Der Soziologe an der Wall-Street

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Erfindungen im Finanzbereich gehen nicht zwangsläufig auf Ökonomen zurück – den ersten Hedgefonds rief ein ehemaliger Diplomat und Journalist ins Leben. Alfred Winslow Jones wurde vor 115 Jahren, am 9. September 1900, in Melbourne (Australien) geboren.

«Derzeit würden die meisten Leute einen Hedgefonds als höchst spekulative Anlagestrategie beschreiben, mit dem ahnungslose Bonzen und sorglose Finanzinstitute ihr letztes T-Shirt verlieren», sagte der Starinvestor und Finanzanalyst Mario Gabelli noch zu Anfang des Jahrtausends. Das war keineswegs überraschend: Wenige Jahre vor Gabellis Feststellung war der Hedgefonds Long Term Capital Management zusammengebrochen. Der Fonds, zu deren Direktoren die Wirtschafts-Nobelpreisträger Myron S. Scholes und Robert Carhart Merton zählten, musste in einer bis zur Finanzkrise 2007 einzigartigen Rettungsaktion gestützt werden, da man den Zusammenbruch des US-Finanzsystems befürchtete. Nur wenig später strauchelten auch andere Hedgefonds.
Diese Vorfälle rückten die Hedgefonds unter negativen Vorzeichen ins Rampenlicht und überschatteten ihre 50-jährige Geschichte. Was heute von vielen zu Unrecht als Paradebeispiel einer hochspekulativen Anlagetechnik gilt, begann unter ausgesprochen konservativen Vorzeichen.

Long-Short-Strategie

Denn der Harvard-Absolvent und Journalist beim Wirtschaftsmagazin Fortune Alfred Winslow Jones wollte mit seinem ersten Hedgefonds ganz bewusst kein hochriskantes Instrument entwickeln. Im Gegenteil: Mit der von ihm ersonnenen Long-Short-Strategie wollte er unabhängig vom Auf und Ab auf dem Aktienmarkt einen möglichst hohen Ertrag generieren. Er verkaufte Aktien von Unternehmen, die seiner Ansicht nach schlecht wirtschafteten, ohne diese zu besitzen (Leerverkauf), um diese später auf einem niedrigeren Kursniveau wieder zu erwerben. Mit den Einnahmen aus diesen Leerverkäufen finanziert er den Kauf von Aktien, von denen er sich eine Wertsteigerung versprach.
Mit 40 000 Dollar aus der eigenen Tasche und weiteren 60 000, die er bei vier Freunden akquirierte, startete Alfred Winslow Jones den ersten Hedgefonds. Gleich im ersten Jahr erzielte das Unternehmen – mit Alfred Winslow Jones als Managing Partner – äusserst respektable 17.3 Prozent Rendite. Und anders als so mancher Nachfolger ist das Hedgefonds-Unternehmen A.W. Jones auch heute noch aktiv.

Leselinks

  • Wikipedia über den Diplomaten, Journalisten und Finanzakteur.
  • Informationen über A.W. Jones gibt es natürlich auch auf der Webseite des von ihm gegründeten und noch immer aktiven Hedgefonds-Unternehmens.
  • Hedge Funds als Anlagelösung der LGT (Anlageprodukte dürfen wir Ihnen nur abhängig von Ihrem Domizilland anzeigen).
Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 8. September 2015 | Die Börsenblogger

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