspektiven gibt es eine weitere Dimension, welche die Distanz zwischen diesen zwei Anlegertypen vergrössert: die Kommunikation. Das Investment-Start-up verwendet neuartige Techniken und Ansätze, die es einerseits nicht vollständig preisgibt und die anderseits für institutionelle Anleger wie eine Fremdsprache wirken.

Wenn die Anlagephilosophie so unterschiedlich und das gegenseitige Verständnis so gering ist, wie sollen institutionelle Anleger die Diversifikationsquelle „Innovation“ im Anlagegeschäft dann überhaupt anzapfen?

Dachfonds als Vermittler

Eine wichtige Rolle als Vermittler spielen hier Dachfonds: Einerseits analysieren sie vertieft das breite Anlageuniversum, andererseits kennen sie die Anforderungen ihrer Kunden, der institutionellen Anleger. In dieser Vermittlerrolle wird der Erfolg von Dachfonds davon abhängen, wie die Beimischung der beiden Seelen – der unternehmerischen und institutionellen – erfolgt. Wenn der Dachfonds eine allzu institutionelle Perspektive einnimmt, wird der Diversifikationsgrad durch Innovation gering sein. Tritt er als Sammler von Innovationen auf, werden jedoch die Start-up-Risiken in seinen Portfolios die Oberhand haben. Für das passende Gleichgewicht gibt es kein Rezept – dafür ein bildliches Modell: ein zweiköpfiger Janus, der Innovation sucht, aber die Bedürfnisse der institutionellen Anleger nicht aus dem Auge verliert.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 10. Mai 2019 | marktEINBLICKE
  2. Slavisa at 16:06

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Im Prinzip ist es wahr, nur in der Praxis extrem schwierig umzusetzen. Jede eingegangene Position schmälert die Objektivität.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.