Das Ende der «Nachhaltigkeitsmuffel»

Das Ende der «Nachhaltigkeitsmuffel» 

Ein Unternehmen erstellt einen Nachhaltigkeitsbericht einerseits um seine Stakeholder über seine Aktivitäten zu informieren und andererseits als Ergänzung zur klassischen Rechnungslegung um den qualitativ geprägten Blick in die Zukunft.

Die Sinnfrage

Die Debatte, ob ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt werden soll oder nicht, gehört der Vergangenheit an. Mit der Verabschiedung der EU-Richtlinie zur Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen Ende September 2014 durch den Rat der Europäischen Union müssen sich nun auch «Nachhaltigkeitsmuffel» mit diesem Thema auseinandersetzen. Ab 2017 müssen alle börsenkotierten Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden in der EU und im EWR-Raum neben einem Geschäftsbericht auch einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen und publizieren.

Ausserdem rückt die Nachhaltigkeitsberichterstattung stärker in den Fokus der traditionellen Kreditrating-Agenturen wie Moody’s oder Standard & Poor‘s. Die Bereiche Ökologie und Soziales werden in Zukunft Teil der Unternehmens-Bewertung und seiner Kreditwürdigkeit sein.

Aber nicht nur aus regulatorischen oder Image-Gründen beschäftigen sich Unternehmen heute stärker als noch vor einigen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Vielen Firmen ist es mittlerweile wichtig, zu analysieren, welche finanziellen Auswirkungen Umwelt- und soziale Risiken haben und wie sie diesen begegnen können. Der Wert eines Unternehmens setzt sich in zunehmendem Masse nicht mehr nur aus finanziellen sondern auch aus sozialen und ökologischen Faktoren zusammen. Nachhaltigkeit ist damit aus ihrer ethisch moralischen Ecke herausgetreten und im Kerngeschäft angekommen.

Stärken- und Schwächenanalyse

Nachhaltigkeitsberichte liefern einen Überblick über die Stärken und Schwächen sowie die Fortschritte eines Unternehmens in den Bereichen Umwelt, Soziales, Ökonomie und Führungsverhalten. Firmen erhalten damit ein besseres Verständnis ihrer unternehmerischen Risiken und Chancen und sie können ihre Reputation und Markentreue verbessern.

Im nachhaltigen Wirtschaften (Ökonomie) ist das beispielsweise die Ausrichtung des Unternehmens hinsichtlich ihrer Corporate Governance und Ethik. Im Bereich Umwelt (Ökologie) wird die Ressourceneffizienz und der Klimaschutz behandelt. Im sozialen Bereich liegt der Themen-Schwerpunkt darin, inwiefern das Unternehmen seiner Verantwortung als guter Arbeitgeber (Familienfreundlichkeit, lebenslanges Lernen etc.) nachkommt, wie sehr es sich für die Gesellschaft engagiert und in welchem Ausmass sich die Mitarbeitenden engagieren. Grundsätzlich kann ein Unternehmen nur dann über die Aspekte der Nachhaltigkeit berichten, wenn es sich strukturiert und kontinuierlich mit diesen Fragen auseinandersetzt. Das wiederum setzt ein wirkungsvolles Nachhaltigkeitsmanagement voraus.

Verschiedene Reportingstandards

Um Unternehmen in Bezug auf diverse Nachhaltigkeitsthemen bewerten zu können, sind einheitliche Standards notwendig. Der bekannteste und meist genutzte Reporting-Standard ist das Rahmenwerk der Global Reporting Initiative (GRI); weltweit nutzen dieses mehr als 80 Prozent der Firmen.

In jüngster Vergangenheit hat sich zudem das IIRC-Rahmenwerk (International Integrated Reporting Committee) entwickelt, welches eine integrierte Berichterstattung anstrebt. Ein solcher Bericht soll in erster Linie aufzeigen, wie ein Unternehmen Mehrwert für die Gesellschaft schafft und ob dies für das eigene Geschäft materiell ist, also auch finanziell relevant. Diese integrierte Berichterstattung gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil den immateriellen Vermögenswerten, d.h. den sozialen, ökologischen und Governance-Faktoren ein grösseres Gewicht beigemessen wird als früher.

In den USA gewinnt das Reporting Rahmenwerk SASB (Sustainability Accounting Standards Board) an Bedeutung. Das SASB entwickelt branchenspezifische Rechnungslegungsstandards für Nachhaltigkeitsaspekte. Diese richten sich vorranging an Investoren und sind mit den gängigen US-Berichtsvorschriften kompatibel.

Nachhaltigkeit bei der LGT

Bei der LGT sind die langfristige Betrachtung und die Prinzipien der Nachhaltigkeit seit Langem in der Unternehmenskultur und der Eigentümerstruktur verankert. Als familiengeführtes Unternehmen hat die LGT nicht den kurzfristigen Gewinn im Blick, sondern sie denkt und handelt mit nachhaltiger Perspektive. Sie will für ihre Kunden, das Unternehmen und die Gesellschaft bleibende Werte schaffen und erhalten. In unserer Geschäftstätigkeit achten wir daher sorgfältig darauf, die Belastungen für Umwelt und Klima zu reduzieren und einen Beitrag für eine positive Entwicklung der Gesellschaft zu leisten.

Der kürzlich erschienene Nachhaltigkeitsbericht zeigt auf, wo die LGT Chancen aber auch Risiken sieht, und was sie in den Jahren 2013-2014 erreicht hat.

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Es gibt 5 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. Juni 2015 | Die Börsenblogger
  2. Bannwart Jörg at 17:31

    Es macht Freude den Nachhaltigkeitsbericht zu lesen und bei einem Arbeitgeber zu arbeiten welcher sich der Nachhaltigkeit und Venture Philanthropy verpflichtet fühlt und zeigt.

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 09:16

      Lieber Jörg

      Herzlichen Dank für Deine Zeilen. Es freut mich zu sehen, dass Dir der Nachhaltigkeitsbericht gefällt. LGT als Eigentümergeführte Bank denkt und handelt in Generationen und das wirkt sich positiv auf die Kultur aus. Ich teile daher Deine Begeisterung.

      Viele Grüsse
      Ursula

  3. Bijan Kholghi at 13:57

    Interessante Informationen. Freut mich, dass dieses Thema auch in der Finanzbranche von einigen Unternehmen ernst genommen wird. Leider ist das oftmals die Ausnahme. Ich finde es klasse, dass der Bericht hier veröffentlicht wurde. Daran sollten sich auch andere Unternehmen orientieren.

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 09:41

      Lieber Bijan
      Herzlichen Dank für diese positive Rückmeldung. Es freut mich zu sehen, dass der Bericht gut ankommt. Es würde uns freuen, wenn andere Finanzinstitute unserem Beispiel folgen würden. Ich finde es auch wichtig, dass wenn wir etwas Gutes tun, auch darüber sprechen sollten. Insbesondere die Finanzbranche ist zu oft nur mit negativen Schlagzeilen in den Medien vertreten.

      Viele Grüsse
      Ursula

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