Das Lotto di Genova

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Wie sich aus einer Parlamentswahl das heutige Glücksspiel Lotto entwickelte und wie ein Frauenheld für dessen Verbreitung sorgte.

Ohne Schweiss im Angesicht sein tägliches Brot und vielleicht noch die Butter drauf essen: Der Wunsch nach mühelosem und schnellem Reichtum treibt die Menschen seit jeher zum Glücksspiel und lässt sie den gesunden Menschenverstand gerne vergessen. Zu den beliebtesten Glücksspielen gehört das Zahlenlotto, wo es gilt, aus einer begrenzten Zahlenmenge möglichst viele der gezogenen Zahlen richtig voraus zu tippen.

Auf die Idee, das menschliche Gewinnstreben in Gestalt eines Zahlenlottos zu instrumentalisieren, kamen als erste die findigen Genuesen. Dort wurden im 16. Jahrhundert aus einer neunzigköpfigen Bürgerliste jeweils fünf Senatoren ausgelost. Bald schlossen die Bürger Wetten darauf ab, wer in den Rat kommen würde. Schnell erkannten die Stadtväter, dass aus diesem Wettspiel für die Veranstalter Profit zu schlagen wäre. Sie übernahmen die Organisation der Wettspiele, ersetzten die 90 Namen durch Zahlen und so entstand 1643 das erste Lottospiel mit der Formel 5 aus 90 und breitete sich schnell über ganz Italien aus. Nachdem 1731 das kirchliche Verbot des Glücksspiels aufgehoben wurde, gelangte das Zahlenlotto bald auch über die Alpen, zuerst nach Deutschland und danach auch nach Österreich, Holland, England und Frankreich.

Populär wurde das Lotto nämlich nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei den Herrschern und Regierenden, die es als praktisches Mittel zur Geldbeschaffung erkannten und sich jeweils das Monopol zur Durchführung von Lotterien sicherten. Giacomo Casanova, der das Glücksspiel in Venedig und Paris eingeführt hatte, bezeichnete gegenüber Friedrich dem Grossen, der ebenfalls Interesse am Zahlenlotto bekundete, die Erträge aus dem Lotto als eine Art freiwilliger Steuer: „Sire, es ist eine Steuer der exzellenten Gattung, wenn der König den Gewinn nützlichen Zwecken zuführt.“

In der Schweiz wurde 1937, also vor 80 Jahren, die interkantonale Landeslotterie, die heutige Swisslos gegründet. Gespielt wird nach der Formel 6 aus 42 und obwohl sich die Chancen auf einen Hauptgewinn im Promillebereich bewegen, liegen die Teilnehmerzahlen je nach Höhe des Jackpots in Millionenhöhe. Auch hier sind die einzigen sicheren Gewinner des Glücksspiels die Veranstalter, bzw. die von ihnen unterstützten gemeinnützigen Zwecke und der Schweizer Sport.

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Eine illustrierte Geschichte des Zahlenlottos

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