Das Anleihen-Dilemma: Staats- oder Unternehmensanleihen? 

Eine eidgenössische Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Coupon von 4 Prozent oder doch lieber die deutsche Bundesobligation mit einem Coupon von 5.5 Prozent? Schlussendlich sollte es dann doch die zehnjährige US-Anleihe zu über 6 Prozent sein. So «einfach» war die kurze Evaluation eines Investors, der um die Jahrtausendwende Staatsanleihen kaufen wollte. Eine relativ attraktive reale Verzinsung (im Vergleich zu der erwarteten Inflation) und zusätzlich noch Sicherheit in Form einer Staatsgarantie. Rückblickend profitierte der Investor nebst dem Coupon von einer weiteren Ertragsquelle: von den Kursgewinnen durch die anhaltenden Zinssenkungen einzelner Nationalbanken. Von einer solchen Ausgangslage können wir an den heutigen Märkten nur träumen.

Die US-Zinsen befinden sich seit nunmehr knapp 30 Jahren im Sinkflug und liegen heutzutage auf einem historischen Tiefstand. Die weltweit schlechten konjunkturellen Entwicklungen zwangen viele Nationen dazu, die nominalen Zinsen über die vergangenen Jahre kontinuierlich zu senken (siehe Grafik, Quelle: Datastream).

Langfristige Zinssätze: Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen

Langfristige Zinssätze: Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen

Das aktuelle Zinsniveau macht Staatsanleihen zunehmend unattraktiv. Eine Alternative können Unternehmensanleihen sein. Die Zinsen sind hier zwar auch gesunken, wer sich allerdings im Markt auskennt, findet relativ attraktive Anleihen im Vergleich zu Staatsanleihen. Dazu folgende zwei Beispiele aus Deutschland (Quelle: Bloomberg): 

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Trotz der etwas längeren Laufzeit und einem leicht geringeren Rating der Anleihe des Verlagshauses beträgt die Coupondifferenz zwischen den beiden Papieren nur knapp 1 Prozent, bei einem günstigeren Ausgabepreis am Primärmarkt. Vergleichen wir die beiden Unternehmensanleihen mit dem aktuellen Konditionen einer deutschen Bundesobligation mit einer zehnjährigen Laufzeit: 

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Die Unterschiede sind klar erkennbar: Die Staatsanleihe hat einen tieferen Coupon bei einem höheren Ausgabepreis und einer längeren Laufzeit, dafür eine bessere Bonität (Rating).
Für welches Investment würden Sie sich entscheiden? Wenn wir einen Blick in die Zukunft werfen, fällt Ihnen die Entscheidung vermutlich etwas leichter.

Zwei Faktoren wurden bis anhin nicht explizit berücksichtigt: Inflation (getrieben durch die expansive Geldpolitik) und eine mögliche Zinswende, da der Spielraum für Zinssenkungen praktisch ausgeschöpft ist. Eine höhere Inflation und steigende Zinsen wirken sich auf Staats- und Unternehmensanleihen aus, eine Renditesenkung wäre die Folge. Da selektive Unternehmensanleihen jedoch den etwas breiteren «Puffer» aufweisen (höherer Zins-Coupon inkl. etwaige Kursgewinne), bieten sie sich somit als echte Alternative zu Staatsanleihen an. Doch auch hier gilt: je stärker die Korrektur – je höher also der Zinsanstieg und/oder die Inflation ausfällt – desto negativer wirkt sich dies auf die Rendite bei Unternehmens- und Staatsanleihen aus.

Mehr Informationen zu Investitionen in festverzinsliche Anlagen – Anleihen

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