Das regulative Rettungspaket: Was ist Basel III? 

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Am neunten August 2007 entlud sich die erste Welle der globalen Finanzkrise: Die Zinsen für so genannte Interbank-Kredite stiegen sprunghaft an. Banken leihen sich untereinander Geld, um den Zahlungsverkehr sicher zu stellen und verlangen dafür Zinsen. Wenn diese Interbank-Zinsen steigen, erschwert das die Geldbeschaffung vieler Banken und damit auch ihre Möglichkeiten, Geld zu verleihen, zu verdienen oder eigene Kredite zu versorgen. Durch den Zinssprung wurden die Geldflüsse zwischen den Banken massiv gestört. Die Banken misstrauten einander gegenseitig, weil sie faule Immobilienkredite in den Bilanzen der jeweils anderen fürchteten und nicht von der deren Zahlungsunfähigkeit anderer in Mitleidenschaft gezogen werden wollten. Ausgerechnet die Finanzbranche geriet dadurch in globale Zahlungsschwierigkeiten, für manche Institute mit fatalen Folgen: Der Zusammenbruch der US-amerikanischen Grossbank Lehman Brothers im September 2008 markierte den vorläufigen Höhepunkt der Interbanken-Krise.
Um den Domino-Effekt innerhalb des Finanzsektors einzudämmen und ein weiteres Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft zu verhindern, stützten viele Staaten grosse Finanzinstitute (unter anderem American International Group, UBS oder die Commerzbank) durch riesige Kapitalspritzen aus öffentlichen Geldern. Die Finanzindustrie trat damit in ein absurdes Stadium ein: Die Allgemeinheit gewährte den Banken Kredite aus Steuermitteln, um deren finanzielles Überleben zu sichern. Spätestens hier offenbarte sich der Reformbedarf der internationalen Finanzordnung.

Basel III ist eine Art regulatives Rettungspaket, ein Massnahmenkatalog gegen die potenziellen Brandherde des internationalen Finanzsystems. Der wichtigste Stabilitätsanker von Basel III sind neue Regeln für die Eigenkapitalisierung der Banken:  Hochwertige und höhere Eigenmittel sollen die Institute krisenresistenter machen. Die neue Eigenkapitalregelung ist auch eine Brandmauer gegen einen Flächenbrand in der Finanzbranche. Neue Transparenzregeln und Meldepflichten im Rahmen von Basel III schaffen für die politischen Instanzen und auch für die Banken untereinander Klarheit über Kreditrisiken. Auf diese Weise soll das dritte Basel-Paket dem Misstrauen zwischen Instituten vorbeugen.

Basel III ist nicht unumstritten. Vor allem die bürokratische Wucht des Regelwerks und Zweifel an der Wirksamkeit der Mechanismen werden intensiv diskutiert. Der Duden weist dem Verb «verbaseln» die Bedeutung zu: «Aus Nachlässigkeit versäumen, vergessen, verlieren». Hoffen wir, dass Basel III die Krisenprävention in der internationalen Finanzarchitektur verbessert und nicht verbaselt.

Leselinks:

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Herrmann Remsperger setzt sich auf der Ökonomenstimme kritisch mit der Kritik an Basel III auseinander: Unvollendet, aber nicht allein
Martin Maniera beleuchtet in der NZZ die Bedeutung von Basel III für die Realwirtschaft: Banken müssen Teil der Lösung sein
Der Blicklog fasst Basel III kompakt zusammen: Europa Parlament beschliesst Basel III-Umsetzung

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