Das Trilemma des Investierens

Das Trilemma des Investierens 

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Die Finanzindustrie hat sich über die letzten Jahrzehnte immer mehr „mathematisiert“. Mathematische Theorien wie Statistik, Zeitreihenanalysen oder Spieltheorien wurden im Zusammenhang mit finanztechnischen Problemen eingesetzt und finden immer breitere Anwendungsgebiete. Diese numerische, mathematische Perspektive verleiht der Finanzwelt einen „wissenschaftlichen” Charakter.

So kann der Eindruck entstehen, dass Finanzleute Fragen und Probleme wie beispielsweise zur Portfoliokonstruktion, zu Investitionsansätzen oder zu einzelnen Investitionstechniken, in einer objektiven und empirischen Art angehen. Allerdings hat die Finanzwelt – trotz der allgegenwärtigen Präsenz der Mathematik – den Sprung in die Akademie der Wissenschaften noch nicht ganz geschafft.

Denn Fragen, die man wissenschaftlich nicht beantworten kann und die zur Bildung „ideologischer“ Fraktionen führen, spielen in der Finanz immer noch eine gewichtige Rolle. Hier ein paar Beispiele:

Aktive vs. passive Investitionsansätze: Hier geht es um die Frage, ob ein aktiver Investitionsansatz in einer bestimmten Anlageklasse einen Mehrwert schaffen kann, oder nicht: „Kann man also den Markt dauerhaft schlagen, indem man eigene Strategien verfolgt?“ Die beiden konkurrierenden Ansätze des aktiven und passiven Investierens werden am besten von ETF-Index-Fonds und Hedge-Fonds dargestellt: Der eine ist so aufgestellt, dass seine Zusammensetzung möglichst exakt den Markt repräsentiert und vergleichbaren Gewinn abwirft. Der andere versucht, mit ausgefeilten Strategien besser als der Markt zu wirtschaften.

Diversifikation vs. Konzentration: Wie stark konzentriert darf ein Portfolio sein? Wieviel Diversifikation ist nötig? Wenn man von wenigen, bestimmten Investitionsgelegenheiten überzeugt ist, wieso soll man diese in einem Portfolio „verdünnen“, indem man weitere Investitionen zur Diversifikation tätigt? Ist das Prinzip der Diversifikation nicht nur eine elegante Art, die Verantwortung über den Investitionserfolg abzuschwächen? Ein Unternehmer setzt meistens auf eine Vision oder Idee und kann sein Risiko nicht in mehreren Alternativen verzetteln. Aber man weiss auch, dass Investitionen zyklisch sind und die Diversifikation es erlaubt, einer solchen Zyklizität entgegenzuwirken.

Taktische Asset Allokation vs. Zufall: Kann die Gewichtung der verschiedenen Komponenten in einem Portfolio über einen bestimmten Zeitraum so angepasst werden, dass man konsistent die erfolgreicheren Investitionen identifiziert und dementsprechend übergewichtet? Die Gegner der taktischen Asset Allokation sind der Meinung, dass man keinen dauerhaften Erfolg haben kann, sondern dass allfällige Erfolge eher das Ergebnis einer glücklichen Kombination von Ereignissen sind, die sich nicht mehr wiederholen lässt.

Das sind nur einige Fragen, die nicht definitiv beantwortet werden können. Trotz des Anscheins einer Wissenschaftlichkeit ist und wird die Finanz nicht in der Lage sein, diese Probleme zu lösen. In diesem Sinne werden sich die zwei gegenseitigen Lager immer wieder auf dem Feld dieser Fragestellungen begegnen.

Eine definitive Antwort ist jedoch gar nicht unbedingt notwendig. Bezüglich der Debatte „aktiv vs. passiv“ können Investoren neutral bleiben und beide Investitionsansätze im eigenen Portfolio umsetzen: In der Aktien-Allokation können zum Beispiel ETF- und Long-/Short-Equity-Strategien ihren Platz haben.

Betreffend der Fragen „Diversifikation oder Konzentration?“ und „Taktische Asset Allokation vs. Zufall?“ kann ein Anleger jedoch nur eine weniger offene Haltung haben. Es können nicht beide Alternativen adoptiert werden: Das Portfolio ist entweder konzentriert oder nicht und man ist in der Allokation entweder taktisch aktiv oder eben nicht.

Obwohl Investoren einige Fragen beantworten müssen, bleiben mehrere Antworten berechtigt. Während die Wissenschaft je eine gültige Antwort für jede Frage sucht, duldet die Finanz alternative Antworten zu ihren Fragen, die man sogar gleichzeitig vertreten kann.

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Bild: By Wallpoper, via Wikimedia Commons

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
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