Das Greshamsche Gesetz oder: gutes Geld, schlechtes Geld 

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Geldwert ist vor allem eine Frage des Glaubens und nicht des Materials. Doch manchmal stimmt die Mischung aus Edelmetall und Vertrauen nicht mehr: Unser gutes Geld verliert seinen Wert gegen minderwertiges.

Bis zum frühen 17. Jahrhundert bestimmte der Reichstaler des Heiligen Römischen Reiches den Handel zwischen den Ländern an der Ostsee, Russland und den weiter östlich gelegenen Reichen. Vom Baltikum bis Skandinavien und von Pommern bis ans Schwarze Meer verrechneten die Händler die Güter ihrer Handelskoggen und Fuhrwerke mit den traditionellen Reichstalern. Doch in wenigen Jahren verschwand die edle alte Währung von den Theken der Märkte und aus den Geldbeuteln der fahrenden Kaufleute. Der niederländische Albertustaler löste sie im Osthandel mehr und mehr ab, obwohl er aus weniger edlem Metall bestand – oder gerade deswegen.

Zeugnisse vom Verschwinden hochwertiger Währungen finden sich quer durch die Geschichte:

Bereits der griechische Dichter Aristophanes klagt in seiner Komödie „Die Frösche“ über den Niedergang der heimischen Währungen im Wettbewerb mit minderwertigem Geld.

Thomas Gresham (Bild oben), Mitbesitzer des grössten englischen Handelshauses seiner Epoche und Finanzberater der englischen Königin Elisabeth, formulierte Anfang des 16. Jahrhunderts ein bis heute gültiges Gesetz zur Währungsverdrängung, das seinen Namen trägt. Gresham erkannte, dass minderwertige Münzen, denen durch staatliche Reglementierung ein paritätischer Wechselkurs zugesprochen wird, Münzen mit höherem Materialwert verdrängen.

Das materiell billigere Geld wird unter solchen Bedingungen überwiegend als praktisches Zahlungsmittel verwendet, während das eigentlich höher geschätzte, aber im Wechselkurs zu niedrig bewertete Geld, gerne als eine Art stille Reservewährung gehortet wird. Das „gute Geld“ wird also trotz seines Wertes nicht ausgegeben, sondern so lange wie möglich gehalten, weil seine Besitzer eine zukünftige Aufwertung des höher geschätzten Geldes erwarten und entsprechende Gewinne einstreichen wollen. Es verschwindet dadurch aus dem Geldumlauf.

Vor allem in Krisenzeiten lässt sich dann eine Art Materialinflation bei den im Umlauf befindlichen Münzen beobachten: Die münzprägenden Institutionen sparen gerne an edlem Metall und geben Behelfs- oder Notgeld heraus. Die gehorteten Münzen mit edlerem Material erfahren gleichzeitig einen Wert- und Vertrauenszuwachs. Sie tauchen als „Tauschobjekte“ wieder auf und werden statt als alltäglichen Zahlungsmittel gerne weiter als wertbeständige Reserve oder sogar als Spekulationsobjekt verwendet.

Auch heute noch lässt sich in manchen Ländern eine greshamsche Tendenz beobachten: Wenn der Nennwert kleiner Münzen unter den Materialwert sinkt, werden sie von manchen Zeitgenossen schlicht als kleines Rohstoffdepot verwendet.

Bild: By unknown (Flemish school) (Thomas Gresham web page at Tudorplace.com) [Public domain], via Wikimedia Commons

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