Der Regenwald brennt

Der Regenwald brennt 

Der Amazonas-Regenwald wird oft als „Lunge der Erde“ bezeichnet. Das ist nicht ganz korrekt, denn der Wald produziert in etwa gleich viel Sauerstoff, wie er selbst verbraucht. Durch seine Zerstörung geht uns daher nicht der Sauerstoff aus, und trotzdem ist diese eine Katastrophe für das Klima und die Artenvielfalt.

Als tropischer Regenwald wird eine Vegetationsform bezeichnet, die nur in der Klimazone der immer-feuchten Tropen in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Süd- und Südostasien und in Australien anzutreffen ist. Solche Regenwälder sind wichtig für unser Ökosystem. Werden sie abgeholzt, stellt dies eine Bedrohung für die Tier- und Pflanzenwelt, das regionale und weltweite Klima dar.

Abholzung – aus verschiedensten Gründen

Die Waldbrände in Brasilien sind derzeit das aktuellste Beispiel für die Zerstörung des Regenwaldes. Die Gründe dahinter sind weltweit aber unterschiedlich. So werden Regenwälder in Afrika oft aufgrund des traditionellen Wanderfeldbaus – meist zur Selbstversorgung – gerodet. Grosse Unternehmen gewinnen aus den Regenwäldern zudem Tropenholz, wobei rund 40% des Holzes illegal auf den Markt gelangt.

Am häufigsten werden die Regenwälder jedoch wie in Brasilien für die Agrarindustrie abgeholzt. Das Land ist eine landwirtschaftliche Grossmacht und exportiert Produkte in die ganze Welt. Um die Produktion wie von Palmölplantagen oder Sojabohnen aufrechtzuerhalten, benötigt die Agrarindustrie immer wieder neue Anbaugebiete. Dafür werden Gebiete im Regenwald und Wälder in der Cerrado Savanna gerodet.

Der Konsum steigt: Mehr Fleisch, mehr Erdöl, mehr Gold

Die zunehmende Abholzung ist indirekt durch den steigenden Konsum der Industrienationen bedingt. So ist etwa der hohe Fleischkonsum in Industriestaaten nur dank Massentierhaltung möglich. Diesen Tieren wird eiweissreiches Soja verfüttert, das wiederum in grossen Monokulturen auf den gerodeten Regenwaldflächen angebaut wird. Rund 80 Prozent der weltweiten Sojaernte wird als Futter in der Tiermast eingesetzt. Grosse Konzerne bauen auf den gerodeten Flächen zudem Agrarrohstoffe wie Palmöl, Holz oder Kakao an. Der Anbau von solchen Monokulturen laugt den Boden aus und durch den Einsatz von Pestiziden wird er zusätzlich zerstört. Nach einigen Jahren ist der Boden unfruchtbar und für die Landwirtschaft unbrauchbar, weshalb dann zusätzliche Regenwaldflächen abgeholzt werden.

Neben Agrarrohstoffen werden in den Regenwaldgebieten auch andere stark nachgefragte Rohstoffe wie Erdöl, Kupfer oder Gold gefördert. Hier liegt das Problem meist darin, dass durch die Förderung Boden und Wasser verseucht werden und so die Natur und der Lebensraum für indigene Völker gefährdet wird sowie Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Eine verheerende Botschaft für das Amazonasgebiet und die Erde, leben dort ein Fünftel aller Pflanzen- und Tierarten der Welt.

Mikroklima wird zerstört

Die Rodung hat neben ausgelaugten oder verseuchten Böden jedoch noch viel gravierendere Folgen. Regenwald ist ein CO2-Speicher, denn Bäume nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf – und zwar mehr, als sie durch die Atmung wieder abgeben. Besonders in den ersten Wachstumsjahren können Tropenbäume pro Hektar Land 15 bis 29 Tonnen CO2 einlagern – mit dem Alter nimmt dieses jährliche Auffassungsvermögen ab, bis keine CO2-Fixierung mehr stattfindet. Wird ein Wald jedoch gerodet bzw. zersetzt sich das Holz, wird das gespeicherte CO2 wieder freigesetzt. So werden durch die Abholzung grosse Mengen an CO2, pro Jahr rund ein bis zwei Gigatonnen, freigesetzt, welches die Bäume zuvor gespeichert hatten. Die Abholzung im Amazonas trägt damit rund drei Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei.

Bäume haben zudem eine wichtige Funktion für das Mikroklima. Sie verdunsten Wasser, wodurch die Wolkenbildung gefördert wird. Auch lassen sie die Sonnenstrahlen oft nicht bis zu den Baumkronen durchdringen, was die Erde kühl hält. Wird der Regenwald gerodet, bricht dieser Wasser- und Kühlkreislauf zusammen. Ohne Wald trifft die Sonnenstrahlung auf den ungeschützten Boden und erwärmt die Erdoberfläche. Der Boden trocknet aus und die Wolkenbildung bleibt aus. Organische Bestandteile zersetzen sich schneller und es werden grosse Mengen an CO2 freigesetzt. Das Mikroklima verändert sich und der Treibhauseffekt wird verstärkt. Wissenschaftler schätzen, dass 11 Prozent der globalen menschenverursachten CO2-Emissionen aus der Zerstörung von Wäldern und anderen Landnutzungsänderungen (wie bspw. Entwässerung von Torfböden) hervorgehen.

Was tun?

Alles Grosse beginnt im Kleinen. Wir Endkonsumenten können der Abholzung entgegenwirken, indem wir auf Fleisch verzichten oder zumindest darauf achten, dass es aus nachhaltiger Tierhaltung aus der Region kommt (Lesen Sie auch: Klimaschutz fängt beim Einkauf an). Dasselbe gilt bei Holz bzw. dem Kauf von Holzmöbeln und auch für Produkte, die Palmöl beinhalten. Einfluss nehmen kann man auch bei der Geldanlage, indem bewusst nicht in Projekte und Unternehmen investiert wird, die in die Regenwaldabholzung involviert sind. Das LGT Sustainability Rating unterstützt Kunden zum Beispiel dabei, ihr Vermögen nach ihren Wertvorstellungen anzulegen, indem es transparent aufzeigt, wie Aktien, Obligationen, Fonds oder ETFs in Sachen Nachhaltigkeit abschneiden.

Aktiv werden kann zudem jeder, in dem er Aufforstungsprojekte unterstützt – und zwar lokal wie auch international. So führt zum Beispiel die Klimastiftung Schweiz, mit der die LGT eine lange Partnerschaft verbindet, ein Waldpflegeprogramm durch. Sie unterstützt so die Verjüngung von überalterten Wäldern, deren Bewirtschaftung sich wirtschaftlich nicht lohnt. Denn auch wenn die Schweiz und Liechtenstein nur einen kleinen Prozentteil der weltweiten Waldfläche beisteuern können, absorbieren junge Wälder mehr CO2 aus der Luft als alte und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. HF Pucher at 17:08

    Einmal mehr – sehr interessant.

    note bene: Klimastreik hilft hier nicht sondern nur ein Konsumstreik bzw. Selbstbeschränkung und ein mehr frugaler Lebensstil – und die Macht dazu hat jeder einzelne.

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. Oktober 2019 | marktEINBLICKE

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