Die Amsterdamer Pfeffersäcke

Die Amsterdamer Pfeffersäcke 

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Gewürzhändler gründeten 1602 in Holland die erste moderne Aktiengesellschaft der Welt.

1595 segelte die erste niederländische Flotte um das Kap der guten Hoffnung nach Niederländisch-Ostindien. Das heutige Indonesien galt als Land, wo der Pfeffer wächst. Das Ziel war es, möglichst vollbeladen mit wertvollen exotischen Gewürzen zurückzukehren. Die Flotte war erfolgreich und der Gewürzhandel entwickelte sich schnell zu einem einträglichen Geschäft. Bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts schickten die niederländischen «Pfeffersäcke» jährlich bis zu 70 Schiffe nach Indonesien. Finanziert wurden diese Flotten von sogenannten Kompanien. Nach Abschluss einer Expedition wurde der Gewinn jeweils unter den Beteiligten aufgeteilt und die Gesellschaft wieder aufgelöst. 1602 gründeten dann einige der grössten Gesellschaften die niederländische Ostindien-Kompanie. Durch den Zusammenschluss wollten sie die hohen Investitionen für den Bau der Flotte finanzieren und die hohen Risiken breiter streuen. Um das anvisierte hohe Kapital zusammenzubringen, luden die 17 Gründer erstmals auch wohlhabende Kaufleute, Provinzen und Städte ein, sich in Form von Anteilen an der Gesellschaft zu beteiligen. Diese Anteile konnten, und das war der Clou, an der Börse gehandelt werden. Den Anlegern war es somit möglich, ihre Investition bereits vor dem Abschluss der Reise wieder flüssig zu machen, ohne dass die Kompanie das Kapital zurückzahlen und wieder aufnehmen musste. Wegen dieser Handelbarkeit gilt die Ostindien-Kompanie als erste echte Publikums-Aktiengesellschaft modernen Typs. Klugerweise hatten sich die Gründer auf vielen ostindischen Inseln ein Handelsmonopol von der niederländischen Regierung gesichert. Die Anleger erhielten deshalb fürstliche Dividenden auf ihr Kapital und der Aktienkurs stieg bis auf das 12-fache des Ausgabepreises.

Obwohl schon bald erste Nachahmergesellschaften entstanden, konnten die Niederländer knapp 200 Jahre von ihrem Vorsprung profitieren. Aber schon damals rächte es sich, nicht mit der Zeit zu gehen: Ende des 17. Jahrhunderts waren statt Gewürzen, auf die die Kompanie ein Monopol hatte, zunehmend Güter wie Tee, Seide und Porzellan gefragt. 1798 führten die stärkere Konkurrenz, der Krieg mit England sowie die grassierende interne Korruption zur Auflösung der Kompanie. Und schon damals musste bei einem solchen Grosskonkurs die öffentliche Hand einspringen: Die aufgelaufenen Schulden der Gesellschaft wurden nämlich grosszügigerweise vom niederländischen Staat übernommen.

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Eine der wenigen übriggebliebenen Originalaktien der Ostindischen Kompanie ist an der Amsterdamer Börse ausgestellt. Wie die Aktien damals aussahen, sehen Sie im Beitragsbild.

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