Der verlorene Kompass der Investoren

Der verlorene Kompass der Investoren 

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Finanzmärkte sind äusserst dynamische, volatile und komplexe Systeme. Sie sind gut erforscht, sodass den Investoren ein reichhaltiges Arsenal an Analyse- und Berechnungsmethoden zur Einschätzung von Risiken und Perspektiven zur Verfügung steht. Beste Voraussetzungen also, um mit etablierten und zuverlässigen Methoden fundierte und erfolgreiche Entscheidungen zu treffen. In der Praxis zeigt sich jedoch meist das Gegenteil: Investoren sind häufig gezwungen, die Gültigkeit ihrer selbst aufgestellten Prinzipien in Frage zu stellen. Schauen wir uns folgende Beispiele näher an:

Lange Perspektive, aber kurzer Atem

Die historische Entwicklung einer bestimmten Anlagestrategie ist ein wichtiges Analyseinstrument, um deren Qualität zu beurteilen und das Vertrauen in eine Strategie zu stärken. Je länger die Historie, desto besser: in einer langjährigen Perspektive lassen sich auch schwierige Phasen erkennen, die gegebenenfalls von den sukzessiv guten Perioden relativiert werden. Soweit die Theorie. In der Praxis scheinen Investoren schnell ungeduldig zu werden: Wenn eine schwierige Periode einsetzt, die auch im historischen Vergleich ein wenig länger sein mag, schwindet das Vertrauen in die Strategie schnell. In diesem Moment scheint die langjährige Historie nicht mehr so relevant zu sein und die Anlageperspektive des Investors verkürzt sich dramatisch: Er wartet selten schwierige Perioden ab und steigt stattdessen schnell aus – allen Erkenntnissen aus der Beurteilungsphase zum Trotz.

Die Kurzlebigkeit gesicherter Erkenntnisse

Überlegt sich ein Investor – im Vakuum der Logik –, welche Grundeigenschaften eine Investition haben soll, wird er sehr wahrscheinlich folgende dazu zählen: 1. ein attraktives Renditepotenzial, 2. Liquidität, 3. Transparenz, 4. Diversifizierung und 5. beschränkte Volatilität. Im Kontext dieses Gedankenexperiments würde jeder Investor anerkennen, dass keine Investition in der Praxis all diese Eigenschaften zu gleich erfüllen kann. Er würde einsehen, dass mindestens eine der obigen Eigenschaften nicht erfüllt sein kann. Eine Investition in Managed Futures Strategien beispielsweise erfüllt die ersten vier Grundeigenschaften, aber sie ist von einer höheren Volatilität geprägt. In der Theorie wird das jeder unterschreiben – aber worüber klagen die meisten Managed Futures Investoren: Über die Volatilität ihrer Investitionen. Die Logik dahinter scheint also schnell wieder vergessen zu sein.

Die versteckte Illusion des Investierens

Sind systematische Anlageansätze besser als aktives Management? Auch hier würde ein Investor im geschützten und verlustfreien Raum eines Gedankenexperiments feststellen, dass beide Ansätze ihre jeweiligen Vorteile haben. Trotzdem kann man in der Finanzindustrie aktuell das Gegenteil beobachten: Nach schwierigen Jahren für aktive Investoren sind systematische Anlagestrategien auf dem Vormarsch, als wäre der Traum einer Geldmaschine keine Illusion mehr. Aber daran zu glauben, dass ein Algorithmus die Lösung gefunden hat, wie man Geld gewinnt und vermehren kann, ist absurd.

Investoren begeben sich mit einigen Prinzipien auf die „Reise des Geldverdienens“, welche ihre Navigation steuern und Sicherheit geben sollen. Wenn einem jedoch die Sterne am Himmel nicht mehr bekannt vorkommen, der Wind nicht aus der erwarteten Richtung weht oder das Unwetter nicht mehr aufzuhören scheint, macht sich oft schnell Orientierungslosigkeit breit. Die eigenen Navigationsprinzipien werden rasch über Bord geworfen und durch neue ersetzt. Nur die erfahrensten Investoren halten auch in stürmischer See ihren Kurs, während viele irren oder Schiffbruch erleiden.

Bild: By Christoph Swoboda (Own work) CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

 

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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