Das allzu moderne Goldvreneli

Das allzu moderne Goldvreneli 

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Wie aus der behäbigen Landesmutter Helvetia eine junge Frau wurde.

In gut einer Woche ist Weihnachten und Sie suchen noch ein Geschenk? Warum legen Sie statt dem neusten elektronischen Gadget nicht ein schön altmodisches Goldvreneli auf den Gabentisch? Diese populärste aller Schweizer Sammlermünzen besteht zu 90 Prozent aus Gold, hat einen Nennwert von 20 Franken und gilt weltweit als eine der schönsten Sammlermünzen überhaupt. Und zumindest bei ihrer Lancierung 1897 war sie überhaupt nicht altmodisch, sondern im Gegenteil fast zu modern.

Aus der strengen, behäbigen Landesmutter Helvetia, wie sie noch die Vorgängermünze zierte, war eine junge, hübsche Frau geworden. Ihr Schöpfer, der Neuenburger Medailleur Fritz Ulisse Landry, hatte die Ausschreibung zur Gestaltung der neuen 20-Franken-Goldmünze mit einem unkonventionellen Entwurf gewonnen. Nach seinen eigenen Worten wollte er durch die individuelle Gestaltung des Kopfes einer jungen Frau die Idee der Freiheit darstellen. Sein Modell war vermutlich eine gewisse Rosa Tännler aus Oberhasli im Berner Oberland, die damals gerade 17 Jahre alt war. Landry schreibt in einem Brief an Bundesrat Hauser, dass er für seinen Entwurf einen «typ du femme très pur du Hasli» studiert habe. Die Mehrheit der Jury hiess seinen Vorschlag gut. Allerdings war ihr die neue Helvetia zu jung, zu individuell und zu schwärmerisch. Landry musste seinen Entwurf überarbeiten und die Gesichtszüge reifer und mütterlicher gestalten. Als ein nicht namentlich genannter Bundesrat die ersten Probeprägungen sah, war er aber immer noch geschockt: Die Stirnlocke gebe «dem Frauenzimmer ein frivoles Aussehen.» Das war natürlich für eine solch wichtige Personifikation der Schweiz ein Unding – die Locke musste weg. Trotzdem wurde die neue Goldmünze von Fachleuten harsch aufgenommen: Die Helvetia müsse eine schöne Frau und Mutter sein, zwischen Jugend und gereiftem Alter, und dürfe nicht durch ein junges Mädchen dargestellt werden. Auch die Berge im Hintergrund wurden kritisiert: Die Schweiz setze sich doch nicht nur aus Hirten und Hoteliers zusammen. Wie auch immer: In der Bevölkerung kam das neue 20-Franken-Goldstück gut an. So gut, dass die neue Münze im Lauf der Zeit einen Kosenamen bekam. Aus der ursprünglichen Helvetia wurde noch vor dem zweiten Weltkrieg ein Vreneli. Über 58 Millionen dieser Münze wurden zwischen 1897 und 1949 geprägt. Dann war Schluss. Das Vreneli können Sie aber noch heute kaufen, für rund 212 Franken. Aber aufgepasst: Achten Sie unbedingt auf den Erhaltungszustand und Jahrgang. Beide können den Preis stark beeinflussen.

Leselinks:
Lesen Sie in der Numispost, dem Schweizer Magazin für Münzen, worauf man beim Kauf und Verkauf eines Goldvreneli achten sollte.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 16. Dezember 2014 | Die Börsenblogger

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